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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 03:50 Uhr

Hoisdorf : Protest gegen Schweinestall

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Landwirt Jörg Elbers plant den Bau eines Stalls für knapp 1500 Tiere. Dagegen regt sich Widerstand in Hoisdorf.

Die Hoisdorferinnen Renate Keller und Angelika Mattes überreichten während der Gemeindevertreter-Sitzung eine Unterschriftenliste an Bürgermeister Dieter Schippmann. Gemeinsam mit sechs weiteren Frauen hatten sie seit den Sommerferien Unterschriften gegen die geplante Schweinemastanlage von Landwirt Jörg Elbers gesammelt. Der Bauer möchte auf seinem Grundstück am Wastenfelder Redder eine Schweinezucht mit 1460 Tieren aufbauen.

934 Leute haben unterschrieben. Hoisdorf habe (Stand September 2013) 3456 Einwohner. Nach Auskunft der Frauen hätten auch gerne noch Sieker Bürger unterschrieben, aber das war nicht erlaubt. Ebenso hätten sie nicht gewusst, dass auch Jugendliche ab 16 Jahren hätten unterschreiben dürfen, sondern sich nur an Personen ab 18 Jahre gewendet. „Sonst wären es noch viel mehr Unterschriften geworden“, so Keller: „Wir richten uns gegen die Massentierhaltung, haben Angst vor dem vermehrten Gestank durch Gülle und die Nitratbelastung. Außerdem ist bekannt dass sich durch die den Tieren verabreichten Antibiotika Resistenzen auch bei Menschen entwickeln.“

Angelika Mattes engagiert sich in einem Tierschutzverein und plädiert für artgerechte Haltung: „Andere Höfe wie Fielmann schaffen das doch auch. Bei einem Biohof hätte der Bauer alle hinter sich, vielleicht würden sogar Arbeitsplätze entstehen.“

Bürgermeister Dieter Schippmann (DGH) nahm die Liste entgegen und fuhr mit der Gemeinderatssitzung fort. Aktuell stand das Thema nicht auf der Tagesordnung. Die Gemeindevertretung hatte den Bauantrag zunächst einstimmig abgelehnt, weil die Zuwegung noch geklärt werden muss. Nach Meinung der Gemeindevertreter soll dafür der Bauer die Kosten übernehmen. Das sei bislang der einzige Beschluss zu dem Thema, so Schippmann.

Landwirt Jörg Elbers ist aufgebracht: „Ich versteht die ganze Aufregung nicht. Ich habe nie etwas verbotenes getan, möchte nur meine Familie ernähren. Meine Düngebilanz lag immer unter den vorgeschrieben Werten, ich habe nichts zu verbergen.“ Der gebürtige Hoisdorfer hatte den Hof von seinen Eltern übernommen und will eine Grundlage für seinen Sohn Lutz schaffen. Der 21-Jährige steht noch in der Ausbildung zum staatlich geprüften Landwirt und soll später die geplante Schweinezucht übernehmen. Der Hof liegt am Naturschutzgebiet und ist nicht mehr erweiterbar, deshalb will Familie Elbers auf ihr Grundstück am Ortsrand umziehen und dort ein Wohnhaus, eine Halle, einen Schweinestall und einen Futtersilo bauen. „Wir geben die Rinderzucht auf, satteln auf Schweine um. Die Rindergülle fällt weg, dafür kommt Schweinegülle. Ich habe noch nie Gülle verklappt, wie mir unterstellt wird und mir gehören genug Flächen, um sie ordnungsgemäß auszubringen“, sagt Elbers: „Ich lasse mich nicht in diese Ecke stellen, etwas Ungesetzliches zu planen, wie insbesondere die CDU es versucht.“

Dass alles im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen liegt, bestätigt auch Bürgermeister Dieter Schippmann: „Das Emissionsgutachten der Landwirtschaftskammer besagt, dass nicht mit Problemen hinsichtlich einer Geruchsbelästigung zu rechnen ist. Das Grundstück liegt einen Kilometer weit entfernt von den Häusern in der Bahnhofstraße und 300 Meter von der Gärtnerei Beier“, so Schippmann. Zudem sei der Landwirt privilegiert. Heißt: Es braucht keinen B-Plan, sondern nur ein Genehmigungsverfahren.

Für die anderen Punkte sei die Gemeindevertretung nicht zuständig: „Wenn es um Gülle und Nitratgehalte geht, ist die Wasserbehörde zuständig. Die wird schon entsprechende Auflagen machen. Und ob Massentierhaltung oder nicht, ist auch nicht unser Problem. Da wäre der Landwirtschaftsminister Herr Habeck der richtige Ansprechpartner.“

Jörg Elbers versichert, nicht mehr als 1460 Schweine halten zu wollen. Für andere Varianten ist er nicht offen, denn: „Etwas anderes ist nicht rentabel. Es geht darum, die Familie zu ernähren.“

 

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