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Kinder getötet : Prozessauftakt um eine Wahnsinnstat

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In Handschellen wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Nach Verlesung der Anklage wird die Öffentlichkeit allerdings von dem Prozess ausgeschlossen.

Im Januar soll er seine beiden Kinder umgebracht haben, jetzt begann das Sicherungsverfahren gegen den 39-jährigen Fardeen A. aus Glinde. Von zwei Pflegern wird der Angeklagte in Handschellen in den Verhandlungssaal im Lübecker Amtsgericht geführt – den Kopf hat er unter einer braunen Jacke versteckt. Erst auf der Anklagebank zeigt er sein Gesicht. Mit gesenktem Blick und fast regungslos lauscht der eher unauffällig wirkende Doktor der Zahnmedizin der Anklageschrift des Staatsanwalts.

Ihm wird vorgeworfen, im „Zustand von wahnbedingter Schuldunfähigkeit“ am Tattag morgens in das Zimmer seiner Tochter Celine (4) und seines Sohn Elias (6) gegangen zu sein und dort mit einem Fleischermesser mit 20 Zentimeter langer Klinge die Kehlen der beiden schlafenden Kinder durchtrennt zu haben. Die Schnitte waren so tief, dass die Kinder binnen weniger Minuten verblutet seien, so der Staatsanwalt. In Tötungsabsicht habe Fardeen A. die Arglosigkeit seiner Kinder ausgenutzt.

Fest stehe, dass der 39-Jährige „wahnbedingt“ gehandelt habe und sein Verhalten auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen sei. Seine Frau befand sich zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Einfamilienhaus am Kreuzkamp, schlief jedoch und bekam vom Doppelmord anscheinend nichts mit.

Unmittelbar nach den Bluttaten informierte der Vater selbst die Polizei und gestand seine Tat. Anschließend wurde von einem Gutachter festgestellt, dass der gebürtige Afghane, der eine Zahnarztpraxis in Bergedorf hatte, im religiösen Wahn gehandelt habe. Diese Diagnose wurde später von weiteren Gutachtern bestätigt, so dass keine Anklage wegen Mordes erhoben werden kann. Der Glinder seit Januar in der psychiatrischen Abteilung der Ameos Kliniken in Neustadt untergebracht.

Fardeen A. war als Kind mit seinen Eltern nach Wuppertal gekommen. Er machte Abitur, absolvierte Zivildienst und machte eine Ausbildung zum Zahntechniker, bevor er in Frankfurt Zahnmedizin studierte. Nach der Doktorarbeit war er zunächst als Assistenzarzt tätig, bevor er eine eigene Praxis in Bergedorf eröffnete. Das Einfamilienhaus in Glinde hatte er vor drei Jahren für seine Familie. gekauft.

Zehn Verhandlungstage hat der Richter für das Sicherungsverfahren angesetzt – mit dem Ziel der weiteren Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. 26 Zeugen und drei Sachverständige sind insgesamt geladen – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie der Richter nach einer halben Stunde Verhandlung auf Antrag des Verteidigers anordnete.

 

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