Bad Oldesloe : NGG: Mitarbeiter der Bäckereien wandern ab

Die Arbeit im Bäckerhandwerk ist hart und nichts für Langschläfer.
Die Arbeit im Bäckerhandwerk ist hart und nichts für Langschläfer.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sieht einen Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk in Stormarn.

Avatar_shz von
22. Oktober 2018, 11:02 Uhr

Sie stehen mitten in der Nacht auf, leiden unter Mehlstaub und Stress an der Verkaufstheke: Die rund 900 Beschäftigten in den Bäckereien im Kreis Stormarn leisten schwere Arbeit. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine kräftige Lohnerhöhung und warnt vor einem Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk.

„Schon jetzt haben viele Bäckereien im Kreis damit zu kämpfen, dass bewährte Mitarbeiter in andere Branchen abwandern“, sagt Gewerkschaftssekretärin Christa Theinert.

Anfang dieses Jahres verhandelte die NGG mit der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord über einen neuen Tarifvertrag. Die Gewerkschaft fordert ein Plus von 5,5 Prozent. „Die Branche schreibt solide Zahlen. Trotzdem haben die Arbeitgeber bisher nur ein Plus zwischen 1,8 und 2,7 Prozent für Bäckergesellen und Fachverkäuferinnen angeboten“, so Christa Theinert. Dabei solle die Erhöhung erst ab Herbst gelten – obwohl sie bereits im März fällig gewesen wäre. Damit liege das Lohnangebot gerade einmal auf dem Level der Inflationsrate – denn für mehr als ein halbes Jahr gäbe es gar kein Plus, kritisiert die Gewerkschafterin. De facto hätten die Beschäftigten also nicht mehr Geld im Portemonnaie.

Noch schlechter sehe es für die ungelernten Kräfte in der Backstube aus. Geht es nach dem Arbeitgeberverband, soll ihr Lohn-Plus lediglich zwischen 1,2 und 1,6 Prozent liegen, berichtet Theinert. „Einerseits klagen die Bäckermeister darüber, dass sie kaum noch Fachkräfte finden. Andererseits sind sie nicht bereit, ihren Beschäftigten einen fairen Anteil an der Umsatzentwicklung abzugeben. Das passt nicht zusammen.“

Die harten Arbeitsbedingungen in Bäckereien führten schon heute dazu, dass sich immer weniger Schulabgänger für die Branche entschieden, so die NGG. „Wenn dann auch noch die Bezahlung nicht stimmt, guckt sich der mögliche Nachwuchs lieber woanders um“, betont Christa Theinert. Das Bäckerhandwerk konkurriere längst nicht mehr nur mit der Industrie, sondern auch mit teils besser bezahlten Jobs im Einzelhandel.

>Die Tarifverhandlungen gehen am Dienstag, 30. Oktober, in die nächste Runde.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen