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Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 22:39 Uhr

Rache war sein Antrieb

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Drei Jahre und drei Monate Haft für 27-jährigen Oldesloer / Opfer inzwischen verstorben

Drei Jahre und drei Monate Haft sind die Quittung für einen 27-Jährigen aus Bad Oldesloe. Dazu verurteilte ihn jetzt das Schöffengericht in Ahrensburg. „Schweren Raub, schwere Körperverletzung und erpresserischen Menschenraub“, sah das Gericht als erwiesen an, so der Vorsitzende Richter. Die Beweisermittlung erwies sich als schwierig, weil das Opfer inzwischen verstorben ist. Allerdings konnte das Gericht für das Urteil auf zwei seiner früheren Aussagen und eine Fülle von Indizien zurückgreifen.

Die Schwester der Verlobten des Angeklagten war von dem Mann vor drei Jahren sexuell missbraucht worden. Dafür wurde er vor zwei Jahren zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Doch der Angeklagte sann weiter auf Rache: „Er hat mich höhnisch angegrinst, wenn er uns begegnet ist.“

Am 30. November 2014 schlug er zu. Zunächst zog er zwei „Linien“ Amphetamin und betrank sich. Ein Sachverständiger ermittelte zur Tatzeit einen Alkoholspiegel von mehr als drei Promille. Kurz vor der Tat besuchte er eine Bar und traf vor der Tür auf sein späteres Opfer. Er verfolgte den Mann in seine Wohnung und begehrte mit Klopfen und Klingeln gegen 5 Uhr morgens Einlass.

Als sich die Tür öffnete, stieß er den Mann in seine Wohnung und ging mit einem Kartoffelmesser auf ihn los. Er stach zwar nicht zu, versetzte dem Mann aber heftige Schläge und Fußtritte. Dann stach er auf den Fernseher und einen Tisch ein, dabei brach die Klinge ab. Dann griff der Angeklagte zu einem Brotmesser und drohte weiter. Bei einer Abwehrbewegung verletzte sich das Opfer leicht. Der Angeklagte griff nach einem Portmonee und stahl daraus 12 Euro.

Danach verließ er die Wohnung und ging wieder in die Bar, dabei nahm er die Schlüssel mit. Nachdem er dort einen weiteren Cocktail getrunken hatte, kehrte er zurück in die Wohnung und forderte mehr Geld. Er zwang sein Opfer, mit ihm in den Vorraum einer Bank zu gehen und dort Geld abzuheben. So erbeutete er weitere 100 Euro, mehr konnte das Opfer nicht abheben. Drei Versuche dazu filmte die Kamera der Sparkasse, bis der Angeklagte einsah, dass hier nicht mehr zu holen war. Anschließend gingen beide zurück und es setzte noch mehr Schläge, auch eine Tür wurde aus dem Rahmen gezogen und flog gegen das Opfer.

Der Sachverständige sah zwar eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit wegen des Alkohols. „Die Wirkung hängt aber auch ab von der Gewöhnung, wir sehen in der Klinik Menschen mit drei Promille ohne Ausfallerscheinungen.“ Auf dem Sparkassen-Video sei kein Torkeln erkennbar, so der Richter in seinen weiteren Ausführungen.

Der Verteidiger warb für eine Haftstrafe auf Bewährung. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft und wegen der Quasi-Schwägerin in einer schwierigen Lebenssituation. „Er hat ein stabiles Umfeld, ein Kind und ist jetzt auch in Lohn und Brot.“ Die Sozialprognose sei positiv.

Die Staatsanwältin erkannte in den Aussagen des verstorbenen Opfers keine Belastungstendenz. Sie seien glaubwürdig. Gleichwohl sah sie mildernde Umstände, um unter der Mindeststrafe von fünf Jahren Haft zu bleiben. Sie forderte drei Jahre und sechs Monate. „Es tut mir leid, ich war vorher noch nie gewalttätig“, sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort.

„Rache steht ihnen nicht zu, der Mann war vom Amtsgericht verurteilt worden“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe sich mit Gewalt und Bedrohungen Wertgegenstände angeeignet. „Das Bereicherungsinteresse überwiegt hier.“ Die Tat sei nicht spontan erfolgt, nach den ersten Schlägen habe es Zeit genug zum Überlegen gegeben: „Da kam ihnen der Gedanke, das Opfer kann man auch noch ausnehmen.“ Der Wunsch nach Genugtuung für das Missbrauchsopfer sei überlagert gewesen von kriminellen Absichten. Die Einwirkungen auf das Opfer seien massiv und von langer Dauer gewesen: „Das ist schwerste Kriminalität und wird so nicht hingenommen.“



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