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Ärger mit Verkehrsaufsicht : Radfahrer in Bargteheide wollen die Schilder zurück

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die kombinierten Geh- und Radwege in der Stadt sind nicht breit genug. Sie wurden kurzerhand abgeschafft. Viele Radler wollen aber nicht auf der Straße fahren.

Die Kreisverkehrsaufsicht und die Polizei machten es sich einfach, klagt die Bargteheider AG Radverkehr. Nur auf der B 75, der L 89 (Südring, Lohe) sowie dem Westring blieb es bei der Benutzungspflicht, überall sonst in Bargteheide sind die Radfahrer jetzt gezwungen, die Straße zu benutzen. Einziger Kompromiss: In der Rathausstraße bleibt es bei einem „Angebotsradweg“.

„Waren die Arbeit und die vielen Maßnahmen, die ich und meine langjährigen Mitstreiter vorgeschlagen und umgesetzt haben für die Katz?“, fragt Peter Anklam, AG-Sprecher und Stadtvertreter rhetorisch. „Die SPD wird das vorgelegte Konzept in dieser Form nicht akzeptieren“, sagt sein Fraktionsvorsitzender Jürgen Weingärtner. Ziel sei es, die Aufhebung mehrerer Radwege rückgängig zu machen.

Das gilt vor allem für den Tremsbütteler Weg (K 12), wo die SPD zudem eine Verbindung über die Bahnbrücke mit dem Radweg in der Rathausstraße möchte. Für den einseitigen kombinierten Geh- und Radweg mit einer Breite von 2,50 bis drei Meter in der Kreisstraße hätten Hausbesitzer Teile ihrer Vorgärten abgegeben, sagt Bürgermeister Henning Görtz.

Ähnlich stellt sich die Lage in der Alten Landstraße dar. Auf der einen Seite ist der kombinierte Geh- und Radweg zwar breit genug, aber nicht auf der anderen. In Absprache mit Stadt, Polizei und ADFC habe man sich gegen Freigaben entschlossen, weil die Wege dann vermutlich in beide Richtungen benutzt würden. Und Radfahrer in Gegenrichtung auf Radwegen seien ein großes Unfallrisiko, sagt Hans-Jürgen Zimmermann aus der Kreisverkehrsbehörde.

Das sieht Bürgermeister Görtz, der seit 1966 an der Alten Landstraße wohnt, etwas anders: „Das ging eigentlich immer ganz gut.“ Auch im Tremsbütteler Weg habe es keine Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern gegeben. „Ich halte es für gefährlich, dort die Fahrbahn zu benutzen“, sagt Görtz. Polizei und ADFC beurteilen das anders. In Bargteheide war der Kreis überhaupt erst auf Antrag des Fahrradclubs tätig geworden.

„Wir haben das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts und die Vorschriften, und an die müssen wir uns halten“, sagt Zimmermann, „wir können nicht einfach etwas legalisieren, was der Gesetzgeber und die Versicherungswirtschaft nicht wollen.“ In der Bahnhofstraße hatte er die Benutzungspflicht auf dem 30 Meter langen, von der Straße abgesetzten Radweg ab Kreisverkehr schon früher aufgehoben – weil er nicht breit genug ist und sich „Radfahrer beschwert hatten“, so Zimmermann.

Nun fordern die Radfahr AG und die SPD für die Bahnhofstraße Tempo 30 und das Markieren eines Fahrradstreifens. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung schließt Zimmermann aus mehreren Gründen aus. Radfahrstreifen, wie sie die SPD auch in der Alten Landstraße möchte, haben wohl ebenfalls keine Chance. Innerorts müssen sich laut Gesetz zwei Kfz begegnen können, ohne dass einer den weißen Streifen überfahren muss.

Etwas neidisch blicken die Bargteheider nach Bad Oldesloe, denn Städte über 20 000 Einwohner haben eine eigene Verkehrsaufsicht. Dort kann der Bürgermeister allein entscheiden, jedenfalls so lange niemand Einspruch erhebt. Für Bargteheide ist der Kreis zuständig, „es gäbe aber einen Ermessensspielraum“, sagt Görtz, „ich habe manchmal das Gefühl, dass da das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.“

„Wir haben nicht viel Ermessen, und da wo wir den Spielraum haben, haben wir ihn auch im Rahmen des Möglichen ausgeschöpft. Wir halten uns an die Rechtsprechung und behandeln alle gleich“, sagt Jürgen Zimmermann.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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