Rast am spirituellen Haltepunkt

 Diese wieder freigelegte Steinplatte ist ein spiritueller Haltepunkt an der Klein Wesenberger Kirche. Foto: fsh
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Diese wieder freigelegte Steinplatte ist ein spiritueller Haltepunkt an der Klein Wesenberger Kirche. Foto: fsh

Pastor Erhard Graf und eine 28-köpfige Gruppe trainieren für das Pilgern auf dem Olavsweg / 600 Kilometer in drei Wochen

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03. Juli 2013, 03:59 Uhr

Klein Wesenberg | "Wir sind schon auf dem Jakobsweg in Spanien gewandert und wollen jetzt den Olavsweg ausprobieren", sagt Marga Clausen aus Kastorf. Sie und ihr Mann Christian sind über 70, und geübte Pilgerer, wie Pastor Erhard Graf aus Klein Wesenberg versichert. Das Ehepaar hat seine Walking-Stöcke mitgebracht, ein guter Halt auf unwegsamer Strecke über die Fjelle in Norwegen. Vom 12. bis 31. Juli macht das Paar sich mit 26 weiteren Teilnehmern, Pilgerpastor Bernd Lohse aus Hamburg und Pastor Erhard Graf auf zum Pilgern auf dem historischen Olavsweg - 600 Kilometer in drei Wochen.

Doch bevor es losgeht trainieren die Teilnehmer noch einmal ihre Kondition. Treffpunkt ist der Reinfelder Bahnhof, von dem aus die kleine Wandergruppe 20 Kilometer über Klein Wesenberg bis nach Lübeck geht. "Das entspricht ungefähr einer Tagestour auf dem Olavsweg", erklärt Graf. In den einsamen Bergen Norwegens wird die Pilgergruppe ganz auf sich gestellt sein. Da hilft es, sich fit zu machen. "Man muss schon körperlich gut in Form sein. Doch sagt das Alter nichts über die Kondition aus", weiß der zertifizierte Pilgerbegleiter aus langjähriger Erfahrung und verweist auf Marga und Christian Clausen, die mit über 70 wohl die ältesten Wanderer sein werden. Mehr Voraussetzungen gibt es aber nicht. Die Teilnehmer kommen aus Schleswig-Holstein oder Hamburg, aber auch Weitgereiste nehmen den Pilgerstab in die Hand: aus Kassel, Merseburg und Koblenz sind sie angereist. "Die Gruppe wird auf dem Olavsweg im Laufe der drei Wochen eng zusammen wachsen. Es gibt Gelegenheit für intensive Gespräche, Innehalten und Spiritualität", versichert Graf.

In stabilen Wanderschuhen und mit Rucksack machen sich die Pilger auf dem Weg nach Klein Wesenberg, wo sie am Gemeindehaus ihre erste Rast machen. Dort wurde vor Tagen ein neuer spiritueller Haltepunkt gegenüber der Backsteinkirche (erbaut 1884) aufgestellt. Bei Pflasterarbeiten vor zwei Jahren wurde auf dem Kirchhof eine große Sandsteinplatte freigelegt. Es könnte sich um die in einem Kunstführer bereits 1888 erwähnte aber dann verschwundene schöne Mensa (Tafel) aus Sandstein aus der alten, abgebrannten Kirche handeln. Einen sicheren Beleg, so Graf, gebe es zwar nicht, aber die Maße seien doch sehr eindeutig nicht für eine Grabplatte geeignet. Nun hat ein Steinmetz aus den ausgetauschten Sandstein-Ab deckungen zwei Standfüße gefertigt und die Platte darauf fachmännisch angebracht. "Dieser historische Freiluft-Altar steht nun gegenüber der Kirche auf einer Pflasterung, die zu Medita tionszwecken angelegt wurde", erklärt der Pastor weiter.

Ein Schluck Wasser, ein erholsames Verweilen auf der Bank mit Blick auf die Störche im Pastoratsgarten, eine kleine Andacht - schon geht es weiter nach Lübeck. Viele Pilger wollen sich mit der Wanderung einen lang gehegten Traum erfüllen und begeben sich auf den Olavsweg, der von Oslo nach Trondheim führt, wo sich im Nidaros-Dom der Schrein des Wikingerkönigs und Heiligen Olav befindet. Seit dem 11. Jahrhundert bis zur Reformationszeit wanderten Hunderttausende nach Trondheim, um Olav die Ehre zu erweisen. Pastor Eberhard Graf weiß, dass den Wanderern nur ein kleines Zeitfenster im Juli bleibt: "Danach sind die Fjelle schnell wieder zugeschneit, und man kommt nur mit einer Schneefräse durch."

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