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Cyberkriminalität : Oldesloer Hacker steht vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

21-Jähriger muss sich in Ahrensburg wegen 207 Straftaten verantworten – der verursachte Gesamtschaden wird auf 30 000 Euro oder mehr geschätzt.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2014 | 12:46 Uhr

Pascal T. (Name geändert) muss sich seit gestern wegen 207 Straftaten vor dem Jugendschöffengericht Ahrensburg verantworten. Allein das Verlesen der Anklage dauerte anderthalb Stunden. Der 21-Jährige, der zuletzt in Bad Oldesloe wohnte, hat sensible Computerdaten ausgespäht und für so genannte Pishing-Attacken genutzt. Dabei werden über präparierte Anhänge Schadprogramme auf Rechner eingeschleust, die Passwörter und Kontoverbindungen ausspionieren. Auch Datenbanken von Firmen wurden entwendet. Pascal T. bot gegen Vorkasse auch Waren an, die nie geliefert wurden. Das Geld wurde auf Konten geleitet, die er mit fingierten Ausweiskopien eröffnet hatte. Den Gesamtschaden schätzt Staatsanwalt Dr. Jens Buscher auf 30 000 Euro, er kann aber durchaus höher liegen.

Der Angeklagte war bereits zweimal ins Visier der Polizei geraten. „Wir erhielten schon 2011 einen Hinweis vom BKA“, sagte ein LKA-Beamter aus. Damals wurde die Computeradresse von T.’s Stiefvaters entdeckt. Die Ermittlungen verliefen im Sande. Bei einer zweiten Durchsuchung ein Jahr später war Pascal T.s Computer ausgeschaltet, der raffiniert verschlüsselt war.

Erst bei der dritten Durchsuchung war die Polizei erfolgreich. „Spezialkräfte haben die Tür schlagartig geöffnet, um ein Ausschalten des Computers zu verhindern“, sagte der Kripobeamte. Von der Datenmenge sei er erschlagen gewesen: Ich habe zum Kopieren zehn Stunden gebraucht.“ Nur weil T. einen Flug buchte und telefonisch bestätigte, kam die Polizei an seine Nummer.

Bei der Durchsuchung fand sich umfangreiches Beweismaterial: Kopien von Ausweisen, Chat-Protokolle, Handys und SIM-Karten. Mit den gestohlenen Kreditkarten-Daten kaufte T. fleißig ein, über Glücksspiel-Plattform transferierte er Geld auf eigene Konten.

T. hackte sich auch in Datenbanken von Firmen und kopierte vertrauliche Kundendaten, bei einem Unternehmen für IT-Sicherheit waren es 115 000 Datensätze. „Der Schaden war immens, die Mitarbeiter mussten monatelang daran arbeiten“, so der Kripobeamte. Auch viele Kunden waren betroffen und entsprechend verärgert.

In der Hacker-Szene hatte sich T. einen Namen gemacht. Er hatte auch ein Bot-Netz aufgebaut, mit dem er tausende PC „fernsteuern“ konnte. Rechner werden mit Anfragen überflutet, bis sie zusammenbrechen. Anschließend können sie als „Zombies“ benutzt werden, um wieder andere PCs mit Schad-Mails zu bombardieren. Die E-Mails waren perfekt gestaltet, sogar mit persönlicher Anrede. „So bin ich durch die Spam-Filter gekommen“, sagte T. Wer auf einen den Anhang klickte, hatte den Trojaner schon auf dem Rechner und wurde ausgespäht. Seine Dienste zum Verbreiten von Schad-Programmen bot er auch in Foren an. „Hat die Polizei keinen Zugriff“, wunderte sich Richter Ulf Thiele. „Die Domains sind auf den Seychellen oder sonstwo“, sagte T., „die Server befinden sich oft in Osteuropa.“

Der Oldesloer veröffentlichte auch private E-Mails, darunter war die Kommunikation einer Frau mit ihrem Liebhaber. „Sie wurde später erpresst“, so der Staatsanwalt.


 

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