Oldesloer Landbote an die Front

Der Bargteheider Heinrich Görtz (l. mit Zeitung), Gefreiter des I. Landsturm Infanterie-Bataillons Altona, war 1915 in Flandern.
Der Bargteheider Heinrich Görtz (l. mit Zeitung), Gefreiter des I. Landsturm Infanterie-Bataillons Altona, war 1915 in Flandern.

Der Bargteheider Raymond Boldt besitzt ein mehr als 100 Jahre altes Foto mit seinem Urgroßvater, das in Flandern aufgenommen wurde

shz.de von
15. Juni 2017, 06:00 Uhr

Wie um alles in der Welt kommt ein „Oldesloer Landbote“ auf dieses mehr als 100 Jahre alte Foto, das deutsche Soldaten während des 1. Weltkriegs in Belgien zeigt? Der Vorläufer des Stormarner Tageblatts war zu dieser Zeit die wichtigste und meist gelesene Tageszeitung in Stormarn und schaffte es mit einem Bargteheider Handwerksmeister, der im Jahre 1915 als Gefreiter in Flandern diente, tatsächlich bis an die belgische Front.

Dieses historische Foto ist im Besitz von Raymond Boldt, dem Urenkel des Gefreiten Heinrich Görtz aus Bargteheide, hier links im Bild. Der Urgroßvater von Raymond Boldt war Baumeister und besaß in Bargteheide ein florierendes Baugeschäft mit Zimmerei in der Jersbeker Straße, heute heißt die Örtlichkeit Kamp 1. Das Gebäude wurde im Jahr 1995 abgerissen. Der Zimmermann wurde noch mit 41 Jahren als kaiserlicher Soldat eingezogen und musste als einfacher Gefreiter in Flandern dienen. Dort lief ihm auch ein Hund (links auf dem Foto neben ihm) zu, der bald sein treuer Freund wurde.

„Das Foto wurde wohl privat aufgenommen und warb für den Krieg und das Soldatenleben. Auf der Rückseite befindet sich ein Adressfeld, wahrscheinlich war es ein Gruß an die Heimat. Meine Eltern und Großeltern waren immer schon Abonnenten des Oldesloer Landboten beziehungsweise des Stormarner Tageblatts“, erzählt Raymond Boldt.

Auffällig ist der kleine „Picknicktisch“ in der Mitte des Fotos mit einem Laib Brot, einer Flasche Wein sowie Kaffeegeschirr und einer Zeitung als Tischdecke. Im Hintergrund schwelt ein kleines Lagerfeuer. Der Oldesloer Landbote wurde Heinrich Görtz von seiner Frau Emilie ab und zu per Feldpost nach Belgien geschickt, so dass er die neuesten Nachrichten aus der Heimat lesen konnte.

Heinrich Görtz gehörte zur 3. Companie des I. Landsturm Infanterie-Bataillons Altona 36 in Flandern und wurde 1874 in Treuholz geboren. Er hatte zwei Schwestern und zwei Brüder: Den Tischlermeister Fritz Görtz und Ernst Görtz, Urgroßvater des heutigen Stormarner Landrats Dr. Henning Görtz.

Als gestandener Zimmermann wurde Heinrich Görtz, der zuhause in Bargteheide nicht nur einen gut gehenden Handwerksbetrieb, sondern auch drei kleine Töchter hatte, in Flandern an der Front wohl nicht nur als Soldat, sondern auch als Handwerker gebraucht. Jedenfalls kam er gesund aus dem Krieg nach Hause und verstarb erst 1958 in Bargteheide. „Als mein Urgroßvater starb, spielte vor seinem Haus eine Kapelle des Schützenvereins. Das hat mich als Knirps sehr beeindruckt“, erinnert sich Raymond Boldt.





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