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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 11:16 Uhr

Plötzlich ist nichts mehr, wie es war

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Schulverbandsversammlung stimmt gegen weiteres Blaues Haus / Bürgermeister Mesch und Verbandschefin Agatz entsetzt

Sowohl Schulverbandsvorsitzende Ute Agatz als auch Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch sind fassungslos über den Beschluss der Schulverbandsversammlung: Nach vielen Beratungen zum Neubau eines weiteren Blauen Hauses (wir berichteten), Verträgen mit Personal und Eltern, Planungskosten von 25000 Euro und einer Satzungsänderung, nach der nur die Gemeinden für den Neubau zahlen, die auch Kinder hinschicken werden, votierte eine Mehrheit im Schulverband gegen die Einstellung der erforderlichen Mittel in Höhe von 1,1 Millionen Euro in den Haushalt.

„Ich bin total entsetzt über die Kurzsichtigkeit der Entscheidung“, sagt die Schulverbandsvorsitzende. Das sei die Aufhebung der Solidargemeinschaft. Niemand hätte an das Wohl der Kinder und der berufstätigen Eltern gedacht. Auch Bürgermeister Oliver Mesch sorgt sich um die Eltern: „Die Entscheidung ist nach der Vorgeschichte nicht rational nachzuvollziehen. Es gilt jetzt auch, Panik bei Eltern, Kindern und pädagogischem Personal zu vermeiden.“

Der Schulverband sei unabhängig von einem Neubau in der Pflicht, für Räume zu sorgen, um die Gruppen zu betreuen, die im nächsten Jahr nicht mehr provisorisch untergebracht werden können. „Der Schulverband hat das pädagogische Personal eingestellt, Verträge mit den Eltern geschlossen, die Kinder sind in der Betreuung. Hinzu kommen viele Neuanmeldungen. Dafür müssen und werden wir eine Lösung erarbeiten“, betont Mesch.

Ohne Haushaltstitel liegen die Planungen erstmal auf Eis. „Ich weiß noch nicht, wie wir das machen“, sagt Agatz. Zunächst wird geprüft, ob es eine Verlängerung der Aufstellungsgenehmigung für die gelben Container vom Kreis geben wird. Das Provisorium war nur bis zum Sommer genehmigt. Zudem benötigen die Schulen ihre Klassenräume, die jetzt zum Teil benutzt werden.

Großensees Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers ist der Wortführer der Verbands-Mitglieder, die gegen die Haushaltsmittel gestimmt haben: „Wir fühlen uns nicht mitgenommen mit unseren Bedenken. Bei der Übernahme der Kosten geht es nur um laufende Kosten, nicht um die Investition. Alle Orte wären mit in der Haftung für den Kredit.“

Sein Vorschlag: Die Gemeinde Trittau solle selbst bauen und anschließend vermieten. Dagegen argumentiert Ute Agatz, das würde viel teurer. Ein Argument fürs Mieten sei laut Lindemann-Eggers auch, dass dann alle Umlandgemeinden, die nicht im Verband sind, aber die Schulen nutzen, mit herangezogen werden könnten, was sonst nicht möglich sei.

Lindemann-Eggers findet es konsequent so abzustimmen, da er schon immer gegen den Neubau votiert hat. Jetzt seien Kollegen, die bislang unschlüssig waren, aufgrund der hohen Neuverschuldung des Verbandes von 1,1 Millionen Euro aufgeschreckt worden. „Der Schulverband würde zehn Millionen Euro Schulden haben, die nächsten 22 Jahre tilgen und das bei immer neuen geplanten Baugebieten und weiteren Forderungen der drei Schulleiter, unter anderem nach einem Ersatz der kleinen Sporthalle, die dem Neubau an der Hahnheideschule weichen musste.“ Dann wird der Großenseer Bürgermeister aber versöhnlich: „Es war eine sehr emotionale Sitzung, da müssen wir uns alle erstmal beruhigen. Die Kinder werden betreut, Personal ist da, Klassenräume auch. Wir müssen in der Zukunft sehen, wie wir das gemeinsam auf die Reihe bekommen.“

Lütjensees Bürgermeisterin Ulrike Stentzler hatte bereits zu Beginn der Diskussion um ein weiteres Blaues Haus im Sommer den Vorschlag gemacht, das Blaue Haus und auch die Mühlauschule aus dem Schulverband herauszulösen, weil es fast nur Trittauer Kinder besuchen (wir berichteten).

Zu dem aktuellen Streit sagt sie: „Die gute Beschulung unserer Kinder liegt uns am Herzen, sie ist nicht nur unsere Pflicht. Gerade deswegen müssen wir besonnen und weitsichtig Gelder investieren und aus der Vergangenheit lernen.“ Sie bemängelt unter anderem, dass es kein Finanzkonzept für die nächsten Jahre gibt, obwohl bei den Neubauprojekten Trittaus absehbar ist, dass der Platz nicht ausreichen werde. „Alle Entscheidungen sind unter Zeitdruck gefällt worden, die Abstimmungsergebnisse beweisen die Uneinigkeit der Verbandsmitglieder. Es fehlt offensichtlich Zeit zur Beratung und Information, die Mitglieder fühlen sich nicht mitgenommen und unter Druck gesetzt.“

Die Bürgermeisterin befürwortet die Prüfung anderer Betreuungsorte wie Klassenzimmer sowie einen anderen Standort für den Neubau, um Kosten für die Erneuerung des B-Platzes zu sparen. „Übergangslösungen und die Alternative mit Bau und Vermietung durch die Gemeinde an den SV fanden bei Trittaus Politikern beim Gespräch vor der Schulverbandsversammlung kein Gehör – trotz rechnerischer Vorteile für Trittau.“


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