Bad Oldesloe : Ohne Notruf kein Fahrstuhl

Der rückwärtige Zugang zum Oldesloer Bahnhof. Ob der Fahrstuhl mal funktioniert, erfahren Behinderte erst vor Ort.  Fotos: Olbertz
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Der rückwärtige Zugang zum Oldesloer Bahnhof. Ob der Fahrstuhl mal funktioniert, erfahren Behinderte erst vor Ort.

Am hinteren Aufzug im Oldesloer Bahnhof wird harsche Kritik geäußert: Er muss oft abgeschaltet werden, weil die Notrufleitung gekappt wird.

Andreas Olbertz. von
18. Mai 2018, 06:00 Uhr

Da kann man sich als Betroffener wohl nur die Haare raufen. „Immer wieder geht der hintere Fahrstuhl am Oldesloer Bahnhof nicht“, beschwerte sich eine Bürgerin bei der ÖPNV-Veranstaltung im Bürgerhaus (wir berichteten). Eigentlich sollte es nur um Busse gehen, doch das Thema brannte einigen auf den Nägeln.

Wie Bauamtsleiter Thilo Scheuber aufklärte, sei der Fahrstuhl in der Regel eigentlich nicht kaputt. Er müsse vielmehr gesperrt werden, weil der Notruf nicht funktioniere. Zu dem Aufzug gibt es eine Vorgeschichte. Als der Bahnhof seinerzeit umgebaut wurde, hatte die Bahn an der Rückseite keinen Lift vorgesehen – der am Vordereingang müsse reichen. Das sah man bei der Stadt damals anders, wollte Barrierefreiheit auch für diejenigen Nutzer, die den Bahnhof von hinten ansteuern. Deshalb wurde der Fahrstuhl als freiwillige Leistung und auf Kosten der Stadt installiert.

„Wir müssen sicherstellen, dass der Notruf funktioniert. Und wenn überraschend der Vertrag gekündigt wird oder die Leitung abgestellt wird, müssen wir den Fahrstuhl deshalb sperren“, machte Scheuber deutlich: „Stellen Sie sich mal vor, Sie bleiben außerhalb der Dienstzeiten stecken. Dann finden wir Sie erst am nächsten Morgen.“

Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass vermutlich immer mal wieder ein Controller bei der Bahn feststelle, dass für nur drei Fahrstühle vier Leitungen betrieben würden und diese dann kappen lasse. Was dann die entsprechenden Konsequenzen zur Folge habe. Bis die Leitung dann wieder geschaltet werde, vergehe halt eine gewisse Zeit.

Wie Rollstuhlfahrer Klaus Efers erklärte, gibt es für solche Fälle die App „Bahnhof Live“ der Bundesbahn. Dort wird in Echtzeit eigentlich über Situation und Ausstattung jedes Bahnhofs informiert. Menschen wie er, die auf solche Informationen angewiesen seien, könnten sich so informieren, ob die Fahrstühle an einem Bahnhof, die ja Barrierefreiheit garantieren sollen, auch wirklich funktionieren – zumindest theoretisch. Dumm nur, dass der hintere Oldesloer Fahrstuhl in dieser App nicht auftaucht. Und wenn dann, wie gestern Mittag leider passiert, der vordere Fahrstuhl zwar defekt ist, repariert wird, aber in der App als „in Betrieb“ angezeigt wird, hat man als Rollstuhlfahrer extrem schlechte Karten, seinen Zug pünktlich zu erreichen.

Die Bahn sah sich gestern außerstande, zu dem Problemen Stellung zu beziehen.

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