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Pöschendorfs historischen Geheimnissen auf der Spur

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Dorfchronik: Vorstellung erster Forschungsergebnisse heute ab 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 03:59 Uhr

pöschendorf | Woher hat die Gemeinde eigentlich ihren Namen? Wann wurde sie gegründet? Pöschendorf möchte seine Vergangenheit in einer ganz besonderen Chronik festhalten. Das Schriftstück soll nicht einfach nur eine bloße Aneinanderreihung von Jahreszahlen und Bildern werden. Anders als bei anderen Chroniken sollen vielmehr auch bestimmte historische Ereignisse anhand von Tatsachenberichten und Erlebnissen von Pöschendorfer Zeitzeugen eingebaut werden. Der Pöschendorfer "Chronist" Michael Bellmann glaubt, "dass ein Heimatbuch erst dann seinen Zweck erfüllt, wenn darin unser Leben, Wirken und unsere Sitten und Bräuche aufgezeigt werden".

Auf Anregung des Pöschendorfer Bürgermeisters Norbert Graf begann Bellmann vor ein paar Monaten, historische Informationen über seine Gemeinde zusammenzutragen. Bei der Forschung zur Frühgeschichte fand er wissenschaftliche Unterstützung bei Dr. Thorsten Lemm vom Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf und dem Geologen und Experten für Erdgeschichte, Dr. Hajo Bellmann. Viele Hinweise kamen auch vom Reichsarchiv in Kopenhagen oder der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte sowie von Peter Reinholz vom Archiv des Amtes Schenefelds.

Unterstützung bei seinen Recherchen hat der Betriebswirt und Journalist von dem Pöschendorfer Tierarzt Dr. Helfried Möller bekommen. Für die Berichterstattung zur jüngeren Geschichte besuchen die Beiden gemeinsam Zeitzeugen und sind begeistert über die Herzlichkeit und Bereitschaft ihrer Gesprächspartner. Interviews finden nun im ehemaligen Klassenzimmer der "Alten Pöschendorfer Schule" bzw. dem jetzigen Arbeitszimmer der Familie Möller statt. Gemeinsam mit Bürgermeister Norbert Graf wollen Möller und Bellmann die ersten Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit den Pöschendorfern heute ab 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus der Gemeinde vorstellen.

Sowohl Möller als auch Bellmann sind sich bewusst, dass sie mit ihrer Arbeit erst am Anfang stehen. Beide sind berufstätig und verstehen ihr Interesse und die Forschung als Hobby. So sei "das Ganze besser als ein Krimi". Bellmann: "Wenn man im Internet lesen kann, dass Münzen vom Krinkberg aktuell mit 10 000 Euro pro Stück gehandelt werden oder wenn man weiß, dass es vor rund 100 Jahren noch 13 Teiche und drei Bäche in Pöschendorf gab, dann wird klar, dass über jede Epoche noch so einige Geheimnisse und Ereignisse in Pöschendorf zu lüften sind".

Recherchiert haben sie auch, dass Pöschendorf seinen Ortsnamen möglicherweise um 814 n. Chr. von den Karolingern erhalten hat. Einige Einwohner könnten sogar Vorfahren haben, die bereits vor 4000 Jahren auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde siedelten. Herausgefunden haben sie auch, dass Pöschendorf ein typisches karolingisches Hufendorf ist und die Gründung des Ortes vermutlich im Zuge der Christianisierung zu Zeiten Karl des Großen erfolgte. "Davor lebten die Menschen in unserer Gegend wahrscheinlich ausschließlich auf weit zerstreut liegenden Einzelhöfen" sagt Bellmann. So sei eine dörfliche Siedlung vor dem Jahre 800 nicht nachweisbar; allerdings könne anhand von Satellitenbildern und sogar bei Google Earth noch heute eine fränkische Feldaufteilung festgestellt werden. Die Fränkische Hufe war eine festgelegte Agrarfläche, die seit dem neunten Jahrhundert bei Dorfgründungen den Bauern als Standardfläche zugewiesen wurde. Dabei erachtete man es als vorteilhaft, die Hufen als sehr lange und relativ schmale Flächen auszugestalten. "Das hatte den Vorteil, dass der Bauer beim Pflügen nicht so oft wenden musste", erklärt Bellmann. Auffallend sei, dass demnach diese Pöschendorfer Felder exakt dort endeten, wo heute die Kirche von Schenefeld steht. Das ist für Bellmann ein weiteres Indiz, dass die erste Kirche auf dem "Scanaveld" in früheren Zeiten ein Bestandteil der Pöschendorfer Gemeinde war und Schenefeld als eigenständige Ortschaft erst sehr viel später gegründet wurde.

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