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Plattdeutsch bis Türkisch - Wahlprogramm international

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SPD erstmals mit sechs unterschiedlichen Ausgaben / Finck: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung."

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Bad Oldesloe | Am 26. Mai wird ein neues Stadtparlament gewählt. Klar bringen alle Parteien deshalb ihre Ziele und Vorstellungen vorher noch mal zu Papier: Wahlprogramm nennt sich das. Die Oldesloer Sozialdemokraten machen das in diesem Jahr sogar erstmals in sechsfacher Ausführung. Neben dem Programm-Heft in Deutsch gibt es Auflagen in Polnisch, Russisch, Türkisch, Plattdeutsch und "leichter Sprache".

"Was nützt das beste Programm, wenn Menschen, die hier leben, es nicht verstehen", argumentiert die Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann. Der Ausländeranteil liegt in Bad Oldesloe bei über sechs Prozent und damit deutlich über dem Landesschnitt der lediglich 2,6 Prozent beträgt. Absolut gesehen sind das mehr als 1500 Menschen.

Doch wie das so ist mit Statistiken: Menschen "mit anderen Staatsbürgerschaften" als der deutschen, dürften grundsätzlich erst mal nicht wählen. Ausnahme sind EU-Bürger - wenn sie mindestens drei Monate hier leben. Die Türkei möchte zwar gerne in die EU aufgenommen werden, doch das ist Zukunftsmusik. An der Stelle kommt aber ein anderer Punkt zum Tragen. "50 Prozent der Mitglieder in der Moschee sind deutsch", erklärt Gerd-Günter Finck, langjähriger Vorsitzender des Fit-Vereins: "Das ist sehr viel. Der Durchschnitt liegt sonst bei 25 bis maximal 40 Prozent."

Diese Bevölkerungsgruppe - Menschen mit Migrationshintergrund - wird aber statistisch auf kommunaler Ebene nicht erfasst. Für Gemeindewahlleiter Malte Schaarmann zählt nur die deutsche Staatsbürgerschaft - egal welche Vorgeschichte die hat. Schon gar nicht werde notiert, ob diese Menschen wählen gehen. Bundesweit geht man davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Wahlberechtigten Migrationshintergrund haben.

Aus seiner Erfahrung in der Migrationsarbeit weiß Finck: "Die Kommunalpolitik wird schon diskutiert und kommentiert.Das Interesse ist relativ groß, die Beteiligung relativ gering. Ich rufe auch immer dazu auf, das Wahlrecht zu nutzen."

Fremdsprachige Wahlprogramme, dazu hat er eine klare Meinung: "Das ist mehr als ein Scherz, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das muss aber durch persönliche Kontakte und Gespräche begleitet werden."

Ähnlich sieht das Kirstin Schwarz-Klatt, Leiterin der Migrationssozialarbeit: "Viele würden gerne wählen gehen." Spontan fällt ihr eine 19-jährige Asylbewerberin aus Afghanistan ein, die sich sehr darüber gefreut hatte, an ihrem neuen Lebensmittelpunkt auch wählen zu dürfen. Leider stellte es sich als Fehler heraus, dass sie eine Wahlbenachrichtigungskarte bekommen hatte.

Für die Fachfrau des diakonischen Werks sind die mehrsprachigen Wahlprogramme richtig und wichtig, aber nicht im Sinne von: Weil ihr Deutsch nicht versteht, bekommt ihr es in eurer Muttersprache. Schwarz-Klatt: "Das wäre ein falsch verstandenes Signal. Die Programme sind ein zusätzlicher Anreiz." Wählen dürfen nur diejenigen, die eingebürgert sind, das setze acht Jahre Voraufenthalt voraus und Sprachkenntnisse. Am Verständnis eines gut geschriebenen Programm dürfe es also grundsätzlich nicht scheitern.

Die polnische Übersetzung schrieb die Stadtverordnete Halina Waltz. Sie hatte teilweise zu kämpfen. "Stadtwerke wie wir sie kennen, gibt es in Polen nicht. Und auch den Hort sucht man in Polen vergebens, da die Schulen grundsätzlich bis nachmittags gehen", erklärt sie.

Heike Gräpel, bekannt von der Oldesloer Bühne, hat das Programm ins plattdeutsche übersetzt. Mit Überzeugung für die Sprache, wie sie sagt: "Plattdeutsch ist eine lebendige Sprache und kein Klamauk. Leider tun wir Norddeutschen uns sehr schwer mit unserem Dialekt, in Bayern und Hessen gehört er zum Alltag."

Ganztagsschule, Mensa-Essen oder barrierefreier, bezahlbarer Wohnraum - das sind Themen, die beispielsweise auch Menschen mit psychischen Behinderungen oder die es nicht gewohnt sind zu lesen, interessieren. Für sie gibt es eine Ausgabe des Wahlprogramms in "leichter Sprache". Kandidatin Annika Dietel hat sich darin eingearbeitet. "Leichte Sprache wird nach bestimmten Regeln geschrieben. Die Sätze sollen kurz und klar sein und nur jeweils einen Inhalt transportieren. Schwere Begriffe müssen verständlich beschrieben werden", erläutert sie.

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