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Kältehölle : „Normalität kehrt langsam zurück“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Familie Kösling-Schröder zog es vor sieben Jahren von Bad Oldesloe nach Chicago – und erlebt dort jetzt den schweren Eiswinter. Das Thermometer sinkt auf ungeahnte Minusgrade, Schulen schließen, Flüge fallen aus.

Vor sieben Jahren war die Familie Kösling-Schröder von Bad Oldesloe nach Chicago gegangen. Zunächst aus beruflichen Gründen, weil Rüdiger Schröder von Hako zum Geschäftsführer der US-Tochter gemacht worden war. Als das Engagement endete, entschied sich die Familie dafür, in den USA, genauer gesagt im Chicagoer Vorort Wheaton, zu bleiben. Der ältere Sohn arbeitet in den USA, die Tochter hat gerade ein Bachelor-Studium abgeschlossen. Rüdiger Schröder arbeitet mittlerweile für einen deutschen Konzern in Indien, war über Weihnachten und den Jahreswechsel aber in Chicago und damit auch im Griff der Kälte.

An solche Situationen sind die ehemaligen Oldesloer nach sieben Jahren aber gewöhnt, wie Sabine Kösling-Schröder berichtet: „Nachdem wir seit Silvester kontinuierlichen Schneefall hatten, kündigten die Medien eine Kältewelle wie seit Jahren nicht mehr an. Die Stadt Wheaton schickte eine E-Mail an alle Haushalte, wie wir uns zu verhalten haben. Die Bewohner sollten daran denken, die Hydranten freizuhalten. Alle Autos mussten in den Einfahrten geparkt werden, damit die Schneepflüge fahren konnten. Wer unbedingt mit dem Auto fahren musste, sollte Decken, Mäntel, Hüte und Handschuhe mitnehmen. Bei Stromausfällen, die hier häufiger vorkommen, steht die Bücherei als Notunterkunft zur Verfügung.

Diese Ratschläge – das haben wir gelernt – sollten ernst genommen werden. Und mit stoischer Ruhe halten sich die Amerikaner auch daran. Als ehemalige Oldesloer Stadtverordnete bin ich immer wieder überrascht, wie glimpflich und organisiert hier alles abläuft. Durch vorherige Unwetter wissen wir mittlerweile, was vorher zu erledigen ist. So wurden unsere batteriebetriebenen Laternen und der Generator, der beim Stromausfall zum Einsatz kommt, überprüft.

Wir waren also gewappnet. Am Montagmorgen zeigte unser Thermometer Minus 34 Grad Celsius an. Uns hielt es nicht davon ab frische Brötchen zu holen. Doch die großen Straßen waren ziemlich leer, der Schulbetrieb Tage eingestellt. Auch Firmen ließen ihre Mitarbeiter von zu Hause arbeiten. Meine Familie und ich genossen das Frühstück und einem sagenhaften Ausblick: viel Schnee und die Sonne am strahlend blauen Himmel.

Wie kalt es wirklich war, merkte ich (leider noch immer Raucher), als ich mir eine Zigarette auf der Terrasse ansteckte. In Deutschland hatte ich mich immer über meine Mutter lustig gemacht, wenn sie eine Mütze aufsetzte. Nun stand ich draußen tief eingemummt in Mantel, Mütze, Schal und mehr, um meiner Sucht nachzukommen. Mein Zigarettenkonsum ging deutlich zurück. Auch unser Hund ,Bounty’ wollte schon nach wenigen Minuten wieder in die Wohnung.

Rüdiger hatte für den Nachmittag einen Flug von Chicago über Wien nach Delhi gebucht. Unser Sohn Jan brachte ihn zum Flughafen. Die Autobahnen waren geräumt, auch wenn bei diesen Temperaturen kein Salz eingesetzt werden kann. Auf dem Flughafen herrschte Chaos. Die Inlandsflüge waren gestrichen, der Überseeflug aber sollte pünktlich abheben. Eigentlich. Beim Be- und Entladen des Flugzeugs gab es Probleme. Die Flughafenmitarbeiter durften nur für 15 Minuten in der eisigen Kälte arbeiten. Länger hielt es niemand draußen aus. Nach vier Stunden im Flugzeug erklärte der Pilot schließlich, dass die Maschine erst am nächsten Tag Richtung Europa abheben werde.

Es ist immer noch eisig, doch die Normalität kehrt langsam zurück. Eigentlich setzt der Winter erst jetzt richtig ein. In den Vorgärten haben sich große Schneeberge aufgetürmt, und für das Wochenende ist weiterer Schneefall angesagt. Dann kommt unser Schneepflug wieder zum Einsatz. Langweilig wird es jedenfalls nicht.“

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erstellt am 09.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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