zur Navigation springen

IHK Lübeck : Nur der Fachkräftemangel stört

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die IHK zu Lübeck blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. 2017 stehen Existenzgründung und Unternehmensnachfolge im Fokus.

Auch wenn 2016 in vielerlei Hinsicht ein Krisenjahr war, für die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck brachte das Jahr ein paar gute Nachrichten. Das hängt vor allem mit dem Bundesverkehrswegeplan zusammen. „Unsere Hartnäckigkeit hat Früchte getragen“, kommentiert der stellvertretende IHK-Geschäftsführer, Rüdiger Schacht, die Aufnahme des Elbe-Lübeck-Kanals und der A  21 in den vordringlichen Bedarf.

Zwischen dem Kreuz Bargteheide und der A  24 soll die B  404 zur Autobahn ausgebaut werden. Der Weiterbau gen Süden über die Elbe steht „immerhin im weiteren Bedarf“, so Schacht: „Da sehen wir uns weiterhin gefordert.“ Schließlich habe man auch „viele Jahrzehnte für den Ausbau des Kanals gekämpft“, der mit geschätzten Kosten von mehr als 800 Millionen Euro in der Kritik steht, weil dort kaum Waren transportiert werden.

„Der Kanal verbindet Lübeck als größten Ostseehafen mit den Binnengewässern“, so Schacht, der überzeugt ist, dass die Wasserverbindung genutzt wird, wenn Kanal und Schleusen groß und tief genug für die heutigen Schiffe sind.

Mit den Einstufungen der regionalen Schienenprojekte als weiteren Bedarf ist man bei der IHK weniger zufrieden. Der Verbindung von Lübeck nach Schwerin mit einer Umfahrung von Bad Kleinen sei nicht nur für Pendler wichtig, sondern sei auch eine Alternative für Fahrten nach Berlin, die dann nicht mehr alle über Hamburg gehen müssten.

Unter dem Strich überwiegt aber die Zufriedenheit. Der neue Verkehrswegeplan sei eine Bekenntnis des Bundes zur Aufwertung der Infrastruktur im Norden, so Hauptgeschäftsführer Lars Schöning: „Das ist ein großer Gewinn für die Metropolregion Hamburg.“ Daraus sowie aus den guten Wirtschaftsdaten, dem Konsumklima und den Arbeitslosenzahlen speist sich auch der „vorsichtige Optimismus“ bei den Unternehmen, so IHK-Präses Friederike C. Kühn. Der Konjunkturklimaindex hat sich mit 112 Punkten etwas aufgehellt, liegt aber niedriger als vor einem Jahr. Für Präses Kühn nicht verwunderlich angesichts der Unsicherheiten von Eurokrise bis Brexit und den US-Wahlen. Die Wirtschaft im Norden habe sich aber als „robust“ erwiesen und die Unternehmen Geschäftsmodelle entwickelt, „die auch in schwierigen Zeiten eine relativ stabile Auftragslage sichern.“

Das zeigt sich auch in den Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen. Im IHK-Bezirk, zu dem Lübeck, Stormarn, Segeberg und Ostholstein gehören, entstanden rund 6000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, ein Plus von zwei Prozent. Die größten Steigerungen gab es in den Bereichen Handel, Dienstleistungen und Tourismus, der sich besonders gut entwickelte. Bei der Arbeitslosenzahl lieg seit Jahrzehnten Stormarn mit 3,4 Prozent (November) vorn.

Die Kehrseite der Medaille ist der Fachkräftemangel. „Neue Mitarbeiter zu finden ist fast aussichtslos. Das weiß ich leider aus eigener Erfahrung“, sagt Friederike C. Kühn, die eine Werbefirma in Bargteheide hat. Auch beim Nachwuchs würde die Wirtschaft noch mehr ausbilden, wenn man genügend geeignete Bewerber finden würde, so Schöning. Die Zahl der Ausbildungsverträge ist im IHK-Bezirk nochmal um zwei Prozent auf 3960 gestiegen, „da der doppelte Abiturjahrgang mehr Schulabgänger hervorbrachte“, so Schöning.

Den Effekt werde man auch im nächsten Jahr noch bemerken, ab 2018 rechnet der Hauptgeschäftsführer aber mit deutlich weniger Bewerbern. „Vor einigen Jahren sind wir noch in die Unternehmen gegangen, um für Lehrstellen zu werben, jetzt gehen wir in die Schulen, um die Jugendlichen in die Betriebe einzuladen“, sagt Schöning. Die Aktion fand in diesem Jahr erstmals in Lübeck satt und soll wiederholt und ausgebaut werden. Weitere Schwerpunkte für 2017 sind die Themen Digitalisierung, Unternehmensnachfolge und Existenzgründung. „Bundesweit nimmt das Interesse an Gründungen ab. Wir stemmen uns gegen den Trend“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Nils Thoralf Jarck, der die Geschäftsstelle Ahrensburg leitet. An den Infotagen haben sich mehr als 400 Frauen und Männer beraten lassen, 66 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Plus von 15 Prozent gab es auch bei den Beratungsgesprächen. „Wir wollen das Feuer entfachen für Unternehmertum“, sagt Präses Kühn. „Mein Unternehmen Zukunft“ heißt eine Kampagne, die auf fünf Jahre angelegt ist und Mitte Januar vorgestellt wird.

Jarck kümmert sich auch um die Datenbank für Unternehmensnachfolge: „Wir haben mittlerweile 60 Personen, die suchen und 40 Chefs, die ihre Firma abgeben wollen.“ Zudem geht die IHK mittlerweile auch an die Fachhochschule, „um das Thema in die Köpfe zu bringen“, so Jarck. Der Nachfolge-Workshop an der FH Lübeck soll nicht der letzte gewesen sein. Und die Berufsakademie soll zu einer Fachhochschule aufgewertet werden. Mit dem Bachelor-Abschluss möchte man die duale Ausbildung attraktiver machen.

zur Startseite

von
erstellt am 29.Dez.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen