Bad Oldesloe : Platzt das Verfahren gegen die Notärztin?

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Das Opfer fand die Attacke gar nicht so schlimm, aber die Staatsanwaltschaft strengte trotzdem ein Verfahren an. Dumm nur, dass das vermeintliche Opfer nun schon zum wederholten Male nicht als Zeuge vor Gericht erschien.

shz.de von
21. Juli 2015, 12:07 Uhr

Der Rechtsstaat kann mitunter teuer werden. So geschieht es derzeit gerade beim Amtsgericht Ahrensburg, wo eine 39-jährige Notärztin wegen Körperverletzung angeklagt ist. Sie soll bei einem Einsatz in Bad Oldesloe einen 25-Jährigen aus Lübeck getreten und geschlagen haben, der als hilflose Person aus dem Zug geholt wurde. Drei Zeuginnen hatten sie angezeigt (wir berichteten).

Mittlerweile liegen vier Verhandlungstage hinter dem Gericht, zu denen das Opfer als Zeuge jeweils nicht erschien. Auch gestern, als sich Richter, Staatsanwältin, Verteidiger, Protokollantin und die Angeklagte vor Gericht trafen. Vom Zeugen wiedermal keine Spur. „Das verursacht erneut einige hundert Euro an Kosten, die wir ihm auferlegen werden“, kündigt der Richter an.

Der Poststreik hatte das Verfahren zusätzlich verzögert. Drei Zustellungsurkunden mit den Vorladungen sind als Rückmeldung mittlerweile im Gericht eingetroffen. „Ich brenne darauf, heute endlich fertig zu werden“, sagte der Richter und griff zum Telefon, um das Revier 2 in Lübeck um Hilfe zu bitten. Die Polizisten suchten die Wohnung des Zeugen auf, der ihnen wegen anderer Delikte bekannt ist. Sie trafen ihn erneut nicht an.

Die Staatsanwältin beantragt, die Gerichtshilfe einzuschalten, um den Aufenthaltsort des Zeugen zu ermitteln. „Ihm werden auf jeden Fall die Gerichtskosten auferlegt“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Dr. Ralf Peter Anders. Ob ein Ordnungsgeld dazu kommt, entscheide das Gericht. „Das ist ein Ausnahmefall, dass jemand seiner Staatsbürgerpflicht nicht nachkommt“, sagt Dr. Peters. Die Aussage des Zeugen sei für das Verfahren zwingend erforderlich. Wegen des massiven Vorwurfs habe die Staatsanwaltschaft ein öffentliches Interesse gesehen.

Die Fortsetzung wurde auf den 31. Juli vertagt. Falls dieser Termin auch platzt, wird es richtig unangenehm. Denn zwischen zwei Verhandlungen darf die Pause nicht mehr als drei Wochen betragen. So will es die Strafprozessordnung. Und sowohl Richter als auch Verteidiger haben ihren Jahresurlaub für August geplant. Wenn der Zeuge wieder nicht kommt, müsste das Verfahren wieder komplett neu aufgerollt werden.

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