Bad Oldesloe : Poller bremsen Autos aus

Die alten Poller in der Mühlenstraße sind relativ leicht zu versenken.
Die alten Poller in der Mühlenstraße sind relativ leicht zu versenken.

Elektronische Sperren für je 20 000 Euro sollen das Einfahren in die Fußgängerzone verhindern.

Andreas Olbertz. von
08. Juli 2015, 06:00 Uhr

Das war für die Mitglieder des Bauausschusses eine relativ klare Angelegenheit, bei der es fast nichts zu diskutieren gab: Hindenburg- und Mühlenstraße werden an vier Stellen mit elektronisch steuerbaren Pollern abgeriegelt. Damit soll der Autoverkehr in der Fußgängerzone deutlich reduziert werden.

Die Stadtverwaltung hat 190 Immobilienbesitzer und Geschäftsleute über das Vorhaben informiert. Elf haben eine schriftliche Stellungnahme abgegeben — überwiegend negativ. In diese Kerbe schlug auch Friedrich Kümmel (FBO): „Wir haben mit vielen gesprochen. Eigentlich sind alle dagegen. Uns stören mehr die Radfahrer.“

Hans-Hermann Roden sieht das etwas anders: „Rad- und Autofahrer stören beide.“ Dafür bekam er sogar deutlichen Zuspruch von der CDU. Uwe Rädisch: „Es ist teilweise unverfroren, wie Autofahrer da durchfahren. Aber die Radfahrer sind einfach nur rücksichtslos. Das Problem müssen wir in den Griff kriegen.“

Poller oder nicht, viele der von den Geschäftsleuten in ihren Stellungnahmen angenahmten Belieferungs- oder Anfahrmöglichkeiten sind schon heute nicht zulässig. In der Hindenburgstraße gibt es keine Ausnahmeregelungen für Lieferverkehr. Lieferanten müssen die Ladezone am Parkplatz Hagenstraße nutzen und die Waren von dort mit Sackkarre oder Gitterwagen zu den Geschäften bringen. Es hält sich schlicht keiner dran, und die vorhandenen Poller können allzu zu leicht geöffnet werden. Außer ganz wenigen Anliegern, die einen Stellplatz auf ihrem Grundstück haben, dürfte dort niemand fahren. Sich mit dem Taxi vor Läden oder Praxen fahren zu lassen oder sich dort abholen zu lassen, ist ebenfalls nur in eingeschränkten Sonderfällen zulässig.

Zukünftig sollen an beiden Enden der Mühlenstraße Poller installiert werden, am Eingang der Hindenburgstraße und am Durchgang zwischen Heiligengeiststraße und Fußgängerzone ebenfalls. Ein weiterer Poller könnte später optional an der Einfahrt der Besttorstraße eingesetzt werden. Die Kosten pro Poller werden inklusive Montage mit etwa 20  000 Euro beziffert. Die Summe steht im Haushalt bereit.

„Der Beirat ist für Poller, aber mit Ausnahmegenehmigungen für bestimmte Gruppen eingeschränkter Menschen“, sprach sich auch die Vorsitzende des Behindertenbeirats, Yannick Thoms, dafür aus. „Außerhalb der Kernzeiten soll es keine Ausnahmen geben“, machte allerdings Fachbereichsleiter Thomas Sobczak deutlich: „Sonst sind wir schnell wieder im alten Zustand.“

„Alter Zustand“ bedeutet, dass es eine Vielzahl von Ausnahmen gibt, die im Grunde niemand mehr kontrollieren kann. Wie Bürgermeister Tassilo von Bary sagte, habe ihn ein Artikel im Stormarner Tageblatt nach dem Polizeibeirat aufgeschreckt. Er habe daraufhin das Gespräch mit der Polizei gesucht. Ein Magistratsbeschluss aus den späten 1970er Jahren war daraufhin als „Übeltäter“ ausgemacht worden. Er soll, zumindest was die Ausnahmeregeln für Taxen betrifft, bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung aufgehoben werden.

Um Rettungsdienste müsse sich niemand Sorgen machen. Bei einem Einsatz in der Fußgängerzone sollen die Poller schon mit der Alarmierung durch die Leitstelle abgesenkt werden. Darüber hinaus hätten die Fahrzeuge entsprechende Schlüssel an Bord. Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD) war nicht wirklich zufrieden. „Absperrungen sind immer eine schlechte Lösung. Aber wir bekommen es anders nicht in den Griff“, sagte sie. Das sahen die anderen Ausschussmitglieder genau so. Bis auf den FBO-Vertreter stimmten alle für die Poller.

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