3. Liga : Nicht die Beine – der Kopf ist das Problem bei Tabellenschlusslicht VfB Lübeck

Sensibilisieren, emotionalisieren: VfB Lübecks Trainer Rolf Landerl (li., hier mit Thorben Deters) sucht den menschlichen Zugang zu seinen Spielern, die nach sieben Drittligaspielen am Freitag in Köln auf den ersten Saisonsieg hoffen.
Sensibilisieren, emotionalisieren: VfB Lübecks Trainer Rolf Landerl (li., hier mit Thorben Deters) sucht den menschlichen Zugang zu seinen Spielern, die nach sieben Drittligaspielen am Freitag in Köln auf den ersten Saisonsieg hoffen.

In der 3. Liga hofft Tabellenschlusslicht VfB Lübeck am Freitag bei Viktoria Köln auf die Trendwende.

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29. Oktober 2020, 17:17 Uhr

Lübeck | Ein Blick auf die Tabelle der 3. Liga reicht aus, um den Ernst der Lage zu erkennen: Der VfB Lübeck ist Schlusslicht, hat als einziges Team nach sieben Spieltagen noch nicht gewonnen und magere zwei Punkte auf dem Konto. Nach der überflüssigen 2:3 (1:0)-Niederlage zuletzt gegen den Halleschen FC aber haute Trainer Rolf Landerl keineswegs auf den Tisch, wie man es vermuten könnte.

Landerl sucht menschlichen Zugang

„Ich versuche in erster Linie, einen menschlichen Zugang zu den Spielern zu finden“, sagte der Österreicher vor dem Auswärtsspiel der Grün-Weißen am Freitagabend bei Viktoria Köln (19 Uhr). Seine Autorität mit markigen Worten zu untermauern oder Spieler unter Druck zu setzen, ist für den Wiener keine Option. „Es geht darum, authentisch zu bleiben“, sagte der 45-Jährige und betonte, sich auch in schwierigen Phasen nicht verstellen zu wollen.

Der erfahrene Sebastian Hertner hatte zuletzt gefordert, man müsse klare Worte finden und Fehler detailliert benennen. Landerl hat das getan – auf seine Weise: In Einzel- und Gruppengesprächen habe er Verfehlungen angemahnt und versucht, die Spieler zu sensibilisieren, den Glauben und das Vertrauen nicht zu verlieren. „Ich versuche Handlungsanweisungen zu geben, darauf aufmerksam zu machen, dass jeder seinen Job zu erledigen hat und alle mit einem guten Gefühl ins nächste Spiel gehen“, erklärte Landerl.

VfB-Spieler sollen Vertrauen in den Plan nicht verlieren

Nicht die Beine seien das Problem bei den Fußballer von der Lohmühle, sondern der Kopf, darauf habe der Coach hingewiesen, nachdem seine Elf gegen Halle eine Pausenführung verspielt, einen Rückstand ausgeglichen und sich am Ende einen Konter zum 2:3-Endstand eingefangen hatte. „Wenn etwas funktioniert, muss ich daran festhalten, bis es eben nicht mehr funktioniert“, sagte Landerl und stellte klar: „Das hat etwas mit Mut und Vertrauen zu tun, den eigenen Plan durchzubringen.“ In dieser Hinsicht fehlte dem VfB die nötige Disziplin, ein Vorwurf, den sich die Mannschaft gefallen lassen musste.

Mit Freude und Ernsthaftigkeit in die Erfolgsspur

An die Kandare aber nahm Landerl seine Schützlinge deshalb nicht. Auch, weil ihm im Umgang mit der Mannschaft die richtige Balance aus Nähe und Distanz wichtig ist. „Du funktionierst am besten, wenn du konzentriert und entspannt arbeitest“, sagte Landerl. Mit der richtigen Mischung aus Freude, Spaß und Ernsthaftigkeit habe er daher auch in dieser Trainingswoche versucht, „die Jungs ins Boot zu holen.“

Defensivere Haltung in Köln zu erwarten

Veränderungen, das aber hat auch der Coach erkannt, bedarf es nach sieben sieglosen Spielen dennoch. Bislang hatte der VfB stets versucht, sein Glück in die eigenen Hände zu nehmen. Selbstbewusstes, frühes Attackieren und eine offensiv ausgerichtete Spielweise brachte dem Aufsteiger zwar Respekt ein, nicht aber den gewünschten Erfolg. „Kompaktheit tut uns gut, wir werden eventuell etwas defensiver gegen Viktoria Köln auftreten“, sagte der Österreicher in der Hoffnung, mehr Stabilität zu erlangen. Auch einen dreckigen 1:0-Sieg würden sie sich mittlerweile an der Lohmühle wünschen - auch wenn es nicht das Lielingsergebnis des 45-Jährigen ist und er sich eher Spektakel wünscht: Als der ehemalige Mittelfeldspieler 2016 das Traineramt beim VfB übernahm, hatte er noch gesagt, ein 4:3 sei ihm lieber als ein 1:0.

Gemeinschaftlich der individuellen Qualität begegnen

Nach der 1:5-Schlappe der Kölner zuletzt gegen Hansa Rostock, stellt sich Landerl auf einen heißen Tanz in der Rheinmetropole ein. Viktoria verfüge über eine spielstarke Mannschaft mit großer individueller Qualität in der Offensive. „Wir werden kompakt stehen, engmaschig verteidigen und diszipliniert zusammenarbeiten müssen“, sagte der Österreicher – und hofft, dass diesmal der Kopf mitspielt und seine Mannschaft 90 Minuten am Matchplan festhält.

Infos zum Spiel

FC Viktoria Köln – VfB Lübeck

Anstoß: Freitag, 19 Uhr, Sportpark Höhenberg Köln – Live-Übertragung im TV/Streaming: Magenta Sport – Es fehlen: Kircher (muskuläre Probleme), Malone (gesperrt), Ramaj (Schlüsselbeinbruch), Rüdiger (Muskelbündelriss), Shalom (Meniskus-Op) – Fraglich: Rieble (muskuläre Probleme) – Voraussichtliche Aufstellung: Raeder – Riedel, Grupe, Rieble (Hertner) – Steinwender, Boland, Zehir, Thiel – Röser – Hobsch, Deichmann.

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