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Stormarner Tageblatt

22. August 2017 | 17:30 Uhr

Reinfeld : Praktische Hilfe für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Durch die neu ankommenden Asylbewerber ist der Bedarf an guter, gebrauchter Kleidung in der DRK-Kleiderkammer stark gestiegen

„Manchmal ist so eine Kleiderspende eine wahre Wundertüte“, sagt Ingrid Wischmann und schüttet einen großen Plastiksack mit Kleidungsstücken aus. Khuraja Seddiqi eilt ihr zu Hilfe. Gern würde der Asylbewerber aus Afghanistan, der seit zwei Jahren mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern in Reinfeld lebt, in der DRK-Kleiderkammer regelmäßig mithelfen. Er spricht gut Deutsch und hilft bereits anderen Flüchtlingen beim Übersetzen. Ingrid Wischmann, seit vier Jahren eine der drei guten Feen der Kleiderkammer, sortiert gezielt aus: „Kleidung aus den 50er Jahren werden heute einfach nicht mehr getragen.“

Schnell hat sie die besten Stücke herausgesucht: Eine Jeans, Bettwäsche und Handtücher, einen Wintermantel und kaum gebrauchte Schuhe in Größe 43. „Die können wir besonders gut gebrauchen“, so Ingrid Baumgart, die seit acht Jahren dabei ist und weiß, was den Bedürftigen fehlt. „Durch die vielen Flüchtlinge ist der Bedarf an guter, gebrauchter Kleidung sehr gestiegen“, so Baumgart. Vor allem Schuhe in Größe 41 bis 43 fehlen. Da viele alleinstehende junge Männer in Reinfeld und Umgebung Asyl gefunden haben, wird vor allem Männerkleidung dringend gesucht: Schmale Jacken mit langen Armen, T-Shirts, schmale Jeans, Turnschuhe. „Sogar High Heels sind bei den jungen Flüchtlingsdamen sehr beliebt“, schmunzelt Wischmann. Ein Paar in Knallrot war sofort weg.

„Die Flüchtlinge wollen hier nicht auffallen und zumindest annähernd moderne Kleidung tragen“, weiß Baumgart. Das gehöre auch zur Integration. Während der junge afghanische Familienvater kräftig mit anpackt, sucht seine Frau Wajam nach Babykleidung. Strümpfe und Unterwäsche braucht ihre kleine Fatima. „Ich bin so froh über die Hilfe“, sagt sie in recht gutem Deutsch. Nebenan stapeln sich die Kleidungsstücke, doch Ingrid Baumgart hat alles im Blick. In dem kleinen Raum im Obergeschoss der DRK-Begegnungsstätte in der Lokfelder Straße ist alles sortiert, so dass sie einer Familie aus Syrien schnell helfen kann.

„Beratung und persönlicher Kontakt sind uns wichtig“, so die Ehrenamtlerin. „Die Flüchtlinge kommen mit nichts hier an, da müssen wir schnell handeln.“ Gebraucht werde alles, auch Pött und Pannen, Bettwäsche und Geschirr. Ganze Familien seien hier bereits mit dem Nötigsten eingedeckt worden. Ingrid Wischmann hat aus einem Kleidersack eine Puppe gefischt und überreicht sie der zweijährigen Hosna aus Syrien, die sie gleich in ihre Arme schließt und gar nicht mehr loslassen will. Das sind die glücklichen Momente, für die sich der unermüdliche Einsatz des Kleiderkammer-Trios (mit dabei auch Edith Litzenroth) lohnt. Um den Ansturm zu bewältigen, kommen die Flüchtlinge oft mit ihren Betreuern außerhalb der Öffnungszeiten und bringen bereits einen fertigen „Wunschzettel“ mit. Da in diesem Jahr weitere 70 Flüchtlinge erwartet werden, reißt die Arbeit nicht ab. Baumgart: „Wir tun es gerne.“

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erstellt am 20.Feb.2015 | 10:58 Uhr

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