Bad Oldesloe : Petrus grüßt aus dem „Heiligen Land“

Amjad Awwad, seit 2017 Bürgermeister von Jifna, vor dem Bauschild, das an der Marienquelle angebracht wurde.
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Amjad Awwad, seit 2017 Bürgermeister von Jifna, vor dem Bauschild, das an der Marienquelle angebracht wurde.

5000 Euro zahlt die Kreisstadt für neues Abwassersystem im Zentrum der Schwestergemeinde Jifna

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03. August 2018, 06:00 Uhr

Wenn im April des kommenden Jahres eine Reisegruppe aus Bad Oldesloe nach Jifna reist, dann können die Besucher vielleicht schon einen munter sprudelnden Springbrunnen auf dem Marktplatz bewundern. Vor drei Jahren wurde in der Kreisstadt der Partnerschaftsvertrag mit der kleinen Gemeinde Jifna unterzeichnet, die zwar nur 2000 Einwohner zählt, aber auf eine fast 7000 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann. Das Dorf liegt neun Kilometer nördlich von Ramallah im Westjordanland zwischen den Hügeln von Jalazoun und Dura El Qaria und wird immer noch hauptsächlich von Christen bewohnt.

Jifna, das angeblich sogar in der Bibel erwähnt wird und auf einer alten Kreuzritterburg gründet, heißt übersetzt Weinrebe und hat eine besondere Sehenswürdigkeit zu bieten: Die so genannte Jungfrauen- oder Marienquelle im Zentrum des Dorfes, die es dort schon seit Jahrtausenden gibt. Nach einer Legende soll die Jungfrau Maria hier vorbeigekommen sein auf ihrem Weg von Nazareth nach Bethlehem. Damals hieß der Ort noch Cofna und war nach Jerusalem die wichtigste Stadt im von den Römern besetzten Judäa. Maria trank hier von der Jifna-Quelle, deshalb wurde sie nach ihr benannt.

Doch vor etwa 40 Jahren gab es erstmals eine überörtliche Wasserversorgung und Jifna bezieht seither sein Trinkwasser aus Jericho. Dieser Fortschritt brachte aber auch mehr Abwasser, das rund um den zentralen Marktplatz einfach in den inzwischen vier bis fünf Meter dicken geschichtsträchtigen Schuttuntergrund versickerte und damit die Marienquelle verunreinigte. Aber Wasser ist in Palästina ein rares Gut, das von israelischen Behörden verwaltet wird und nur alle paar Tage aus den Wasserhähnen fließt. Da wäre es schon gut, wenn man mindestens zum Bewässern der Gärten wieder halbwegs sauberes Quellwasser hätte und die Kinder am Springbrunnen auf dem Marktplatz ungefährdet spielen könnten.

Die Pumpe beförderte früher das Wasser von der Marienquelle aus fünf Metern Tiefe hoch, jetzt ist die Pumpe abgeschaltet, damit die Kinder durch das verunreinigte Wasser nicht gefährdet werden.

Im vergangenen Jahr reisten Dr. Hartmut Jokisch vom Verein „Freundeskreis Beer Yaacov/Jifna“ und Stadtwerkechef Jürgen Fahl nach Jifna, um der Kommune bei der Planung eines Abwassersystems beratend unter die Arme zu greifen. Zumindest der historische Dorfkern sollte an die Kanalisation angeschlossen werden. Man stellte einen Antrag bei der Engagement Global GmbH, die ihr Geld wiederum vom Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit BMZ erhält. Insgesamt 50000 Euro wurden für eine Abwasserbeseitigung rund um den Marktplatz inzwischen bewilligt. Die Stadt Bad Oldesloe beteiligt sich mit 5000 Euro an dem Projekt für die palästinensische Schwestergemeinde.

Inzwischen wurden die Bauarbeiten gestartet. Auch wenn es im Sommer in Jifna sehr warm ist, kann man es gut draußen aushalten, denn der Ort liegt 660 Meter hoch und es weht meist eine leichte Brise. Ein Kettenfahrzeug arbeitet hier in den engen, Gassen und ein Presslufthammer reißt die Straße auf.

Für die Abwasserbeseitigung werden nun die ersten Abwasserrohre verlegt, alle Häuser rund um den Marktplatz sollen bald angeschlossen sein. Auf einem großen Bauschild an der Marienquelle leuchtet jetzt der Petrus aus dem Oldesloer Stadtwappen neben dem Signet von Jifna, einer Weinrebe.

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