Sexuelle Nötigung : Nichten: „Er war der Teddybär und der schreckliche Herr“

Ein 45-jähriger Ahrensburger wurde zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Er soll seine Nichten vor 15 Jahren sexuell genötigt haben.

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06. März 2014, 17:35 Uhr

Ahrensburg | Ein Jahr und zehn Monate Freiheitsstrafe hat Michael C. (Name geändert) gestern erhalten. Der 45-jährige Ahrensburger wurde der sexuellen Nötigung von Kindern und sexueller Nötigung für schuldig befunden. Die Strafe wird für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss Michael C. die Kosten des Verfahrens tragen, soweit er für schuldig befunden wurde. Außerdem muss er zwei Gespräche bei einer Sexual-Beratungsstelle führen. Dabei soll festgestellt werden, ob pädophile Neigungen vorhanden sind und ob eine Therapie angebracht ist.

Michael C. war vor dem Schöffengericht angeklagt, weil er zwei seiner Nichten sexuell belästigt hatte (wir berichteten). Die Aufklärung war schwierig, denn die Taten liegen bereits 15 Jahre und mehr zurück. Deshalb konnten sich die Nichten als Zeuginnen an viele Details zeitlich nicht mehr genau oder nur noch bruchstückhaft erinnern. An ihrer Glaubwürdigkeit hatte das Gericht aber keinen Zweifel.

Das Urteil bezieht sich nur auf zwei sexuell orientierte Taten, die hinreichend nachweisbar waren. Der Angeklagte wohnte zur Tatzeit bei seiner Schwester in einem Zimmer mit ihrem Sohn. Seine damals zehnjährige Schwester kam häufig hinzu und tobte dort mit ihrem Onkel auch auf dem Bett herum. „Dabei kam es zu Berührungen, die zu Begrabschungen wurden“, sagte Richter Ulf Thiele. Dann sei jede Grenze überschritten worden. Denn der Onkel entblößte sein erigiertes Glied und rieb es am Po der Zehnjährigen. Ihm musste klar sein, dass sie sein Tun nicht schön und eher schmerzhaft fand. Das Mädchen schwieg lange darüber, denn sie mochte ihren Onkel und konnte sich der Mutter nicht anvertrauen. „Auf der einen Seite war er für sie der schreckliche Herr, auf der anderen ihr Teddybär“, so Richter Ulf Thiele.

Die zweite Nichte war möglicherweise schon 14 Jahre alt, als sich der Onkel ihr näherte. Sie war in seinem Bett beim Fernsehen eingeschlafen, als er sich auf sie legte und versuchte, ihre Beine zu spreizen. Dann rieb er sein Genital an ihrem und hielt ihr dabei den Mund zu. Das Mädchen konnte sich befreien und lief aus dem Zimmer, der Angeklagte ließ sie dann in Ruhe. Die Frauen offenbarten sich erst im Jahr 2011 bei der Polizei, nachdem sie ihre Kindheitserlebnisse bei einer Grillparty ausgetauscht hatten. „Es waren erhebliche Straftaten mit schweren Folgen für die Lebensfreude der Opfer“, sagte der Richter. Ein Kind müsse durch solche Erlebnisse mit der Verwandtschaft massiv verunsichert sein, vor allem wenn es damit allein bleibe. Dass zu einer Vielzahl solcher Taten gekommen war, sei nicht auszuschließen.

Mildernd wurde berücksichtigt, dass der Angeklagte nicht zum Samenerguss gekommen war. Auch die späte Aufklärung und das bisher straffreie Leben wurden ins Urteil einbezogen.

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