zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 05:01 Uhr

Peptid mit großer Wirkung

vom

Neuer Ansatz gegen tödliche Infektion: Prof. Dr. Klaus Brandenburg mit Innovationspreis ausgezeichnet

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Borstel | An den Folgen eine bakteriellen Infektionskrankheit sterben weltweit alljährlich Millionen Menschen. Am Forschungszentrum Borstel (FZB) wurde jetzt eine neue Therapie auf Basis eines Peptids entwickelt. Die patentierte Substanz ermöglicht es, Sepsis in Kombination mit Antibiotika im Tiermodell erfolgreich zu behandeln. Der "Arbeitskreis der Bio-Regionen Deutschland" hat den neuen Ansatz aus Borstel jetzt mit dem Innovationspreis 2013 ausgezeichnet.

Die Sepsis ist eine lebensbedrohliche Entzündungs reaktion des Organismus auf eine Infektion, die in den meisten Fällen von Bakterien und deren Toxinen verursacht wird. Die Bakterien sind gegenüber Antibiotika sehr anpassungsfähig und bilden häufig Resistenzen.

Der Herausforderung, neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln, stellte sich der Wissenschaftler Prof. Dr. Klaus Brandenburg zusammen mit Kollegen und Kooperationspartnern: Peptide mit antimikrobieller Wirkung sind eine vielversprechende Alternative zu den herkömmlichen Antibiotika.

Brandenburgs Strategie ist ebenso simpel wie genial. Er synthetisiert Peptide, die die molekularen Strukturen von Bakterien (Endotoxine) binden, die vom menschlichen Immunsystem als fremd erkannt werden und Entzündungsreaktionen auslösen, Durch die Peptide bleiben diese Strukturen von Immunzellen unerkannt und damit wirkungslos. "Mit diesem Ansatz wird die Ursache und nicht Folgeerscheinungen der Infektion bekämpft", sagt Brandenburg.

"Borstel ist als Leibniz-Zentrum dem Motto theoria cum praxi verpflichtet", sagt Prof. Dr. Stefan Ehlers. Der FZB-Direktor sieht in der Entwicklung eines Medikaments, das einer der größten Todesursachen auf Intensivstationen Einhalt gebieten würde, die Krönung für die jahrzehntelangen Anstrengungen im Bereich der strukturbiologischen Grundlagenforschung am Borsteler Zentrum für Medizin- und Biowissenschaften.

"Genau so konsequent sollte man es machen", lobt Ehlers. Auch wenn das FZB sich weniger der Sepsis- als der Tuberkuloseforschung widme, könne man den Vorbildcharakter der Vorgehensweise von Klaus Brandenburg nicht hoch genug einschätzen. Das Institut verfüge über eine langfristig gesicherte Ausstattung und habe sich der Gesundheitsforschung verschrieben. Somit konnten die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen rasch einem Praxistest unterzogen werden. "Neue therapeutische Strategien gegen Volkskrankheiten kommen nur durch innovative Ideen und einen langen Atem bei der experimenteller Umsetzung zustande", betont Ehlers, "für mich liegt die wissenschaftspolitische Bedeutung dieses Projekts auch darin, dass die Leistungsfähigkeit und Flexibilität einer typischen Leibniz-Einrichtung wieder unter Beweis gestellt wurde."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen