zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 21:52 Uhr

Pflege-Team probt den Aufstand

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Schreibst du noch oder pflegst du schon? / „Viel zu viel Papierkram – da bleibt der Mensch auf der Strecke“

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 15:07 Uhr

„In einem der reichsten Länder, Deutschland, steht es mit der Pflege nicht zum Besten“, sagt Guido Meyer vom ambulanten Pflegedienst Plackowski und Meyer. Das Problem sei, dass Pflegekräfte keine Lobby hätten. Deshalb beteiligen sich er und die Mitarbeiterinnen seiner Firma an der Aktion „Pflege am Limit“ – ein Aufruf von „Pflege steht auf“ und des Pflegerats Schleswig-Holstein. Begonnen hatte die Initiative in Bremen.

Zuerst ging eine Pflegeeinrichtung auf die Straße, später seien es tausende gewesen, sagt Meyer. So soll es auch in Schleswig-Holstein werden. „Wir müssen klein anfangen und immer mehr Einrichtungen motivieren, auf den drohenden Pflegenotstand, die mangelnde Finanzierung, die teilweise überzogene Bürokratie aufmerksam zu machen“, betont der Pflegedienstleiter. Gestartet ist „Pflege am Limit“ in Reinfeld in Zusammenarbeit mit einigen Einrichtungen in Neumünster. Meyer: „Das kleine Reinfeld nimmt hier im Norden eine Vorreiterrolle ein.“

Satt und sauber im Sekundentakt – dagegen wehren sich Guido Meyer und sein Team und hoffen, dass in den nächsten Monaten mehr und mehr Pflegeeinrichtungen in Reinfeld und Umgebung und ganz Stormarn dazu stoßen werden, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. „Ärztliche Verordnungen zu häuslicher Pflege werden gekürzt, so dass Angehörige Leistungen übernehmen müssen. Das darf nicht sein“, so Meyer weiter. Auch arme Menschen müssten menschenwürdig versorgt werden. Rund 9 Euro – egal ob komplizierte Wundversorgung oder das Wechseln von Kompressionsstrümpfen – könnten nur bei der Krankenkasse abgerechnet werden. „Professionelle Pflege ist aber kein Ehrenamt, der Personalschlüssel und die Arbeitsbedingungen müssen auch den realen Pflegeaufwand abbilden“, fordert Meyer. Er bemängelt auch die Qualitätsprüfungen, die auf keinen fundierten Grundlagen ständen.

Viel zu viel Papierkram – da bleibe der Mensch auf der Strecke. Fast die Hälfte der Arbeitszeit gehe für die Dokumentation drauf. Oftmals werde das Papier besser gepflegt als der Mensch. Und – man dürfe die Zukunft nicht vergessen: immer mehr ältere Menschen müssten versorgt werden, doch wegen zu schlechter Bezahlung würden viele erst gar nicht den Beruf ergreifen oder ihn wechseln. Selbst die UN habe die Zustände in Deutschland bemängelt. Meyer und sein Team tragen bei der Arbeit T-Shirts mit der Aufschrift „Schreibst du noch oder pflegst du schon?“ Ein bitterer Satz, der die Situation sehr deutlich mache, so der Pflegedienstleiter. Ihm sei es nicht wichtig, Werbung für sein Unternehmen zu machen, in der Pflege säßen doch alle in einem Boot. Wenn es dem Pflegedient gut gehe, seien auch eine bessere Bezahlung und neue Arbeitsplätze möglich. Es sei endgültig an der Zeit, die Politik wachzurütteln, sonst sei in einigen Jahren der absolute Pflegenotstand vorprogrammiert.

Immer montags demonstriert das Pflegeteam vor der Einrichtung in der Grootkoppel. Aus dieser Aktion sollen sich im Laufe der Monate – so hofft es Guido Meyer – nach dem Bremer Vorbild so genannte Flashmobs entwickeln.


>Auf der Internetseite www.pflege-steht-auf.de gibt es weitere Infos. Wer mitmachen möchte, meldet sich bitte Bei Guido Meyer und Sabine Plackowski unter (04533) 61 152 und info@pflege-reinfeld de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert