Plädoyer für das weibliche Miteinander

Dr. Marie Sichtermann rief zu mehr Zusammenhalt auf.
Dr. Marie Sichtermann rief zu mehr Zusammenhalt auf.

Dr. Marie Sichtermann regte mit ihrem Vortrag im theater itzehoe zur stärkeren Vernetzung von Frauen im Berufsleben an

shz.de von
23. September 2011, 08:12 Uhr

Kreis Steinburg | Das Studio im theater itzehoe war gut gefüllt und so warteten rund 80 Frauen auf den Vortrag "Vitamin F - Frauen setzen auf Leistung, Transparenz und Netzwerke" von Dr. Marie Sichtermann. Geladen hatten dazu das Frauen-Netzwerk Kreis Steinburg sowie der Soroptimist International Club Glückstadt und Club Itzehoe.

Im Zentrum des zirka einstündigen Vortrags stand die Rolle der Frauen im Berufsleben und inwieweit sich Frauen in ihrer Arbeitsumwelt besser positionieren können. "Frauen sind in der Spitze der Welt immer noch ohne eigenes Terrain", sagte Sichtermann, die sich in den 70er Jahren der Frauenbewegung angeschlossen hatte. Die frühere Juristin habe damals die Wahl zwischen Karriere und Freiheit gehabt und sich dann für die Freiheit entschieden.

Sichtermann lobte die gemeinnützigen Projekte der regionalen Frauen-Netzwerke, mahnte aber auch an, dass sich die Frauen fragen sollten, "was sie für sich selbst erreichen wollen". Der eigene Erfolg käme schließlich auch anderen zugute.

Mit einer ihrer Kernaussagen überraschte die 67-Jährige dann viele der anwesenden Netzwerkerinnen: "Frauen sind im Berufsleben leistungsorientiert, während Männer eher beziehungsorientiert sind." Manch andere im Saal sah es genau andersherum. Laut Sichtermann würden Frauen sich in erster Linie über Leistung empfehlen wollen und dabei die wichtige Komponente der sozialen Umgangsformen vernachlässigen.

Zwar würden die weiblichen Erwerbstätigen generell hart arbeiten, die Führungspositionen werden aber weiter primär an Männer vergeben, weil sie untereinander - auch außerhalb des Berufs - einfach besser vernetzt sind. "Kegeln oder segeln gehen ist oft effektiver als wichtige Papiere aufzusetzen", beschreibt Sichtermann die Problematik. So seien für Männer auch gegenseitige arbeitsbezogene Empfehlungen selbstverständlich, während Frauen oft nicht von der Leistung der anderen überzeugt sind.

Marie Sichtermanns Vortrag endete dann nicht mit einem ermutigenden Schlussteil, vielmehr gab die 67-Jährige den Anwesenden mit auf den Weg: "Wir müssen uns selber ermutigen."

Schließlich hätten Frauen in den vergangenen 100 Jahren immer wieder Erfolg gehabt, Sachen durchzubringen. Nur alleine könne das niemand schaffen. Mit diesen Plädoyer für die bessere und effektivere Vernetzung - vor allem im Berufsalltag - entließ Marie Sichtermann ihre Zuhörerinnen, die anschließend in kleinen Gruppen angeregt weiterdiskutierten.

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