zur Navigation springen

Rausschmiss : Oldesloer Kurpark-Stadion: Streit um Kosten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Weil der VfL Bad Oldesloe die Betriebskosten nicht erstatten will, droht dem Verein der Rauswurf aus dem Stadion.

Im Kurpark hängt der Haussegen mächtig schief. SV Türkspor als Pächter des Stadions und der VfL als Hauptnutzer werden sich über die Konditionen nicht einig, zu denen die Anlage von den 120 Kickern des VfL genutzt werden darf. VfL-Vorsitzender Detlef Rädisch befürchtet, ab Dezember vor verschlossenen Türen zu stehen. Der Stadionmanager von Türkspor, Görkhan Akdemir, kündigt an, ein gerichtliches Mahnverfahren gegen den VfL einleiten zu wollen, weil noch 1739 Euro Betriebskosten ausstünden.

Mit dem Übernahme des FFC durch den VfL ging das Pachtverhältnis nicht automatisch auf den VfL über. Im Gegenteil. Bei der Neuvergabe entschied sich die Stadt zum Vertragsabschluss mit Türkspor.

Das hat Auswirkungen auf den VfL „Die Unterhaltungskosten sollen plötzlich um rund 90 Prozent jährlich gestiegen sein“, ärgert sich Detlef Rädisch. Für das erste Halbjahr 2014 hatte der FFC 3224 Euro Kosten geltend gemacht und auf die Nutzer anteilig umgelegt. Bei Türkspor sollen es plötzlich 6376 Euro sein. Auf den VfL entfällt ein Anteil von 72 Prozent. Rädisch: „Gas, Wasser und Strom sind da noch nicht mal drin, denn das bezahlt die Stadt. Es sind nur die Kosten der Unterhaltung.“

Konkret soll es sich um Reinigung, Platzwart, Schließ- und Kontrolldienste handeln sowie den Verwaltungsaufwand. Ergibt zusammen statt bislang 450 Euro monatlich plötzlich mehr als 750 Euro. Juristisch, daran hat der VfL-Vorsitzende keinen Zweifel, ist das absolut korrekt. „Der Sinn von Pacht ist nun mal, daraus einen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Dagegen kann man nichts haben, außer, dass wir das nicht zahlen können. Im Sinne von ehrenamtlicher Jugendarbeit finde ich das einfach unsportlich“, so Rädisch.

Bei Durchsicht der Kostenaufstellung sei schnell klar geworden, dass dort künftig keine ehrenamtliche Verwaltung der Anlage zum Nutzen der Kinder und Jugendlichen mehr gewünscht sei, sondern der wirtschaftliche Erfolg des neuen Pächters im Vordergrund stehe. Bei Nutzung des Kurparkstadion muss der VfL pro Mitglied mehr als sechs Euro an Türkspor zahlen. Angesichts eines Mitgliedsbeitrags von 5,50 bis acht Euro sei das nicht darstellbar. Rädisch: „Wir können keinen Sonderbeitrag erheben, um die wirtschaftlichen Interessen von Türkspor zu befriedigen.“

Der VfL stellt sich deshalb darauf ein, dass er ab 1. Dezember nicht mehr auf die Kurpark-Plätze darf. Die Nutzung der anderen Anlagen müsse optimiert werden, in umliegenden Gemeinden werden Verhandlungen geführt, ob dort trainiert werden kann. „Notfalls müssen wir Mannschaften abmelden“, kündigt der Vorsitzende an.

Aus Sicht von Görkhan Akdemir stellt sich die Sachlage deutlich anders dar. Türkspor sei es verboten, von Oldesloer Vereinen Pacht zu nehmen. Es werden lediglich die anfallenden Kosten umgelegt. Die seien, daraus mach Akdemir keinen Hehl, höher als zu FFC-Zeiten. „Der Pächter der Gaststätte übernimmt auch den Reinigungsdienst“, so der Stadionmanger. Der habe schon beim FFC mehrfach das krasse Missverhältnis zwischen Leistung und Bezahlung angemahnt. „Er will mindestens den Mindestlohn von 8,50 Euro haben. Auch wenn er selbstständig ist, fällt es schwer, dagegen zu argumentieren, das ist okay“, macht Akdemir deutlich. Er habe von Reinigungsfirmen Angebote eingeholt, die seien um ein Vielfaches höher. Es sei auch überlegt worden, eine Reinigungskraft einzustellen. Görkhan Akdemir: „Dann müssen wir ebenfalls 8,50 zahlen plus Sozialabgaben.“ Würde also auch teurer.

Türkspor nutze die Anlage nur zu etwa zwölf Prozent selber. Auch bei ihm fallen pro Mitglied rund fünf Euro an Betriebskosten an, rechnet Akdemir vor. Das wiege in einem kleinen Verein wie Türkspor deutlich schwerer.

Selbstverständlich seien er und seine Mitstreiter ehrenamtlich tätig. „Aber nicht für die VfL. Die machen für uns auch nichts ehrenamtlich“, reicht der Stadionmanager die Rädisch-Vorwürfe zurück. In diesem Zusammenhang erinnert er an Zeiten, als Türkspor vom VfL Zeiten am Masurenweg gepachtet hatte. Neben den 25 Euro Betriebskosten pro Spieltag seien 40 Euro Gebühren erhoben worden. Akdemir: „Da mussten wir für sechs Stunden im Monat 90 Euro zahlen. Verglichen damit ist der VfL bei uns gut bedient.“

Bei Betriebskosten gebe es nichts zu verhandeln oder sich zu einigen. Türkspor sei für Transparenz und wolle sämtliche Unterlagen offen legen. „Alle andere Nutzer haben das akzeptiert“, so das Vorstandsmitglied. Wenn der VfL das Kurparkstadion nicht mehr nutzt, muss sich Türkspor um andere Vereine kümmern, um die Kosten decken zu können. Meddewade habe zwei Traningszeiten zu den bekannten Konditionen gebucht.

Für Görkhan Akdemir steckt hinter den Vorwürfen des großen Vereins System: „Es ist Taktik vom VfL, um uns ausbluten zu lassen. Die hoffen, dass wir die Flinte ins Korn werfen.“ Rädischs Ankündigung, Mannschaften abmelden zu müssen, quittiert er mit einem breiten Grinsen. „Ich lade alle Mannschaften ein, zu uns zu kommen. Wir haben Platz.“

Tassilo von Bary machte deutlich, dass Türkspor einen Wirtschaftsplan vorgelegt habe, gegen den es keine Einwände gab. „Sonst hätte ich meinen Finger erhoben“, so der Bürgermeister: „Der VfL ist immer noch sauer, dass er den Kurpark nicht bekommen hat.“

 

zur Startseite

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 29.Nov.2014 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen