zur Navigation springen

Reinbek : Palme-Preis geht an Flüchtlings-Helfer

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bildungsministerin Britta Ernst lobt Preisträger als „Friedenshelfer“

„Wir lassen uns von Terror und Gewalt nicht kleinkriegen“, sagt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zur Verleihung des Olof Palme Friedenspreises. Attentäter wie zuletzt in Paris oder Kopenhagen würden ihre Ziele nicht erreichen. „Sie wollen uns alle treffen.“ Die Verleihung des Friedenspreises der Stormarner SPD wird in diesem Jahr in einer wenig friedlichen Zeit organisiert. Preisträger sind diesmal die Vielen, die den Flüchtlingen in der Region helfen. Stellvertretend für sie alle nahm ihn Axel Fricke vom Freundeskreis Flüchtlinge in Ahrensburg entgegen.

Der Preis soll an den ermordeten schwedischen Premier erinnern, der sich für weltweiten Ausgleich und Frieden eingesetzt hat. Die Preisübergabe wird zum 28. Mal mit einer würdigen Zeremonie im Reinbeker Schloss gefeiert. Martin Habersaat hält die Laudatio: „Alle Nominierten hätten diesen Preis verdient.“ Darunter sind der Weltladen in Bad Oldesloe, die Initiative für Stolpersteine in Reinfeld, das Museum Rade in Reinbek und die islamische Gemeinde Glinde-Reinbek. Namentlich nominiert ist auch Hans Peter Weiß aus Ahrensburg, der sich dort auf vielfältige Weise für die Integration eingesetzt hat.

„Wir Schleswig-Holsteiner wissen was es heißt, Flüchtlinge aufzunehmen“, sagt Habersaat. Am Ende des Zweiten Weltkriegs seien zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten gekommen. „In Orten wie Bargteheide hat sich die Einwohnerzahl damals vervielfacht.“ Kein Bundesland habe mehr Flüchtlinge aufgenommen. Die Jury habe in diesem Jahr ein Signal für den Umgang mit Flüchtlingen setzen wollen.

„Wir sind weit entfernt von einer friedlichen Welt“, sagt die SPD-Kreisvorsitzende Susanne Danhier, „vielen Menschen bleibt heute nur die Flucht, und die Hauptleidtragenden sind die Kinder.“ Die Kandidaten seien alle Friedensbotschafter, so Britta Ernst: „Wir brauchen Besonnenheit im Denken und Handeln.“ Eine große Mehrheit in Deutschland sei gegen nationalistische Parolen und alte Vorurteile. Die führten bis zu Brandanschlägen aus Angst vor dem Wertverlust des Eigenheims.

Übernational agierende Terrorgruppen von islamistischen Seelenfängern hätten bereits mehr als 600 junge Menschen aus unserer Gesellschaft rekrutiert. „Wie kann es sein, dass sogar 16-jährige Mädchen in einen aussichtslosen Krieg ziehen?“, fragt Britta Ernst. Kinder egal welcher Herkunft hätten ein Recht auf Bildung und eine gute Zukunft. „Sie haben Chancen in Deutschland, wir müssen ihnen helfen, sie zu ergreifen.“

Und die Zahl der Flüchtlinge steigt stetig weiter an. Bis zu 20 000 Menschen würden es in diesem Jahr in Schleswig-Holstein sein, so Habersaat: „Bei einer Gesamtbevölkerung von 2,8 Millionen ist die Diskussion über eine Überfremdung irreal.“

Etwa 40 Aktive setzen sich in Ahrensburg für die Flüchtlinge ein. „Wir brauchen noch mehr Familien- und Sprachpaten, Helfer für die Hausaufgabenbetreuung der Kinder und den Deutschunterricht sowie für die Fahrradwerkstatt“, sagt Axel Fricke. Für Flüchtlingskinder ab zwölf Jahren reiche die schulische Förderung nicht aus: „Sie haben keine Chance auf einen normalen Schulabschluss.“ Das Preisgeld von 1750 Euro werde für die Arbeit des Freundeskreises verwendet, etwa die Anschaffung von Lehrmaterial und Büchern.

zur Startseite

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 01.Mär.2015 | 12:49 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen