Großhansdorf : Pilgerstätte für Kinderlose

Ort des Geschehens: So sieht das aufwändig restaurierte Kutscherhaus jetzt aus.
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Ort des Geschehens: So sieht das aufwändig restaurierte Kutscherhaus jetzt aus.

Die Park-Klinik Manhagen eröffnet mit dem UKSH ein Kinderwunschzentrum in Großhansdorf.

shz.de von
21. Mai 2015, 06:00 Uhr

Das ausgerechnet ein Mann, der auf dem Gelände der Uni-Klinik Kiel Hausverbot hatte, jetzt in enger Zusammenarbeit mit dem UKSH ein neues Kinderwunschzentrum eröffnen konnte, ist durchaus eine amüsante Anekdote.

Prof. Dr. Heiner Rüschmann, Vorsitzender der Trägergesellschaft der Park-Klinik Manhagen, ist dieser Mann, der in den 1990er Jahren die Uni-Kliniken gegen sich aufbrachte, weil er in einem Gutachten mit ihnen hart ins Gericht ging. „Ich konnte mir bis heute nicht vorstellen, dass wir hier eines Tages in so enger Zusammenarbeit dieses Zentrum eröffnen können. Doch jetzt ist es soweit, und ich kann Ihnen allen gar nicht sagen, wie groß meine Freude ist. Es ist ein schönes Gefühl, dass wir unfreiwillig kinderlosen Paaren helfen werden“, sagte Rüschmann. Die Wogen zwischen ihm und den UKSH hatten sich geglättet, als Prof. Dr. Jens Scholz 2009 Vorstandsvorsitzender des UKSH wurde. So konnte auch die Idee des Kinderwunschzentrums im alten Kutscherhaus auf dem Gelände der Kliniken im Manhagen gedeihen. „Insgesamt ist es eine Geburt, die nicht neun Monate, sondern eigentlich über die ganze Zeit gesehen 25 Jahre gedauert hat. Ich bin froh, dass das Zentrum jetzt eröffnet wird“, so Rüschmann. „Leben zu ermöglichen, ist eine großartige Aufgabe.“

Scholz blickte in seiner Rede zurück auf Fruchtbarkeitskulte und -rituale von der Antike bis heute. Sein Schwenk ins römische Kaiserreich brachte ihn bis zu Caligula (12 - 41 n. Christus), der einst mit einem Tempel für die ägyptische Fruchtbarkeitsgöttin „Isis“ eine Pilgerstätte für Mütter mit Kinderwunsch entstehen ließ und allgemein den Kult um Fruchtbarkeit entfachte. „In diesem Bereich hoffen wir, dass wir es machen können wie Caligula – wir wollen eine solche Pilgerstätte werden – bei allem anderen nehmen wir uns Caligula nicht als Vorbild“, sagte er mit Blick auf manch umstrittene Tat des Skandal-Kaisers, der auch als cholerisches Scheusal in die Geschichte einging.

„Wir setzen hier und heutzutage natürlich nicht nur auf Gottesbeistand, sondern vor allem auf medizinische Expertise und Kompetenz“, so Scholz. Das Ziel sei es, so vielen Elternpaaren wie möglich den Kinderwunsch ermöglichen zu können, dafür habe man eine hochmodernes Zentrum entstehen lassen. „Exzellente Erfolgsraten und hohe Patientenzufriedenheit sind nur durch persönliche, individualisierte und kompetente Betreuung in entspannter, geschützter Atmosphäre zu erreichen“, weiß der UKSH-Vorstandsvorsitzende. Jede siebte Partnerschaft ist vom Problem des unerfüllten Kinderwunschs betroffen.

Die Leiter des universitären Kinderwunschzentrums im Manhagen, Prof. Dr. Georg Griesinger und PD Dr. Askan Schultze-Mosgau, können in Großhansdorf auf modernste Methoden und Techniken zurückgreifen. Durch die Zusammenarbeit von Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen von Gynäkologie und Urologie bis Psychologie wolle man die Behandlungsmethoden perfektionieren. „Damit können wir sicherstellen, dass unsere Kinderwunschpaare jederzeit nach aktuellen wissenschaftlichen Standards behandelt werden und auch unmittelbar von den neuesten Entwicklungen profitieren“, so Griesinger.

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