Stormarn : Parteien: Mehr Mitglieder, aber zu wenig Kandidaten

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Der Kreistag 2008 mit 64 Abgeordneten und neuer Fassade. Auch heute ist ein Sitz im Stormarner Kreistag begehrt.
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Der Kreistag 2008 mit 64 Abgeordneten und neuer Fassade. Auch heute ist ein Sitz im Stormarner Kreistag begehrt.

Nur für Wahl in den Kreistag ist Interesse vorhanden. In Ammersbek sind die Grünen stark, aber Listenplätze frei.

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12. Januar 2018, 06:00 Uhr

Mehr als 800 Mandate in Städten und Gemeinden werden bei der Kommunalwahl im Mai vergeben. Während das Interesse an einem Sitz im Kreistag generell groß ist, haben in manchen Orten sogar die großen Parteien Schwierigkeiten, alle Wahlkreise zu besetzen. Das Problem ist fast überall ähnlich: Überalterung auf der Seite der Aktiven und zu wenig junge Leute, die sich engagieren wollen.

Besonders krass zeigt sich das gerade bei den Grünen in Ammersbek. Seit fast drei Jahrzehnten sind sie in der Gemeindepolitik aktiv und holten bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren 17,2 Prozent. Einige Mitglieder der Fraktion sind verzogen, die amtierenden 69 und 79 Jahre alt. Aus Alters- oder aus beruflichen Gründen wollen viele der bisher Aktiven nicht wieder antreten.

„Wir haben große Lücken auf unserer Kandidatenliste, besonders auf den vorderen Plätzen“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Angelika Schmidt. Zwar müssen die Parteien nicht in allen Wahlkreisen antreten. Da die Wähler in Gemeinden von der Größe Ammersbeks aber nur ein Kreuz setzen dürfen, können die Parteien nur dort Stimmen bekommen, wo jemand von ihnen auf der Liste steht. „Der Wiederantritt bei der Kommunalwahl ist stark gefährdet“, sagt Angelika Schmidt, die ebenfalls ins zweite Glied treten möchte. Wenn man nicht „sang- und klanglos untergehen“ wolle, müssten die Grünen neue Mitstreiter gewinnen. Es würden zwar junge Leute eintreten, „aber zu wenige wollen Verantwortung übernehmen“, so die 69-Jährige.

2013 hatten die Grünen dem Trend bei anderen Parteien getrotzt und traten in mehr Städten und Gemeinden als zuvor mit eigenen Kandidaten an. Bei den anderen war es umgekehrt. Die CDU war nur noch in 40 statt 45 Kommunen präsent, die SPD brach sogar von 39 auf 30 ein, und die FDP trat nur noch in neun statt 13 Kommunen. Es profitierten die Wählergemeinschaften. In den sechs Städten und 59 Gemeinden traten 64 lokale Gruppierungen an, mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor.

Den fast zehn Jahren anhaltenden Mitgliederschwund haben alle Parteien mittlerweile stoppen können, auch wenn bei den Großen das Niveau von 2008 noch nicht wieder erreicht ist. Mitgliedschaft oder Interesse bedeuten aber noch lange nicht, dass die Neuen sich in die Ortspolitik einbringen wollen, vor allem nicht die jüngere und mittleren Jahrgänge. Generell würden heute Beruf und Familie im Vordergrund stehen, und nur wenige seien bereit, Verantwortung zu übernehmen, ist ein Erfahrungswert aus allen Parteien.

Bislang haben erst wenige Parteien und Wählergemeinschaften komplette Listen für ihre Gemeinde aufgestellt. Sie haben noch bis zum 12. März Zeit. Spätestens dann müssen die Kandidaten für die Wahlen am 6. Mai gemeldet werden.

Ob die CDU es wieder schafft, in 40 Kommunen anzutreten, ist ebenso unklar wie die Zahl 30 bei der SPD. Auf der Kippe steht zum Beispiel Großensee. Dort hatte sich die CDU-Fraktion wenige Wochen nach der Wahl 2013 neu aufstellen müssen, weil vier Kandidaten zurückgetreten waren. „Ich bin aber eigentlich zuversichtlich, dass es klappt“, sagt CDU-Kreisgeschäftsführer Alexander Schröter.

Ein Problem in Orten mit 5000 bis 10 000 Einwohnern ist das Wahlrecht. Das schreibt in Ammersbek, Großhansdorf oder Tangstedt die Bildung von Wahlkreisen vor, die mit Kandidaten besetzt werden müssen, wenn man keine Stimmen verlieren möchte. „Wenn man in einer kleinen Gemeinde wie Tangstedt zehn Direktkandidaten braucht, muss man sich vielleicht auch über das Wahlrecht Gedanken machen“, sagt der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Reinhard Mendel, der aus Tangstedt kommt und Jurist ist.

In Städten ist das weniger ein Problem, weil es – wie in Bad Oldesloe – auch nur 14 Wahlkreise gibt. Und für den Kreistag hat Mendel mehr Wünsche als Listenplätze: „Es hat sich wohl herumgesprochen, dass es ein angenehmes Arbeiten im Kreistag ist.“ Auch CDU-Fraktionschef Joachim Wagner hat genug Interessenten. Allerdings sind darunter auch Neulinge im Rentenalter. Im Stormarner Kreistag liegt das Durchschnittsalter der Abgeordneten bereits heute bei 60 Jahren. Und nicht alle, die über 70 sind, wollen in den politischen Ruhestand.

Bei der CDU wird die Hälfte der Fraktion nicht wieder antreten, es hören aber nicht nur Ältere, sondern auch Jüngere auf. Bei der Überalterung „gruselt es mich“, sagt Wagner mit Blick auf die nächsten Jahre: „Ohne junge Leute geht es nicht. Wenn man sie nicht schon heute heranführt, fehlen sie bei der nächsten Wahl“, führt Joachim Wagner weiter aus.

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