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Stormarner Tageblatt

23. August 2017 | 02:59 Uhr

„Niemand wurde vertragsbrüchig“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach dem vorzeitigen Weggang von Ladenflächenmanager Pötzsch bleiben für die Oldesloer SPD viele Fragen offen

Ladenflächenmanager Stephan Pötzsch ist zwar längst nicht mehr in der Kreisstadt tätig, aber sein Ausscheiden hallt noch nach. Vier Monate früher als geplant hatte Pötzsch sich in Richtung Achim in Niedersachsen verabschiedet.

Für die Oldesloer SPD blieben Fragen offen: Im Hauptausschuss richteten sie diese an die Verwaltung, auch um zu klären, ob Bürgermeister Tassilo von Bary die Lokalpolitik getäuscht habe, als es um die Verlängerung von Pötzschs Vertrag ging. Im Rückblick sei fraglich, welche vertraglich vereinbarten Leistungen Stephan Pötzsch erbracht habe. Mit der schriftlichen Beantwortung der vorlegten Fragen durch Thilo Scheuber, Leiter des Bauamts, waren die Politiker nicht komplett zufrieden. „Die zwischen Herrn Pötzsch und der Stadt Bad Oldesloe vertraglich vereinbarten Leistungen sind grundsätzlich erbracht worden“, lautete eine Antwort. „Was heißt grundsätzlich? Und welche wurden denn nicht erbracht? Was bedeutet es, dass es jetzt an anderer Stelle heißt, der Vertrag sei nur ein Orientierungsrahmen“, hakte SPD-Fraktionsvositzende Maria Herrmann nach. Aber besonders die Antwort, dass „die Erstellung eines grundlegenden Marketingexposés“, das die Grundlage für die Akquise neuer Unternehmen werden sollte, „nicht abgefordert“ worden sei, führte zu fast schon wütenden Reaktionen bei den Sozialdemokraten. „Das war uns gegenüber als enorm wichtig dargestellt worden. Wieso hätte das extra abgefordert werden müssen?“, so Herrmann.

„Es scheint mir momentan ein wenig so zu sein, dass man hier Betrug und Täuschung ermöglichte. Wer betrogen werden will, wird betrogen“, wunderte sich auch Hendrik Holtz (Linke). Er wollte gerne prüfen lassen, inwiefern Pötzsch noch haftbar gemacht werden könne. Doch dafür fand er keine Mehrheit unter den Oldesloer Politikern. „Das Thema ist doch durch. Wir werden mit Forderungen keinen Erfolg haben und die Diskussionen bringen nichts“, meinte Hinrich Stange (FDP).

„Ich verstehe nicht, wo das genau hinführen soll“, fragte sich auch Karin Hoffmann (Grüne). Vor allem wegen der Insolvenz von Pötzschs MR Consultants sei nicht mit Rückzahlungen zu rechnen. Darum geht es den Sozialdemokraten auch nicht. „Warum hat man uns offensichtlich nicht komplett richtig informiert, sondern mal wieder Informationen ferngehalten, und warum hat Bürgermeister von Bary die wichtigen Leistungen nicht abgefordert? Er muss sich diese Fragen gefallen lassen, und wir müssen uns trauen, ihn zu hinterfragen“, so Herrmann.

Bürgermeister von Bary selbst zeigt sich nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub erstaunt. „Ich weiß nicht, was man damit meint. Allerdings versucht die Lokalpolitik ja gerne mal, mir etwas anzuhängen. Ich wüsste nicht, wie, warum und wann wir als Verwaltung die Lokalpolitik getäuscht haben sollen“, so von Bary. „Warum gewisse Dinge vielleicht nicht abgefordert wurden, müsste ich im Detail nachschauen. Aber das hatte mit Täuschung nichts zu tun, und niemand wurde vertragsbrüchig“, betont der Verwaltungschef.

Pötzsch selbst hatte bereits im Frühjahr am Rande der ersten Diskussion rund um die Trave-Arkaden nach einer Ausschusssitzung deutlich gemacht, dass die Zusammenarbeit mit der Verwaltung alles andere als positiv verlaufe. „Das geht nicht mehr lange gut“, prophezeite er. „Es gibt dort Leute, die kochen ihr eigenes Süppchen. Wenn man da mal etwas tiefer gräbt, wird man sehen, wo die Probleme wirklich liegen“, so Pötzsch. Wenig später wurde sein Vertrag aufgelöst – in beiderseitigem Einvernehmen.

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