Stormarner Wochenschau : „Nimm die nix för, denn sleit die nix fehl!“

sicherheit, megi balzer
Foto:

Kritische Betrachtungen zum Wochenausklang

shz.de von
28. Januar 2018, 06:00 Uhr

Verdacht

: Argumente für oder wider eine Sache lassen sich immer finden. Aber manch einer vergaloppiert sich so sehr in seinem Gedankengestrüpp, dass er Argumente für die andere Seite liefert, ohne es zu merken. Wie die Oldesloer Grünen. Die Partei, die Vorstellungen aus dem 20. Jahrhundert regelmäßig als antiquiert einstuft, will die Straßenausbaubeiträge behalten. Denn dass die aus dem 19. Jahrhundert stammten, sei kein Grund, sie abzuschaffen. Schließlich wissen die Grünen, wer vom Straßenausbau profitiert: Die Eigenheimbesitzer. Also sollen auch nur die zahlen. Rechtliche Grundlage für Ausbaubeiträge ist der Vorteil für den Anlieger, den der Gesetzgeber unterstellt. Im Gegensatz zur Grundsteuer können Beiträge aber nicht auf die Miete umgelegt werden. Deshalb profitiert nach grüner Logik zwar der Vermieter, von einer neuen Straße, selbst wenn er woanders wohnt, nicht aber der Mieter. Das sagen sie aber nicht, sondern kaprizieren sich lieber auf den Eigenheimbesitzer, obwohl sie genau wissen, dass fast alle Eigenheime selbst genutzt sind. Der Besitzer zahlt in jedem Fall, seien es Grundsteuern oder Beiträge.

Moral

: Erst hatten die Sozialdemokraten in Lütjensee verhindert, dass die AfD ihren Kreisparteitag in der Gaststätte Am Stadion abhalten konnte. Dass die Veranstaltung abgesagt wurde, scheint die Genossen Gegner dann aber enttäuscht zu haben. Es kam zwar kein AfDler mehr, aber sie luden zum „Parken gegen Rechts“ vor der Gaststätte ein, „um gemeinsam gegen die Politik der AfD zu protestieren“, so der Lütjenseer Kreistagskandidat Durmis Özen. Für eine Partei, die sich nicht von populistischen Meinungsträgern in ihren Reihen distanziere, sei kein Platz in Stormarn, sagt Özen. Das wirft allerdings Fragen auf. Wer entscheidet, was populistisch ist und von welchen Aussagen welcher Politiker sich wer und wie distanzieren muss? Muss man dafür bei der SPD anfragen oder soll es einen Meinungs-Tüv geben? Demokratie ist politische Auseinandersetzung mit Argumenten. Die müssen einem nicht gefallen, aber wenn sie falsch sind, kann man sie ja einfach widerlegen.

Wer stattdessen die Moralkeule schwingt und zu Boykott-Aktionen aufruft, mag glauben, sich auf dem Pfad der Gerechten zu befinden. Den Weg demokratischer Auseinandersetzung hat er aber schon verlassen.

Zugeparkt

: Die Mängel am und im Travebad sollen nun in der kommenden Woche abgearbeitet werden - die Nutzer können sich freuen. Bei den Übungsleitern der DLRG fallen die Freudensprünge darüber etwas kleiner aus. Wird ihr Parkproblem - auch sie dürfen nicht länger als drei Stunden auf dem Parkplatz vor dem Bad parken - nicht gelöst. Der Bürgermeister will dem Ausschuss nun schriftlich darlegen, warum es da keine Ausnahme geben kann. Schön wäre es doch, wenn die Verwaltung alles dafür tun würde, Dinge möglich zu machen und nicht ihre Energie dafür verschwendet, zu erklären, warum etwas nicht geht.

Risiko

: Wir leben in einer Vollkaskogesellschaft. Gegen jedes noch so kleine Risiko will man sich versichern, jedes noch so kleine Risiko ausschließen. In Bad Oldesloe müssen nun bei Aufführungen in städtischen Räumen – Kub, Stormarnhalle, Schulen – Veranstaltungstechniker dabei sein. Zu groß die Gefahr, dass andernfalls jemand von der Bühne stürzt, über ein Kabel stolpert oder gar ein Gerät benutzt wird, das aus dem privaten Bereich stammt! Natürlich müssen wir Gefahren begegnen, sie minimieren, aber wir sollten dabei weder den gesunden Menschenverstand noch die Eigenverantwortung außer acht lassen. Kinder, die jeden Tag zur Schule gebracht werden, können gar nicht lernen, sich im Straßenverkehr zu bewegen. Menschen, denen man jede Verantwortung abnimmt, verlernen es, Gefahren zu erkennen und zu vermeiden. Der Regulierungswut sei Dank! Unsere Karikaturistin hat da ihre eigene Meinung: Am besten gar nichts veranstalten, dann kann auch nichts passieren. Wie mein Opa immer sagte: „Nimm die nix för, denn sleit die nix fehl!“
zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen