Bad Oldesloe : Rechte Aufkleber in Oldesloe: Verdacht der Volksverhetzung

In der Kreisstadt tauchen in letzter Zeit Aufkleber mit offenbar rechtsextremem Hintergrund auf.
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In der Kreisstadt tauchen in letzter Zeit Aufkleber mit offenbar rechtsextremem Hintergrund auf.

Nachdem die Logos an verschiedenen Stellen in der Innenstadt aufgetaucht waren, informierte Bürgermeister Lembke die Polizei .

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07. August 2017, 06:00 Uhr

Schaut man sie sich nicht näher an, dann wirken sie zunächst fast wie die bekannten „Refugees-welcome“-Logos , die seit einigen Jahren von Flüchtlingshelfern genutzt werden und als Symbol für eine weltoffene Gesellschaft dienen. Doch schnell fällt bei genauerem Hinsehen das rot gefärbte „not“ auf und der eindeutige Hinweis „Stay in your homeland“, daneben ist das gerne in der rechtsextremen Szene verwendete Eisenkreuz zu sehen. Die abgebildeten, stilisierten geflüchteten Personen sind in diesem Fall mit Maschinengewehr und Panzerfaust bewaffnet. Zusammengefasst kann man sagen, es wird eindeutig jenseits jeglicher sachlicher Diskussion, Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht.

Geklebt wurden die Aufkleber durch Unbekannte quer durch die Oldesloer Innenstadt. „Ich finde es sehr wichtig, dass diese Aufkleber sofort verschwinden. Die Stadtverwaltung sollte im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür sorgen, dass solche Aufkleber bereits am nächsten Tag wieder weg sind. Man sollte versuchen herauszufinden, woher sie stammen“, ärgert sich Walter Albrecht, der sich stark im „Bündnis gegen Rechts“ in der Kreisstadt einbringt. „Man kann jetzt nicht sagen, dass das nur ein paar Aufkleber sind. Ich stelle fest, dass es mehr und mehr möglich ist, wieder verabscheuungswürdige Dinge über Flüchtlinge oder Ausländer zu sagen, ohne Angst vor Konsequenzen zu haben“, so Albrecht weiter.

Walter Albrecht
Walter Albrecht

„Man kann auch nicht sagen: ,Wehret den Anfängen’, denn über die sind wir hinaus, wenn es sowas wieder in Deutschland gibt. Wir dürfen keine Diskriminierung oder so eine Diffamierung akzeptieren. Wer sich so äußert, darf sich nicht noch wohlfühlen oder denken, dass er Zustimmung bekommt, weil solche Aufkleber hängen bleiben oder es schulterzuckend hingenommen wird. In meinem Bekanntenkreis denken Menschen nicht so, aber ich weiß, dass sich immer mehr Mitbürger trauen, Dinge zu sagen, die vor Jahren undenkbar gewesen wären. Wir müssen sehr aufpassen“, sagt Albrecht weiter.

Hartmut Jokisch, der sich unter anderem beim „Kaktus“ in der Hindenburgstraße und beim „Willkommenscafe“ im Bürgerhaus einbringt, möchte die Wirkung der Aufkleber nicht überbewerten. „Wir leben in einer Zeit, in der alles zugekleistert ist mit Werbung und Aufklebern. Ich glaube nicht, dass die groß jemandem auffallen oder eine Wirkung haben. Natürlich ist es nicht schön, dass so etwas geklebt wird und ich finde, es sollte entfernt werden. Ich finde es aber generell ein Unding, wie viel mit Aufklebern hier zugepflastert wird. Aus meiner Sicht sollten die alle entfernt werden“, so Jokisch. „Als wir das Willkommenscafé eingeführt haben, hatte ich Befürchtungen, dass es zu Anfeindungen kommen könnte. Die gab es aber nicht. Man hört hier und da mal das übliche Gemecker, dass dafür nun Geld da sei und für andere Dinge nicht und so weiter. Aber das hält sich im Rahmen. Weder wir noch die geflüchteten Personen, die zu uns kommen, fühlten sich bisher bedroht durch irgendwen“, so Jokisch. Nur in vereinzelten Fällen und nach bestimmten Ereignissen hätten Gäste des Cafés berichtet, dass sie sich aus ihrer Sicht ungerechten Vorwürfen ausgesetzt fühlten. „Generell empfinde ich die Stimmungslage aber als unverändert gut, so wie ich es mitbekomme. Unsere Klienten aus dem Kreis der geflüchteten Personen bestätigen das auch“, meint Jokisch.

Bürgermeister Jörg Lembke: „Wenn wir wissen, wo diese Aufkleber genau hängen, werde ich den Bauhof selbstverständlich damit beauftragen, sie zu entfernen.“ Da er den Aufdruck der Aufkleber für sehr problematisch halte, informierte er außerdem die örtliche Polizei. „Es sollte geprüft werden, ob hier nicht der Straftatbestand der Volksverhetzung besteht“, so der Verwaltungschef.  

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