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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 23:48 Uhr

Pahl-Bewohner kämpfen für ihre Oase

vom

Unterschriftensammlung und juristischer Widerstand gegen B-Plan in ihren Gärten

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Bad Oldesloe | An der Straße Up den Pahl rumort es wieder gewaltig. Seit Jahren gibt es Überlegungen, dort eine so genannte Innenverdichtung zu ermöglichen. Im hinteren Teil der sehr langen Grundstücke könnte so ein neues kleines Baugebiet entstehen. Entsprechende Überlegungen gab es schon mal in den 70er Jahren. Vor etwa fünf Jahren kamen sie wieder auf den Tisch und werden langsam konkreter. Der Haken an der Geschichte: Die Anlieger wollen das gar nicht.

Holger Gramkow spricht Klartext: "Ich will kein Geld, ich will meine Ruhe." Er denkt gar nicht daran, einen Teil seines Grundstück zu verkaufen. Trotzdem ist der hintere Bereich seines Gartens schon mal überplant. Die aktuellen Pläne sehen dort einen Neubau vor.

Hans-Peter Baars lebt nur ein paar Häuser entfernt. Er hat weniger Glück. Er hatte "sein" Grundstück nur in Erbpacht von der Stadt bekommen. Als die abgelaufen war, hat die Stadt ihre Hand über den hinteren Bereich gelegt. Den darf er zwar weiterhin beackern, muss ihn aber mit einer Vorwarnzeit von drei Monaten räumen. Am Vortag haben ihm Techniker für eine Bodenuntersuchung einen Pfosten mitten in den Kartoffelacker gerammt. Einige seiner Nachbarn, denen es ähnlich ging, haben darauf keine Lust. Die Gärten, die der Stadt gehören verfallen zusehends und wuchern zu.

Rainer Thielenhaus organisiert den Widerstand der Pahler. Er geht von Haus zu Haus, kennt sie alle, kann zu fast jedem eine Geschichte erzählen und sammelt Unterschriften. "Die Stadt sagt, sie will die Voraussetzungen für einen Generationswechsel schaffen. Das ist Quatsch", findet er, "der hat hier längst stattgefunden." Im Quartier seien in den vergangenen Jahren etliche Kinder zur Welt gekommen, Häuser von der nächsten Generation bereits renoviert worden. "Wir haben keine Lust, für die verfehlte Baupolitik in der Stadt den Kopf hinhalten zu müssen", wettert Thielenhaus, dessen Großvater zu den ersten Siedlern am Pahl gehörte. "Das ist eine Oase hier, die die Menschen behalten wollen", ist Thielenhaus überzeugt: "Wer mit mir zwei Stunden durch die Stadt spaziert, dem kann ich unzählige Möglichkeiten zur Bebauung zeigen."

Wenn die Stadt auf ihren Grundstücken Baurecht schafft, müssen vermutlich auch viele andere Anlieger dafür Ausbaubeiträge zahlen. "Wenn es so weit kommen sollte, wird es eine Initiative geben, die sich einen Anwalt nimmt", kündigt Thielenhaus an.

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