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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 22:51 Uhr

Delingsdorf : Ohne Erntehelfer geht es nicht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Enno Glantz vom gleichnamigen Erdbeerhof kritisiert die Pläne für einen Mindestlohn für Saisonarbeiter. Er beschäftigt rund 1500 Erdbeerpflücker und Verkäufer.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 13:13 Uhr

Viel Stress hatten die Mitarbeiter des Erdbeerhofs Glantz gestern. „Es ist Nachtfrost angekündigt, deshalb müssen wir die Pflanzen mit einem Vlies abdecken“, sagte der Inhaber Enno Glantz. Wegen des milden Winters und warmen Tagen im April beginnt die Ernte jetzt gut zwei Wochen früher als im vergangenen Jahr.

Die Pflücker beschäftigen Enno Glantz in diesen Tagen sehr. Es geht ihm um den flächendeckenden Mindestlohn, über den die Bundesregierung zurzeit berät. „Mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde brutto können die Betriebe leben“, sagt Glantz. Das auch für die Saisonarbeiter einzuführen, sei aber kontraproduktiv.

„Sie erhalten zurzeit sechs Euro pro Stunde netto und einen Leistungsbonus und sind damit zufrieden“, sagt Glantz. Bei 8,50 brutto hätten sie unter dem Strich sogar weniger, nach Abzug von Sozialabgaben sogar weniger als die bisherigen sechs Euro. „Wir beschäftigen Saisonarbeiter aus Polen, Rumänien und Bulgarien“, sagt er, „sie dürfen nur 60 Tage im Jahr arbeiten und reisen dann wieder ab.“ Alle seien in ihren Heimatländern schon sozialversichert. „Es sind Studenten, Schüler, Hausfrauen und Rentner, die den Nebenverdienst nutzen.“ Arbeitslose seien nicht darunter.

Bis zu 1500 Saisonarbeiter beschäftigt der Erdbeerhof insgesamt, viele sind auf dem zweiten Hof im mecklenburgischen Hohen Wieschendorf tätig. „Die Hälfte arbeitet als Pflücker, die anderen an den Verkaufsstelle“, so Glantz. In der Region Hamburg sind das 165 Stände, die in zwei Schichten täglich bedient werden. 80 Prozent der Ernte wird so direkt vermarktet. Erdbeeren seien ein Tagesprodukt, das möglichst frisch auf den Markt kommen müsse.

Ein sozialversicherungspflichtiger Mindestlohn bedeute für die Betriebe Mehrkosten von 40 Prozent, das sei für viele nicht tragbar. Auch die Verbraucher würden entsprechende Preiserhöhungen nicht akzeptieren. Dazu kämen noch die möglichen Probleme mit der ausländischen Sozial-Bürokratie und den rechtlichen Regelungen dort. „Es wird in diesem Fall erhebliche Turbulenzen geben, der soziale Friede würde gestört“, sagt Glantz voraus, der in dieser Sache auch mit den Bundestagsabgeordneten aus der Region gesprochen und auch an die Kanzlerin geschrieben hat. Ohne die Erntehelfer gehe es nicht, die zu 95 Prozent aus dem Ausland kommen. Einheimische seien für diese Arbeit kaum zu gewinnen. Glantz hofft, dass das Arbeitsministerium eine tragfähige Lösung findet. Von einem Brutto-Mindestlohn haben weder die Pflücker noch der deutsche Staat Vorteile.“

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