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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 04:15 Uhr

Bad Oldesloe : Präventionsarbeit vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Flüchtlingsansturm fordert alle Beamten – „operative Aufgaben“ werden auch in Stormarn bis auf weiteres ruhen gelassen

Eigentlich könnten die Polizeibeamten Tino Sdunek und Patrick Moser mit ihrer Präventionsarbeit zufrieden sein. In den vergangenen 17 Jahren haben sie gemeinsam mit Kollegen und Mitstreitern in Kindergärten und Schulen ein Netzwerk aufgebaut, mit dem sie gut arbeiten können.

Auch in diesen Tagen sind die Beamten wieder in den beruflichen Schulen in Bad Oldesloe zu Gast und informieren mit Ständen der Aktion „Runter vom Gas“ und einer Ausstellung über die Folgen von Alkohol im Partyleben, im Alltag und vor allem am Steuer sowie über Ablenkungen durch das Handy .

„Ich denke, dass wir die Schüler erreichen. Wir zeigen auch emotionale Filme, die deutlich sind und durchaus Betroffenheit auslösen. Das ist besser, als einfach nur ein paar Zahlen und Statistiken aufzuzählen“, so Moser. Die Vertreter von „Runter vom Gas“sind voll des Lobes für die Arbeit vor Ort. Die Stormarner Verkehrspräventionsbeamten seien sehr engagiert. Daher habe man die erste Veranstaltung mit dem überlebensgroßen Handy als „Hingucker“ nach Bad Oldesloe gelegt.

Kai Aagardt, stellvertretender Schulleiter der beruflichen Schulen, schwärmt von der „sehr guten Arbeit“ der Beamten. 350 Schüler der höheren Jahrgänge seien es, die in diesem Jahr durch die Polizisten erreicht werden.

All das klingt nach einer Erfolgsgeschichte, die aber den ersten Kratzer bekommt, wenn Moser auf die Ausstellung in den Schulräumen blickt und leicht wehmütig anmerkt, dass die eigenen Stellwände leider „nach und nach eingespart wurden.“ Das was man noch zeige, habe man sich aus dem Fundus selbst zusammengestellt. Darunter ist eine Schautafel, die über den Unfalltod einer 22-Jährigen Stormarnerin aufklärt. „So bekommt das Erzählte auch ein Gesicht. Das ist emotional und so auch von der Familie gewünscht“, erklärt Moser.Dann fügt er den Satz an, der den Beamten sichtlich schwer fällt, der sie zerknirscht: „Es wird wohl erstmal das letzte Mal gewesen sein, dass wir das hier so machen können.“ Durch die Flüchtlingssituation habe das Innenministerium mit der Leitung der Landespolizei beschlossen, dass die Präventionsmaßnahmen „bis auf weiteres auf Eis gelegt werden.“ Die Beamten werden für die „normalen Polizeiaufgaben“ benötigt. Sdunek und Moser äußern leise Zweifel, dass die Präventionsarbeit in dieser Form dann eines Tages wieder neu ausgestattet wird. Sind Büros und Mittel weg, sei es schwer, wieder loszulegen. „Um den Kraftakt der Flüchtlingslage bei sehr hoher Anforderung und hohem Personaleinsatz der Landespolizei bewältigen zu können, hat Landespolizeidirektor Ralf Höhs entschieden, dass die Landespolizei umgehend die Möglichkeit haben muss, operative Aufgaben bis auf weiteres ruhen zu lassen und darüber in dieser besonderen Lage für Entlastung zu sorgen. Das gilt für die gesamten Aufgabenfelder der spezialisierten Verkehrsüberwachung und der Prävention“, heißt es auf Nachfrage aus dem Innenministerium. Konkret würden das die Polizeidirektionen vor Ort entscheiden. Die „Dauer der Einschränkungen“ sei durch die Gesamtlage nicht absehbar.

„Flüchtlingskinder gehen auch in KiTas und Schulen. Sie sollen keine Verkehrserziehung bekommen? Wir sind oft der erste, direkte, prägende Kontakt zur Polizei für Kinder“, so Polizist Ed Kretz, der die Puppenbühne betreut. Auch er bedauert die Entwicklung.

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