Postkarten aus der guten, alten Zeit

<strong>Vor 100 Jahren schon hochmodern</strong> mit TV-Anschluss, Kino und Variete: das 'Hotel zur Krone' an der Bahnhofstraße.  Foto: Postkarten pöhls
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Vor 100 Jahren schon hochmodern mit TV-Anschluss, Kino und Variete: das "Hotel zur Krone" an der Bahnhofstraße. Foto: Postkarten pöhls

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15. März 2010, 03:59 Uhr

Bad Oldesloe | Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Titelverleihung "Bad" an die Kurstadt Oldesloe im Jahr 1910 veröffentlicht das Stormarner Tageblatt eine Serie alter Postkarten mit Motiven aus der Kur- und Badestadt vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. So waren nicht nur der Kurpark und das Kurhaus beliebte Postkartenmotive, sondern auch villenartige Hotels und beliebte Gasthöfe. Nur wenige der hier abgebildeten Hotels und Gaststätten stehen noch, die meisten Gebäude mussten leider abgerissen werden und eher hässlichen Neubauten weichen.

Als Oldesloe zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch einen renommierten Bade- und Kurbetrieb hatte, luden zahlreiche Hotels und Gasthäuser die Kurgäste zum Verweilen ein. Das größte und berühmteste "Hotel 1. Ranges" war das prächtige Kurhaus mit über 80 Betten im Bereich der heutigen Kurparkwiese, an das sich nur noch wenige Oldesloer erinnern können. Außerdem gab es viele andere Hotels mit zum Teil wohlklingenden Namen, die nur noch älteren Oldesloern bekannt sein dürften. Zudem warteten jede Menge kleinere Pensionen und Gasthöfe sowie viele Privatunterkünfte auf Durchreisende und Kurgäste. Rund 300 Betriebe sollen es zur Blütezeit des Kurbetriebes gewesen sein.

1823 eröffnete auf der Anhöhe gegenüber dem Kurhaus, dem Sülzberg, das große Logierhaus, das anfänglich über 32 Zimmer verfügte und später erweitert wurde. Wie ein kleines Herrenhaus stand es weithin sichtbar auf dem Hügel. Später wurde es zu einer Kaserne. In den 50er Jahren wurde es abgerissen und an dieser Stelle das Kreishaus errichtet.

Das vielleicht bekannteste Gasthaus war das äußerst beliebte "Tivoli" in der Hamburger Straße, das bereits in einem Oldesloer Ortsführer von 1899 mit "billigen Preisen" für sich warb. Das Tivoli war zudem ein Vereins- und Gesellschaftshaus mit zwei Sälen, einer Doppelkegelbahn, später wurde hier auch ein Kino eröffnet. Und auch das Vogelschießen fand hier nach dem Abriss des Kurhauses statt. In dem restaurierten Gebäude ist heute der Oldesloer Hof mit dem Oho-Kinocenter untergebracht.

Das "Hotel zur Krone" in der Bahnhofstraße 18 hatte damals bereits einen Fernsprechanschluss, ein Kino und bot auch Variete-Veranstaltungen und sogar Operettenaufführungen auf einer Bühne im großen Veranstaltungssaal an. Das repräsentative Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und erst 1984 abgerissen, als die Bundesstraße 208 verbreitert wurde. Der Abriss erfolgte, obwohl das Haus als Kulturdenkmal klassifiziert worden war.

Das Hotel "Harmonie" befand sich direkt gegenüber dem Kurhaus an der Ecke Sülzberg/Bergstraße. Später wurde es in "Parkhotel" umgetauft. Kurze Zeit diente es auch als Discothek, bevor es in den 70er Jahren abgerissen wurde. Heute steht dort ein Fitnessstudio. Ein beliebtes Gasthaus mit Pension war der so genannte "Chinesenkrug", der eigentlich "Zum Hollsteinischen Hause" hieß, und an der Ecke Brunnenstraße/Kurparkallee lag.

1887 wurde das traditionsreiche "Deutsche Haus" (früher auch Hotel "Holsteinisches Haus") am Eingang der Besttorstraße direkt am Ufer der Beste erbaut. Bereits 1912 erfolgte der erste Umbau. Neben der Gaststätte war dort auch eine Schmiede untergebracht. Im Obergeschoss gab es Pensionszimmer. An der Brunnenstraße 1/Ecke Besttorstraße lag der Gasthof "Zur deutschen Eiche" von Wirt Friedrich Hildebrandt. Das Haus wurde ebenfalls abgerissen, aber die dicke alte Eiche steht noch.

Auf dem Stadtplatz "Pferdemarkt" dominierte das "Gast- und Logierhaus" von E. Heuer, das auch Stallungen für 70 Pferde bot. Auf dem Pferdemarkt wurden, wie der Name schon sagt, Pferde zum Verkauf angeboten. In der ersten Ausgabe des Oldesloer Wochenblatts von 1839 wurde vermerkt, dass am 25. März 1839 genau 385 Pferde von Oldesloe "in die Fremde ausgeführt" wurden, und zwar mehrheitlich nach Preußen und Mecklenburg. Später eröffnete hier das Gasthaus "Stadt Kiel".

In der "Herberge zur Heimat" an der Königstraße fanden obdachlose Wanderburschen eine karge, aber warme Unterkunft. Später wurde hier das Katasteramt untergebracht. Leider wurde das stattliche Gebäude abgerissen. Das "Hotel Stadt Lübeck" an der Lübecker Straße 1 war ein prächtiger Bau, der später zur Kneipe "Berliner Ring" degradiert wurde. Das Gebäude musste dem Postneubau weichen.

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