Ahrensburg : Räume, Illusion und Tageszeichnung

Gemeinsam im Marstall: Yeongbien Lee (v.l.), Daniela Takeva und Friederike Seide.
Yeongbien Lee, Daniela Takeva und Friederike Seide (v.l.) stellen in der Marstall-Galerie aus.

Preisträgerinnen der Kieler Kunsthochschule stellen vom 10. Dezember bis 21. Januar aus unter dem Motto „Play, pause, repeat“.

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07. Dezember 2017, 16:48 Uhr

Viel verbindet die Kunstwerke von
Yeongbien Lee, Friederike Seide und Daniela Takeva auf den ersten Blick nicht. Zu unterschiedlich wirken ihre Herangehensweisen, auch das Material mit dem sie arbeiten. Während Daniela Takeva Fotos übereinanderlegt und so Illusion und abgebildete Realität neu verbindet, zeichnet Friederike Seide eine Art illustriertes Tagebuch und Yeongbien Lee hat in eine Hohlkonstruktion schwarz-weiße Zeichnungen eingefügt.

Eine Gemeinsamkeit beteht dann aber doch zwischen den drei jungen Künstlerinnen. Sie alle gewannen 2016 den Preis der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel. Dass sie gemeinsam ihre Arbeiten vorstellen können, ist ein Teil der Auszeichnung „Muthesius Preis für Kunst, Raum und Design“ – wie sie genau formuliert heißt.

„Für uns ist es eine sehr gute Gelegenheit zeitgenössische, junge Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Katharina Schlüter, Geschäftsführerin der Sparkassen-Kulturstiftung, die die Präsentation der Werke gemeinsam mit der Muthesius Gesellschaft e.V. ermöglicht. „Wir weisen mit dieser Ausstellung und der Auszeichnung auf die überragenden Leistungen der einzigen schleswig-holsteinischen Kunsthochschule hin. Zugleich fördern wir junge Absolventinnen der Hochschule. Wir danken der Sparkassenkulturstiftung und Dr. Katharina Schlüter sowie ihrem Team für dieses Ausstellungsengagement“, sagt Rainer Kraatz von der Muthesius-Gesellschaft.

Der zweite Blick oder auch die nähere Beschäftigung mit der Kunst der Preisträgerinnen selbst offenbart dann aber doch, dass es inhaltliche Parallelen gibt. Alle Arbeiten beflügeln die Fantasie des Betrachters, lassen Raum für die eigenen Gedanken und Interpretationen.

Seit 2013 zeichnete Seide Momente ihres Lebens und hielt sie so für sich selbst und im Rahmen der Ausstellung eben auch für andere fest. An den Wänden der Galerie im Marstall sind nun all diese Zeichnungen hinter- über- und nebeneinander zu sehen. Jedes Bild einzeln zu erfassen ist unmöglich und auch wenn das Zusammenspiel und die gemeinsame Erscheinung aller Zeichnungen einen großen Einblick in das Leben der Künstlerin gewährt, bleibt es doch rätselhaft, was manche gezeichneten Momente bedeuten können. „Sie erkennen ja trotzdem nicht mein gesamtes Leben“, sagt Seide dann auch. Ein Video zwischen den aufgehängten Kopien der Bilder rundet die gezeigten „Tageszeichnungen“.

Yeongbien Lees „Garten Wende“ stellt für die Künstlerin „einen Garten in der Nacht“ vor. Allerdings ist für sie der so dargestellte Garten weniger ein eigentlicher Garten, sondern ein externer Gedankenraum.

Takevas Lentikularbilder („Wackelbilder“) – inklusive eines kurzen Textes und des als Tattoomotiv ironisch wirkendem „Sky is the limit“ an der Wand – beschäftigen sich mit Hochhäusern und dem Leben in ihnen. Der Blick geht dabei nicht nur aus den Wohnblöcken hinaus, sondern wendet sich auch nach innen. Die offenbare Gefangenheit in kleinen abgeschlossenen Räume steht dabei im deutlichen Widerspruch zu dem erwähnten „Sky is the limit“ und Pastellfarben auf denen manche Collagen zu sehen sind.

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