Kita Brummkreisel : Ohne Krippenplatz ist der Job in Gefahr

Das Lachen fällt schwer: Die berufliche Existenz von Kathrin John hängt von einem Krippenplatz ab. Den Hickhack um den neuen Brummkreisel verstehen sie und ihre Töchter Josephine und Paula nicht. Foto: Olbertz
1 von 2
Das Lachen fällt schwer: Die berufliche Existenz von Kathrin John hängt von einem Krippenplatz ab. Den Hickhack um den neuen Brummkreisel verstehen sie und ihre Töchter Josephine und Paula nicht. Foto: Olbertz

Das Durcheinander um die Kita Brummkreisel trifft 20 Familien. Kathrin John hat eine Krebserkrankung überstanden - aber keine Betreuung für ihre Kinder.

Avatar_shz von
27. Juni 2013, 08:45 Uhr

Bad Oldesloe | "Die Situation ist Kacke!" Für Kathrin John gibt es da nichts zu beschönigen. Die Oldesloerin ist eine der 20 Brummkreisel-Mütter. Sie hatte eine Zusage der Lebenshilfe für einen Krippenplatz, doch noch bevor es losgehen konnte, hat sie auch schon wieder eine Kündigung. Da sich Stadt und Lebenshilfe bislang nicht auf einen Betreibervertrag einigen konnten, sieht es momentan so aus, als würde der 2,1-Millionen-Euro-Neubau neben dem Schwimmbad nicht wie geplant zum 1. August eröffnen, sondern leer stehen. Für all jene Eltern, die sich auf die Zusage der Lebenshilfe verlassen hatten, ist das eine mittelschwere Katastrophe.
Das Leben von Kathrin John wird momentan gehörig durchgewirbelt. Die 37-Jährige hat zwei Kinder. "Zehn Monate habe ich mich durch eine Krebserkrankung gekämpft. Jetzt sollte es ein Stück weit eine Rückkehr zum normalen Leben sein", erzählt sie. Eine Verlängerung ihrer Elternzeit kommt für sie nicht in Frage: "Unsere Reserven sind alle aufgebraucht. Ich habe ja nur noch Krankengeld bekommen." Glücklicherweise hat sie einen Job gefunden. Zum 1. August soll sie wieder eine Arbeitsstelle als Chemielaborantin antreten. Job hat geklappt, Krippenplatz hat geklappt - alles wird gut, dachte Kathrin John. "Der Termin für den Einführungs-Elternabend war lange geplant", blickt die zweifache Mutter auf die vergangene Woche zurück: "Aber dann kam alles ganz anders." Für sie brach eine Welt zusammen.

Lebenshilfe will Vertrag nicht akzeptieren

Ähnlich sei es bei ihrer Tochter gewesen. Die dreieinhalbjährige Josephine besucht schon den Brummkreisel. "Der Kindergarten zieht bald um", erzählt die Kleine stolz: "Und dann kann auch Pauline mitkommen." Dass es auch anders kommen könnte, hat die Kleine noch nicht ganz realisiert.
Weil die Lebenshilfe die von den Stadtverordneten beschlossenen Vertragsdetails nicht akzeptieren wollte, stehen jetzt die Eltern von 20 Krippen-Kindern vor dem Nichts. "Ich kann mich doch nicht darauf verlassen, dass bei der nächsten Abstimmung was anderes raus kommt", klagt Kathrin John. Sie spielt darauf an, dass am Mittwoch, 10. Juli, eine Sondersitzung der Stadtverordneten stattfinden soll. Sie braucht eine verlässliche Lösung. Kathrin John: "Meine Familie wohnt 500 Kilometer weg, ich kann meine Kindern nicht mal eben zur Oma bringen. Es gibt doch von niemandem Hilfe."

Kreis will sich nicht einmischen

Beim Kreis, eigentlich zuständig in Sachen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, zuckt man mit den Schultern. Jugendamtsleiter Wilhelm Hegermann schiebt den Schwarzen Peter weiter: "Die betroffenen Eltern sollten das Gespräch mit der Stadt suchen. Die Kommune wird schon ein Interesse haben, das zu lösen. Wir werden nur in Einzelfällen tätig werden." Der Kreis haben jedenfalls keine Kontingente, auf die er zurückgreifen könnte.
"Die Lage unter den Eltern ist angespannt", hat auch Max Paatz, Elternvertreter im Brummkreisel, mitbekommen: "Wir haben gedacht, es ist alles unter Dach und Fach. Wir wurden im Glauben gelassen, es ist alles in trockenen Tüchern. Im Vorwege ist nichts durchgedrungen, dass es Probleme gibt. Das stößt mir sauer auf." Er weißt darauf hin, dass es nicht nur Probleme für die 20 zukünftigen Krippeneltern gibt. Paatz: "80 Kinder wissen seit Monaten, dass sie umziehen werden und das neue Kinder dazukommen werden." Das alte Gebäude sei zwar Grundsätzlich nutzbar, aber in einem katastrophalen Zustand und auch das Außengelände mehr als problematisch.

Kompromissvorschlag erarbeitet

Hinter den Kulissen glühen offensichtlich die Drähte, es werden jede Menge Gespräche geführt. SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann berichtet auf Facebook von einem Gespräch mit Krippeneltern, das sehr konstruktiv und sachlich verlaufen sei. Weil Kinder und Eltern nicht unter der momentanen Situation leiden sollen, ist in der Runde ein Kompromissvorschlag erarbeitet worden: Im ersten Jahr gelten die Konditionen der Lebenshilfe, die eigentlich mehrheitlich verworfen waren. Danach wird dem Brummkreisel das Budget bezahlt, welches auch die anderen Einrichtungen bekommen. "Das ist ein gutes Angebot", findet Elternvertreter Paatz.
Ob dieser Vorschlag eine Mehrheit findet und von der Lebenshilfe angenommen wird, ist fraglich, denn quasi zeitgleich hatte die CDU die anderen Parteien zu einer Informationsrunde eingeladen. "Die Diskussion ist noch im Fluss, es gibt noch kein Ergebnis", berichtet Grünen-Fraktionsvorsitzender Wilfried Janson. Er räumt allerdings ein: "So wie es von der Lebenshilfe dargestellt wurde, scheint es schlüssig zu sein. Aber es kann natürlich viel erzählt werden, das müssen wir erst noch überprüfen."

"Es ist alles im Fluss"

Horst Möller, Vorsitzender der CDU-Fraktion, ist einen Schritt weiter: "Ich habe jetzt die Förderzusammenhänge begriffen. Der Brummkreisel ist definitiv nicht teurer, der Weg, die Zuschüsse runter zu schneiden, ist falsch. Die Budgetierung kann nicht 1:1 übertragen werden." Vor dem Gespräch habe er inhaltlich noch geschwommen, das sie nun vorbei. Das klingt nach einer Zustimmung zu den Forderungen der Lebenshilfe. Das wollen die Grünen so nicht unterschreiben. "Wir wollen, dass der Träger übernimmt, aber trotzdem eine Gleichbehandlung aller Kitas", formuliert es Janson: "Es ist alles im Fluss, aber wir bemühen uns, dass bis zum 10. Juli eine Lösung steht."
Klarheit könnte eine weitere Gesprächsrunde bringen, an der auch Experten der Koordinierungsstelle für soziale Angelegenheiten (Kosoz) teilnehmen sollen. "Die werden uns Rede und Antwort stehen", so Janson. "Ich hoffe, dass dann endgültige Erhellung da sein wird, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen