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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 03:30 Uhr

„Patienten betrachten wir als Gäste“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die allgemeine psychiatrische Station des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses hat einen Drei-Millionen-Neubau bezogen

Nun ist die allgemeine psychiatrische Station des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses (HSK) fertig, am Montag zogen die ersten Patienten ein. Drei Millionen Euro wurden für den Neubau investiert, zwei Drittel der Kosten trägt das Land. Die Bettenzahl bleibt 220 unverändert. „Aber die Arbeitsbedingungen des Personals und die Lebensqualität der Patienten verbessern sich deutlich“, sagt der ärztliche Leiter, Prof. Matthias R. Lemke.

26 Betten in 20 Apartments stehen im Gebäude am Westrand des Klinikgeländes zur Verfügung. „Früher wurde hier eine tolle Arbeit trotz der Gebäude geleistet, heute in den Gebäuden“, sagt Prof. Hanns-Stephan Haas, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Alsterdorf. Ein Haus sei entstanden, um hier das Leben neu zu entdecken. Es ersetzt das „Haus Hamburg“ aus den 60-er Jahren, eines der ältesten Gebäude des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses. Es wird jetzt für Therapiezwecke genutzt.

Der Zusammenhang zwischen Körper und Seele spielt eine immer wichtigere Rolle in den heutigen Therapien. „Jeder weiß, dass Ärger auf den Magen schlägt oder etwas unter die Haut geht“, so Ulrich Scheibel vom Stiftungsvorstand. Die Psychokardiologie habe kürzlich nachgewiesen, dass ein gebrochenes Herz sich auch auf die körperliche Gesundheit auswirke. Eine Fehlfunktion der Schilddrüse könne Depressionen begünstigen.

„Ein gelungener Bau, der die Philosophie der Behandlung ausstrahlt“, lobt Silke Seemann vom Sozialministerium. Die Leitlinie der Landesregierung in der Gesundheitspolitik sei der Vorrang von ambulanter vor stationärer Versorgung. Über 30 Tageskliniken seien bereits entstanden, drei davon betreibt das HSK. „Eine vierte ist in Bad Oldesloe in Planung und bereits in den Bedarfsplan aufgenommen“, so Silke Seemann. Die ambulante Behandlung in der Psychosomatik sei im Dickicht der Bundes-Gesundheitspolitik stecken geblieben: „Es ist ein Fehler der Gesetzgebung bei den Änderungen im Sozialgesetzbuch“, so Silke Seemann, „die Vorgaben sind unrealistisch und in der Praxis kaum umsetzbar.“

„Unsere Patienten betrachten wir als Gäste auf Augenhöhe“, so Lemke, „wir holen sie dort ab, wo sie gerade stehen.“ Fast die Hälfte aller Frühverrentungen seien heute durch seelische Erkrankungen verursacht und hätten damit die Herz-Kreislauferkrankungen als Spitzenreiter abgelöst. Lemke sieht die Ursache im zunehmenden Leistungsdruck, die Anforderungen der Gesellschaft würden anstrengender: „Immer weniger Menschen müssen mehr arbeiten und dabei bessere Qualität erbringen.“

Die Versorgungssituation sei nicht gut, es gebe lange Wartezeiten auf eine Behandlung. Im Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus gebe es einen Schutzraum, um sich von den Anstrengungen zu erholen und wieder Zugang zu sich selbst zu finden.


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