Bargteheide : „Razzia nur ein Ansatz“

Im Schulzentrum ist Alkoholkonsum verboten. Die damit einhergehende Vermüllung ist der Bürgermeisterin ein Dorn im Auge.
Im Schulzentrum ist Alkoholkonsum verboten. Die damit einhergehende Vermüllung ist der Bürgermeisterin ein Dorn im Auge.

Bargteheides Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht setzt im Kampf gegen Vandalismus auf ein gut abgestimmtes Maßnahmenpaket.

Andreas Olbertz. von
10. Juli 2018, 06:00 Uhr

Am Wochenende hat die Polizei mit einer Razzia im Schulzentrum durchgegriffen (wir berichteten). Seit dem vergangenen Herbst hat sich das Areal als Treffpunkt für Jugendliche etabliert. Es werde „in erheblichem Maße Alkohol, aber auch Betäubungsmittel konsumiert“, so Polizeisprecher Holger Meier. Zudem sei eine Häufung von Diebstählen, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen festzustellen.

Bei dem Großeinsatz wurden 50 Personen kontrolliert. Ein Drittel war nicht volljährig, der Jüngste 15 Jahre alt. Bei einem 22-Jährigen wurde eine kleine Menge Drogen gefunden, wahrscheinlich Kokain. In einem Gebüsch entdeckten Polizisten eine Dose mit Cannabis – vermutlich schnell weggeworfen, als die Kontrolle begann. Bei einem anderen 22-Jährigen beschlagnahmten die Beamten ein verbotenes Einhandmesser. Zwei Jugendliche, 15 und 17 Jahre alt, wurden erheblich alkoholisiert angetroffen –1,1 und 1,84 Promille.

„Wir werden dort weiter kontrollieren“, kündigt Holger Meier an: „Es finden dort ständig Streifen statt und es wird auch zukünftig weitere große Kontrollen geben.“ Werden dadurch Straftaten verhindert oder nur verlagert, wäre der Einsatz von Sozialarbeitern nicht sinnvoller? „Das ist spekulativ“, so Meier: „Die Örtlichkeit unterstützt, was dort passiert.“ Zentral gelegen und schlecht einsehbar. „Auf dem Marktplatz wäre viel eher interveniert worden“, ist er überzeugt.

Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht legt wert auf die Feststellung: „Das normale gesellschaftliche Leben überwiegt dort.“ Es sei ein gesellschaftliches Phänomen, das auch vor Bargteheide nicht Halt mache. Dass sich Jugendliche dort treffen, sei nicht verboten, gegen ein Bierchen hätte vermutlich auch niemand etwas gesagt. „Aber der wüste Anblick Montagmorgen ist nicht mehr hinnehmbar“, sagt die Verwaltungschefin: „Man kommt ja nicht mehr in die Schule, weil man über Scherben laufen muss.“ Gleichzeitig sieht sie in Abschreckung aber kein Allheilmittel. „Razzia und Kontrolle sind ein Ansatz. Wir müssen aber auch sehen, welche Bedarfe sich dort zeigen“, sagt Kruse-Gobrecht. Um ein gut abgestimmtes Maßnahmenpaket auf den Weg bringen zu können, setzt sie darauf, „alle relevanten Partner am Tisch“ zu haben. Ende August sei die nächste Gesprächsrunde geplant. „Das Thema ist nicht mit zwei Sitzungen erledigt, es sind verschiedene Stellschrauben zu drehen“, erklärt sie.

Welche das sein werden, da will sie den Akteuren nicht vorgreifen. Beleuchtung und Überwachung sind Begriffe, die immer wieder genannt werden, Beschilderung und Hausordnung gehören ebenfalls dazu. Auch das ursprünglich für Flüchtlinge gedachte W-Lan steht zur Diskussion. Kruse-Gobrecht: „Wenn das zu solchen Konfliktherden führt, wird man darüber noch mal nachdenken müssen.“ Doch längst nicht alles kann Bargteheide aus eigener Kraft lösen. Wenn alkoholisierte Teenager aufgegriffen werden, ist der Kreis zuständig. Die Bürgermeisterin: „Die personelle Besetzung wird dort ausgebaut werden müssen, damit alles glaubhaft ineinander greifen kann.“

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