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Plattdeutsche Tage starten in Bargteheide : Plattdeutsch gehört die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Plattdeutsche Tage in Stormarn warten ab 26. September mit vielfältigem Programm auf

Ist Plattdeutsch „nur“ eine Sprache der Bauern? Das Vorurteil hat sich verfestigt. „Weil nur die Bauern bis zuletzt an ihrer Sprache festgehalten haben“, sagt Helmuth Peets vom Heimatbund Stormarn. Der Adel verabschiedete sich als erstes von der niederdeutschen Sprache, die als unfein galt. Das Bürgertum folgte. Diese Entwicklung umzukehren und Platt als anerkannt eigenständige Sprache wieder zu etablieren, das ist das Ziel der 14. Plattdeutschen Tage in Stormarn. Der Heimatbund ist damit zum Vorreiter im Land geworden.

Am Freitag, 26. September beginnt die Veranstaltungsreihe in Bargteheide. Während des Eröffnungsabends im Stadthaus liest und moderiert die Schriftstellerin Christa Heise-Batt und die Shanty-Lords musizieren. Plattdüütsch in Glinn (Glinde) folgt am nächsten Abend mit den Glinner Möhlensnackers. Einen Gottesdienst in Zarpen hält Pastor i.R. Cord Denker am folgenden Morgen. Und schon am nächsten Tag folgt „Liederatur“ mit dem Songmacher Jochen Wiegand in der Alten Kate Tremsbüttel. Gerd Spiekermann tritt am 30. September im Ahrensburger Marstall auf. „Teinmohl noh Rio un wedder trüch“ heißt es im Reinfelder Claudiushof am 1. Oktober. Armin Diedrichsen liest aus den Memoiren eines Seemanns, der in den Zwanzigerjahren auf dem Luxusdampfer Cap Polonio die Südamerika-Route bediente. Begleitet wird er von Wagners Salonensemble.

Kultur steht auch am 2. Oktober im Bargteheider Stadthaus auf dem Programm. Kunsthistoriker Dr. Hans Thomas Carstensen informiert über Leben und Werk des Malers Henri Toulouse-Lautrec. „Ik heff versöcht wohr to ween“ ist das Motto. Die Autorin Heike Fedderke gestaltet am 6. Oktober einen Abend im Elmenhorster Gemeindezentrum, „mit Flünken un all mien Lengen“. Volker Holm (Niederdeutsches Zentrum) führt am 7. Oktober im Barsbütteler Bürgerhaus in die Welt des Niederdeutschen ein.

Plattdeutsche Märchen liest Jochen Gieth am 8. Oktober im Bürgerhaus in Oldesloe. „Dusend Johr sünd vor Di as een Dag“ heißt seine Lesung mit Musik. Jazz un Platt mit Sonny Holst und dem Jazz-Lite Orchestra folgt am 9. Oktober im Todendorfer Mehrzweckhaus. Zum Abschluss heißt es „Gassi gahn“ am 10. Oktober in der Trittauer Wassermühle. Diesen Abend gestaltet Matthias Stührwohldt.

Heinrich Thies hat für seinen Einsatz fürs Platt jüngst das Bundesverdienstkreuz erhalten. „In den 50-er Jahren war die Sprache in der Schule noch verboten“, erzählt er. Eltern wurden zum Lehrergespräch gebeten, wenn ihr Kind nicht Hochdeutsch sprach. „Begründet wurde das mit beruflichen Chancen“, sagt er. Seitdem hat sich viel verändert. Thies arbeitet an einem Wörterbuch und einer Grammatik, die 2015 vorliegen sollen.

Heute werden die Lehrer darin ausgebildet, zwei Schulen in Stormarn (Grundschule Mühlenredder Reinbek, Grundschule Zarpen) bieten Niederdeutsch an. Zwei Wochenstunden stehen in der Grundschule auf dem Unterrichtsplan. Die Europäische Sprachencharta hat Platt als eigenständige Sprache anerkannt und es als Unterrichtsfach reklamiert. Das Land entwickelt einen Handlungsplan zur Sprachförderung und will Platt in die Landesverfassung aufnehmen. 44 Grundschulen haben sich beworben, nur 27 konnten mitmachen“, bedauert Volker Holm. Der Leiter des Zentrums für Niederdeutsch entwickelt Lehrmaterial und hat eine Bücherkiste zusammengestellt. Die wurde immerhin schon an alle interessierten Schulen übergeben. Holm will hier weiter Druck machen, um Platt weiter zu etablieren. Seit einigen Jahren gibt es schon Zertifikatskurse für Lehrer. „Das Interesse ist da“, sagt Holm, „genug Lehrer sind auch vorhanden.“ Das 14-jährige Engagement des Heimatbunds scheint reiche Früchte zu tragen.

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