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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 07:32 Uhr

"Nicht zu früh zu lange"

vom

Viktor Kirsch im Interview

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Itzehoe | Über die Fünf-Kilometer-Strecke war Viktor Kirsch (Foto) der schnellste Läufer beim Störlauf. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Hermann Schwichtenberg spricht er über seinen sportlichen Werdegang.

Vor zwei Jahren hat Sie im Kreis Steinburg niemand gekannt, und jetzt sind Sie Seriensieger und gehören zu den schnellsten Senioren in Schleswig-Holstein. Was hat dazu geführt?

Mein Leben wurde ohne Sport langweilig. Deshalb hatte ich bei einer Party mich und vier Bekannte motiviert, mit dem Sport zu beginnen. Andere sind in der Folgezeit abgesprungen, ich blieb dabei und bekam weiteren Geschmack. Doch irgendwie fehlte mir Adrenalin. Ein glücklicher Zufall war, dass ich Andreas Ehlers kennenlernte. Mit ihm habe ich dann systematisch trainiert. Während mich Andreas vor Ort unterstützt, mich motiviert, mir Tricks verrät und mir insgesamt eine große Hilfe ist, bekomme ich die Trainingspläne von Lutz Preußner, dem Trainer des Bundesspitzenläufers Sören Kah.

Sie haben großes Potenzial. Warum sind Sie so spät zum Steinburger Langlaufsport hinzugestoßen?

Ich komme aus Sibirien und bin seit 2000 in Deutschland. In den ersten Jahren musste ich mich erst einmal in dieses Land integrieren. Außerdem habe ich in dieser Zeit bis zu zehn Stunden täglich körperlich hart gearbeitet. Da war ich physisch nicht in der Lage, auch noch einem Sport nachzugehen. Aber vor sieben Jahren hatte ich endlich wieder eine Arbeit als Ingenieur gefunden. Da hätte sich Sport angeboten. Doch ich habe noch weitere vier Jahre gebraucht, um die ersten Schritte zu machen. Leider hatte ich in diesen Jahren auch nicht sportlich gelebt, und das Leben genossen. Rückblickend kann ich aber sagen: Ich genieße es mit Hilfe des Sports jetzt weitaus mehr als früher.

Was haben sie als junger Mensch sportlich gemacht?

Während der Schulzeit und im Studium in der Sowjetunion habe ich viel Sport betrieben, und ich bin in dieser Zeit viel kurze Strecken gelaufen - auf der Bahn 1500 Meter in 4:04 und 3000 Meter in 8:38 Minuten. Von dieser Schnelligkeit profitiere ich übrigens immer noch - auch bei meinem jetzigen zweimaligen Tempotraining pro Woche, das neben dem Ausdauertraining läuft.

Was raten Sie jungen Menschen, die eine Läuferkarriere starten wollen?

Wichtig sind mehrere Dinge: Man darf nicht zu früh ganz lange Strecken laufen, sondern es ist wichtig, neben der Ausdauer vordringlich die Schnelligkeit und die Tempohärte auszubilden. Das alles muss man unter der Anleitung eines fachlich guten Trainers machen, der darüber hinaus noch menschliche Qualitäten besitzt. Wichtig ist auch die Disziplin - ohne die geht es nicht: Wer sich bei schlechtem Wetter nur auf die Couch legt und dem inneren Schweinehund das Feld überlässt, während die anderen draußen trainieren, der verpasst den Anschluss und wird nie gewinnen. Was junge Menschen auch wissen müssen: Siegen ist nicht alles, denn das meiste lernt man aus seinen Niederlagen. Dann ist man gezwungen über die eigenen Defizite nachzudenken und darüber, wie sie ausgemerzt werden können. Es klingt kurios, aber es ist so: Erfolge allein machen schwach. Deshalb muss man als sieggewohnter Läufer auch dahin, wo starke Konkurrenz ist, die einen fordert.

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