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Stormarner Wochenschau : Nicht immer ist Kreativität gefragt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wenn jeder so könnte, wie er wollte, was dabei wohl herauskommen würde? Manchmal ist es vielleicht besser, das nicht zu wissen.

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erstellt am 14.Feb.2015 | 09:00 Uhr

Falsch programmiert

Ist eigentlich schon Wahlkampf? Manchmal kann man sich nur verwundert die Augen reiben, was so in den Oldesloer Ausschüssen passiert. Der Auftrag an die Verwaltung war eindeutig und vor allem einstimmig: Wir wollen ein schulübergreifendes Computerkonzept für den Bereich rund um die Olivet-Allee. Das war 2012, ein gemeinsamer Antrag von FDP und CDU. Zwischenzeitlich hat das Gymnasium Geld für eine Laptoplösung bekommen, ansonsten ruhte der See still.

Und jetzt tauchte das Thema wieder auf der Tagesordnung auf. Nein, kein Konzept, sondern Fakten. Die TMS soll zwei neue Computerräume bekommen. Vielleicht reicht aber auch einer, anfangs war zwar von vier die Rede … egal. Rektor Henning Bergmann hatte Eltern und Schüler mobilisiert, damit die seinem Anliegen körperlichen Nachdruck verleihen. Die SPD zeigte sich unbeeindruckt und beantragte eine Absetzung des Punkts, bis von der Verwaltung das geforderte Konzept vorgelegt wird. Die CDU nutzte die Gunst der Stunde, um sich als Retter der Bildung im allgemeinen und des Gymnasiums im speziellen zu präsentieren und so bei den Wählern Punkte zu sammeln. Da sind sich die Christdemokraten auch nicht zu schade, die neue SPD-Bildungsministerin zur Computer-Thematik zu zitieren. Hallo? Ist das die CDU, die sonst zu allem, was aus Kiel an Vorgaben kommt, die Antwort parat hat: Wenn die Landesregierung das will, soll sie gefälligst auch das Geld dafür bereit stellen! Im Populismus-Modus geht das natürlich nicht.

Verschaukelt

„Niemand hat die Absicht eine Mauer … ähm, Quatsch … 130 Wohneinheiten zu erschließen“, so wurde es den Anliegern am Tegel im Bauausschuss verkauft. Was ihnen verschwiegen wurde: Die Großbaupläne liegen längst fertig in der Schublade und hätten, hinter verschlossenen Türen, noch am selben Abend beschlossen werden sollen. Eine ganz fiese Nummer.

Die Idee, am Tegelkamp zu bauen, ist nicht neu. Vor zehn Jahren wurden die Pläne abgelehnt und weggepackt. Warum? Es sollte keine Konkurrenz zum Steinfelder Redder geben. Die Stadt hätte für weitere Bauplätze Strafe zahlen müssen. Das wollte natürlich keiner laut zugeben und die SEG nicht verärgern, also wurden Pseudoargumente angeführt, um das Projekt beerdigen zu können. Zehn Jahre später ist der Redder voll, die SEG heißt inzwischen SIG und sucht nach neuen Aufgaben – klar wird da der Tegelkamp wieder ausgebuddelt. Wer erlebt hat, wie schnell der Westen und der Redder verkauft waren, der wird ahnen – bei 30 Grundstücken wird es nicht lange bleiben. Auch wenn die Stadt auf dem Papier die Planungshoheit hat.

Kreativität

Dass Stormarns Landrat, der vorher Mathelehrer und SPD-Fraktionsvorsitzender war, auch gern Unternehmer wäre, hätte man vielleicht nicht erwartet. Gemeint hatte Klaus Plöger damit aber etwas anders: „Wenn ich könnte, wie ich wollte ...“ Bei den für zwei Millionen Euro im aufgestockten Dachgeschoss des Stormarnhauses geschaffenen Büros konnte er nicht wie er wollte. Der IT-Verbund Stormarn wollte plötzlich keine offenen Büros mehr und zusätzlich das komplette Dachgeschoss. Und aus der Kreisverwaltung fielen die datenschutzrelevanten Fachbereiche raus, und von den anderen wollte freiwillig niemand umziehen. Nicht weil man was gegen neue Büros hätte, aber bitteschön nicht offen! Das würde ja schon aus Datenschutzgründen nicht gehen, dass jemand einem Kreisbediensteten bei der Arbeit zusieht. Gegenwehr hatte Landrat Klaus Plöger sicher erwartet, diese Widerstandskraft und -kreativität aber wohl nicht. Es soll gläsern offen bleiben, aber unser Karikaturist Götz Wiedenroth ahnt es schon: Selbst ohne Zwischenwände fällt den Kreismitarbeitern bestimmt noch etwas ein.

Friedenskirche

Kommt in phantastischen Kostümen aber „lasst alle Waffen zu Hause“ bittet die Kirche zum Karnevals-Gottesdienst für Kinder in Bad Oldesloe. Da man die Erwachsenen bei sonntäglichen Gottesdiensten auch nicht dazu auffordert, ohne Messer und Revolver zu kommen, darf man davon ausgehen, dass beim Nachwuchs keine echten Waffen gemeint sind. Aber Winnetou soll ohne Pfeil und Bogen kommen, der Cowboy das Holster leer lassen und kein Yedi-Ritter darf sein Laserschwert zücken. Der angeblich pädagogische Ansatz ist das eine, die Kirche als Organisation das andere. Sind Plastikschwerter verboten, weil man die Kreuzzüge noch nicht verarbeitet hat? Und was ist mit den Erzengeln? Werden die Darstellungen Gabriels oder Michaels bald aus den christlichen Kirchen verbannt, weil sie ein Schwert tragen? Sind sie nicht mehr die mächtigen Kämpfer für das Gute? Und wenn doch: Wofür kämpfen eigentlich Kinder mit dem Laserschwert?
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