Offener Garten: Treten Sie ein!

Der Garten für die Sinne auf dem Gelände des Heinrich Sengelmann Krankenhauses ist 3000 Quadratmeter groß.
Foto:
Der Garten für die Sinne auf dem Gelände des Heinrich Sengelmann Krankenhauses ist 3000 Quadratmeter groß.

Blumen statt Pillen / Heinrich Sengelmann Krankenhaus als einzige Klinik wieder dabei / Ein Ort der Entspannung

shz.de von
11. Juni 2014, 10:31 Uhr

Nächstes Wochenende zieht sich wieder ein grüner Faden durch Schleswig-Holstein und Hamburg: 239 Gärten sind am Sonnabend und Sonntag für „Sehleute“ geöffnet. Im Kreis Stormarn können Blumen- und Pflanzenfreunde an 15 Standorten Natur pur erleben. Aber nicht nur Privatleute (siehe unten) öffnen ihre Pforten. Auch ein Krankenhaus ist wieder mit von der Partie.

Als einzige Klinik beteiligt sich das Heinrich Sengelmann Krankenhaus (HSK) auch in diesem Jahr wieder an der Aktion „Offener Garten“ und präsentiert am 21. und 22. Juni von 11 bis 17 Uhr seinen Geontogarten.

Der Garten für die Sinne in Bargfeld-Stegen, Kayhuder Straße 65, ist der größte Garten seiner Art in Schleswig-Holstein, der an dem Aktionswochenende seine Türen für Besucher öffnet. Aber nicht nur wegen seiner Größe ist der Gerontogarten im HSK etwas ganz Besonderes: dieser Garten erweitert die Räume der Station für Gerontopsychiatrie in die Natur hinein. Auf 3000 Quadratmetern können die Patienten – ältere Menschen mit seelischen und dementiellen Erkrankungen – die Natur mit allen Sinnen erfahren.

Bei Demenzpatienten kommt es häufig vor, dass das unmittelbare Erleben von Gerüchen und Farben Erinnerungen weckt – sie fühlen sich wohl in der Geborgenheit bekannter Gefühle. Daher sind die Beete und Rabatten so angelegt, dass zu jeder Jahreszeit etwas blüht, leuchtet oder duftet. Aromen und Naturgeräusche regen an und bauen Stress ab. Patienten können die Natur ertasten, an Blumen riechen und Obst schmecken. Ein barrierefreier Rundgang ohne Sackgassen und Kreuzungen schafft Orientierung und kommt gerade demenzkranken Menschen entgegen. Die Gartenanlage bietet Patienten einen geschützten Raum, in dem sie sich selbstständig und dennoch sicher bewegen können. Demenzerkrankte leiden häufig unter Bewegungsdrang, dem sie im Gerontogarten gefahrlos nachgeben können. Der Heilungsprozess der Menschen kann dadurch unterstützt und gefördert werden. „Die positive Wirkung auf die Sinne führt bei einigen Patienten dazu, dass wir weniger Medikamente geben können“, erklärt der zuständige Oberarzt Dr. Florian Gal. Außerdem bietet die Anlage Platz für geselliges Beisammensein mit Mitpatienten, Gästen, Familienmitgliedern.

Der Garten für die Sinne ist ein anspruchsvolles Projekt, das nur durch finanzielle Unterstützung realisiert und gepflegt werden kann. Jede Summe hilft, die Anlage weiter auszubauen, zu erhalten. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann am Tag des offenen Gartens die aufgestellten Spendenboxen nutzen. Für Interessierte gibt es außerhalb des Tags der offenen Gartens die Möglichkeit, sich den Garten für die Sinne anzuschauen und sich über das Konzept zu informieren.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen