Nordtangente: Planungsstart nach kontroverser Debatte

Dieter Heidenreich   von der WAB wurde von Bürgervorsteher Werner Bandick (r.) mit der goldenen Medaille für 25-jährige Tätigkeit als Stadtverordneter ausgezeichnet.  Foto: Meier
Dieter Heidenreich von der WAB wurde von Bürgervorsteher Werner Bandick (r.) mit der goldenen Medaille für 25-jährige Tätigkeit als Stadtverordneter ausgezeichnet. Foto: Meier

Namentliche Abstimmung der Stadtverordneten/Diskussion mit Argumenten und Anfeindungen

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25. Mai 2011, 07:15 Uhr

Ahrensburg | Der entscheidende Schritt für eine Nordtangente ist nach Jahren getan. Die Stadtverordneten beschlossen am Montagabend in namentlicher Abstimmung, das Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Zuvor hatte es noch mal eine kontroverse Diskussion gegeben. Der Riss ging auch durch die CDU-Fraktion. Zwei Christdemokraten stimmten mit WAB und Grünen gegen die Entlastungsstraße.

150 Besucher wollten die Debatte verfolgen. Platz und Stühle im Marstall reichten dafür nicht aus, so dass auch das Foyer in Beschlag genommen werden musste. Gegner und Befürworter einer Nordtangente meldeten sich erwatzungsgemäß auch in der Fragestunde zu Wort.

Für einen "gepflegten Umgang in sachlicher Atmosphäre" warb Bürgermeister Michael Sarach: "Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass einzelne Stadtverordnete Politik für ihr Klientel betreiben." Doch das war vergeblich, es gab persönliche Anwürfe, namentlich gegen CDU-Fraktionschef Tobias Koch. Er habe Andersdenkende in den eigenen Reihen nicht zu der Sitzung erscheinen lassen, warf ihm Karen Schmick (WAB) vor. Ob er denn wohl auch die ebenfalls nicht anwesenden Vertreter der FDP und SPD nach Hause geschickt habe, konterte Koch später ironisch.

Die Gegner hoben hervor, es werde nur eine teilweise Verlagerung des Verkehrs geben. "70 Prozent der Autofahrer werden weiterhin die Lübecker Straße benutzen", sagte Jörg Hansen von den Grünen. Es würden 9500 Quadratmeter Kulturlandschaft zugebaut und ein städtisches "Filet-Grundstück" am Kornkamp zerschnitten. Das hätte bei einem Verkauf 1,3 Millionen Euro gebracht: "Sie machen damit aus einem Filetstück ein Gulasch."

Bürgermeister Sarach betonte gestern, dass die Flächen seinerzeit für die Entlastungsstraße gekauft worden seien und den Stadtverordneten bekannt sei, dass Clariant Interesse an dem Dreiecks-Grundstück habe, das durch den Bau der Nordtangente entstehe.

"Wir brauchen die Entlastungsstraße als ersten Baustein für ein großräumiges Verkehrskonzept, um einen Ring um die Stadt zu legen", sagte Raphael Haase von der SPD. Wichtig waren den Befürwortern auch die Fördermittel, die so nur noch bis 2013 fließen. Für Ahrensburg geht es dabei um rund vier Millionen Euro. Der städtische Anteil wird auf zwei Millionen Euro geschätzt.

Es werde auch später noch Förderprogramme geben, zeigte sich Hansen, überzeugt: "Zu diesem Zeitpunkt brauchen wir die Straße nicht." In Anspielung auf die Erhöhung der Kindergarten-Gebühren sprach er von einem finanzpolitischen Harakiri: "Sie verballern zwei Millionen Euro für eine Straße auf Pump von denen, die höhere Beiträge zahlen sollen."

Mit dem Beschluss zur Planfeststellung behalte die Stadt noch alle Optionen, so Carola Behr (CDU): "Es wird jetzt nur geprüft, was umsetzbar ist." Die Nordtangente sei nötig, um das Gewerbegebiet Beimoor-Süd besser zu erschließen und damit zusätzliche Einnahmen für die Stadt zu ermöglichen.

Koch warb zudem mit der Möglichkeit zu einer großen Lösung für die Verkehrsprobleme der Stadt: "Die Tangente wird über den Kornkamp zum Ostring fortgeführt. Von dort kann der Verkehr zur Autobahn oder über eine neue südliche Umgehungsstraße fließen." Für eine Südtangente könnten ebenfalls mehr Fördermittel eingeworben werden.

Das Verfahren sieht zunächst eine Prüfung der Varianten in dem festgelegten Korridor vor. Ob sie außerhalb dieses Korrodors näher ans Wohngebiet Gartenholz heranrückt, wie von Delingsdorf gewünscht, bleibt offen. Viel Sympathie gibt es dafür in Ahrensburg aber nicht. "Wir nehmen die Delingsdorfer Bedenken zur Kenntnis, teilen sie aber nicht", sagte Koch, "darüber wird noch zu verhandeln sein".

Der Untersuchungskorridor sei jedenfalls die Basis für die Verhandlungen mit Delingsdorf "und möglicherweise einen Gebietsänderungsvertrag", sagte Bürgervorsteher Werner Bandick. Planfeststellungsbehörde ist das Land.

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