zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 14:10 Uhr

Quantenphysik und Jazzmalerei

vom

In der Trittauer Wassermühle wurde die rumänische Künstlerin Casandra Popescu als neue Stipendiatin begrüßt

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Trittau | Bildende Kunst ist todernst und oft schwer verständlich? Nein, das muss nicht sein. Selten ist bei der Präsentation einer Stipendiatin so viel gelacht worden, wie beim großen Willkommen für Casandra Popescu (33) in der Trittauer Wassermühle. Sie hat sich gegen zahlreiche Mitbewerber durchgesetzt und darf jetzt ein Jahr lang in der Wasserrmühle leben und im Atelier arbeiten.

"Es ist toll hier. Die Möglichkeiten sind einmalig, und ich bin so dankbar, dass ich diese Chance bekomme", zeigt sich die gebürtige Rumänin begeistert von ihren ersten Eindrücken. Casandra Popescu lebt seit vielen Jahren in Hamburg und hat dort an der Hochschule für bildende Künste sowie der Dieter-Roth-Akademie 16 Semester Kunst studiert und mit einem Diplom inklusive Auszeichnung abgeschlossen. Ausstellungen und die Beteiligungen an Büchern oder Installationen brachten ihre künstlerischen Arbeiten in die ganze Welt von Amsterdam bis Boston, Reykjavik oder San Francisco.

Casandra Popescus Bilder, Installationen und Skulpturen beschäftigen sich mit Geometrie, Mathematik, oder Quantenphysik. Sie bleiben aber immer Kunstwerke, keine wissenschaftlichen Feldversuche. Eine wichtige Rolle spielen bei Popescu die Entwicklung, der Prozess eines Kunstwerks und der Unterschied zwischen dem Gesehenen und dem Gezeigten.

Auch für linguistische Phänomene interessiert sie sich. So nimmt sie Wörter auseinander, interpretiert ihre Bedeutung bildhaft oder auch direkt in ein Notizbuch geschrieben als Teil eines Kunstwerks. "Ich verkrampfe nicht und setze mich hin, weil ich dann das und das schaffen will", erklärt sie. Bei ihren ersten Kunstwerken, die für Ausstellungen angefragt wurden oder von Kennern gekauft, fragte sie sich sogar: "Oh. Die denken, dass das fertig ist? Ich dachte, ich fange damit gerade erst an", erklärt sie. Überhaupt lacht Casandra Popescu viel. Locker erzählt sie ihre Gedanken. "So oft fragen Menschen Siehst du das auch so? oder Hast du das gesehen? und man sagt: Ja. Aber hat man es wirklich gesehen? Das frage ich mich seit Jahren. Das ist ein Ausgangspunkt."

So unterliegen ihre Werke einer Struktur, die aber nicht zu sehen ist und die weniger Korsett als Teil eines Ausbruchs ist. Vergleichbar ist das durchaus mit der Improvisation des Jazz: Der klingt zuweilen auch chaotisch, ist scheinbar absolut frei, orientiert sich aber dennoch an Skalen und Harmonien.

Stormarns Landrat Klaus Plöger gefielen die vorgestellten Bilder, mit mancher Erklärung konnte er nichts anfangen. "Meinen Sie das ernst? Sie sind doch nicht immer so, oder ? Sie liefern uns hier eine Kunstshow? Ist ja auch okay. Man muss ja die Bilder auch vermarkten", so der Landrat in seiner typische Art über die Ausführungen der Stipendiatin der Sparkassen-Kulturstiftung.

Popescu hielt weiter mit guter Laune gegen. Auf jeden Einwand des Landrats ging sie ein. "Es ist am Ende halt alles im Auge des Betrachters", findet sie. "Und sie haben eindeutig eine andere Betrachtung."

Auch wenn Plöger - ganz der ehemalige Mathematiklehrer - manche naturwissenschaftliche Erkläfung "doch mal stark anzweifeln möchte", war er von der Künstlerin angetan. "Ich freue mich auf das, was Frau Popescu hier machen wird. Das hört sich spannend an!"

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen