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Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 22:53 Uhr

New York: 24 Stunden am Puls der Zeit

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Abenteuer, Erlebnisse, Impressionen – Gabriele und Wolf Leichsenring aus Bad Oldesloe sind mit einem Wohnmobil in Nordamerika unterwegs

von
erstellt am 18.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Gabriele und Wolf Leichsenring aus Bad Oldesloe sind mit einem Wohnmobil monatelang in Nordamerika unterwegs und berichten – heute : Folge 13.

24-7-365
New York, eine Stadt die scheinbar niemals zur Ruhe kommt, immer pulsiert, rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche, 365 Tage im Jahr. Die Frage nach dem 366. Tag
Thanksgiving wurde schon unter Abraham Lincoln begangen, aber erst Franklin D. Roosevelt erhob ihn zum landesweiten Feiertag. Natürlich will man an diesem Tag auch Dank sagen für empfangene Wohltaten, geleistete Dienste und anderes. Roosevelt scheute sich aber auch nicht, einen weiteren, und sicherlich wahren Grund hinzuzufügen: Das Weihnachtsgeschäft zu verlängern und anzukurbeln. Das Spektakulärste an der Parade sind stets die Riesenballons in verschiedenen Motiven. Bis zu sechs Stockwerke hoch schweben die mit Gas gefüllten lustigen Figuren durch die Straßen. Am Fortfliegen gehindert werden sie von jeweils 20 bis 50 „Bändigern“, die sie an Bändern halten und durch die Straßen ziehen.

Black Friday
Was von der Farbgebung her erst einmal nachdenklich stimmt, ist der wirkliche Startschuss zum hemmungslosen Shopping, denn natürlich baut man an diesem Tag eine Urlaubsbrücke. Die Geschäfte bieten unglaubliche Preisnachlässe bis zu 80 Prozent, die Autoindustrie hat diesen Freitag zum „Ausverkaufstag der 2013-Modelle“ gekürt. Hier, wie z. B. in der Textilbranche üblich, ging man allerdings nicht so weit, die Waren unter dem Motto anzupreisen „Buy One, Get One Free!“. Um den Umsatz noch zu erhöhen, haben jedoch viele Geschäfte den „Black Friday“ für den Schlussverkauf gar nicht erst abgewartet. Namenhafte Kaufhausketten wie Macy’s, Target, Best Buy und viele andere öffneten die Ladentüren bereits am „Black Thursday“, also dem eigentlichen Feiertag, bereits um sechs Uhr abends und lockten die Kundschaft mit Superschnäppchen in Geschäfte.

Qual der Wahl
Natürlich kann man an einem verlängerten Wochenende New York City nicht wirklich kennenlernen, maximal einen Hauch von dieser ruhelosen Stadt. Also versuchten wir möglichst „effektiv“ vorzugehen. Das ging los bei der Unterkunft, denn unser Wohnmobil hatten wir ja in Baltimores Hafen zur Rückverschiffung gelassen. Das setzte sich fort mit der Entscheidung, was wollen wir eigentlich besichtigen und, davon abhängig, wie und auf welchem Weg. Dass diese Tage nicht ganz stressfrei ablaufen würden hatten wir innerlich eingeplant.

Unterkunft
Unser Schwerpunkt war, eine bezahlbare Unterkunft möglichst in Manhattan zu finden, um lange An- und Abfahrtswege zu vermeiden. Selbstredend zeichnet sich New York durch erhöhte Preisgestaltung aus, insbesondere auch bei Hotels mit Innenstadtnähe. Als genügsame Camper sind wir deshalb dem Rat einer früheren Camperbekanntschaft gefolgt und haben das „Seafarers & International House“ gewählt, auch bekannt als „German Seamen’s Mission“. Wir wollen in diesem Zusammenhang auch gar nicht von Hotel im üblichen Sinne reden. Andererseits trifft man dort aber auch nicht ausschließlich Seeleute an. Sprechen wir doch lieber von einer besseren Jugendherberge, die eine akzeptable Unterkunft zu einem vernünftigen Preis nach New Yorker Verhältnissen bereithält. Außer einem frisch gebrühten Kaffee auf Spendenbasis bietet diese Unterkunft aber nichts weiter. Nach eigener Auskunft verwendet diese Non-Profit-Organisation mögliche Gewinne für ihre kirchliche Arbeit der Betreuung von Seeleuten in den umliegenden Häfen.

„Seafarers & International House“ zeichnet sich aber durch einen unschlagbaren Vorteil aus: In der ruhigen „E 15th Street“ im südlicheren Manhattan gelegen, unweit des Broadway, sind es nur wenige Schritte bis zum U-Bahnanschluss am Union Square und zu zahlreichen Buslinien in alle Richtungen. Und wer wie wir ein wenig Glück hat, ein Zimmer im obersten, nämlich dem 11. Stockwerk zu ergattern, profitiert auch noch von einem wunderschönen Blick.

Es ist sicherlich ein Zufall, dass die Herberge im sogenannten „Ladies District“ liegt. Dieser historische Terminus weist darauf hin, dass es bis ins 19. Jahrhundert hinein den Damen erlaubt war, allein ohne männliche Begleitung in diesem Distrikt – 30th bis 15th Street – zu flanieren. Was ist übrig geblieben davon? Man trifft hier heute vermehrt Geschäfte für den „weiblichen Bedarf“.

Rundfahrten
Das Angebot des öffentlichen Bus- und U-Bahnnetzes ist vielfältig und gut nutzbar, zieht zum Teil aber auch lange Wege in dem Labyrinth der U-Bahnstationen mit sich. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man sich in die Streckenpläne vorher gut einlesen. Auch bei den Bushaltestellen lohnt es sich, genau zu wissen, wo man ein- und aussteigen möchte, besser noch, dem Busfahrer vorher bzw. rechtzeitig einen Hinweis geben, denn viele Busstopps sind nur Bedarfshaltestellen.

Unkomplizierter geht es mit einer der Hop-On-Hop-Off-Buslinien. Gut, sie sind nicht ganz so preisgünstig wie der öffentliche Nahverkehr, sie bringen den Ortsfremden aber zielsicher und oft punktgenau an den gewünschten Ort. Angebote solcher Unternehmen gibt es reichlich. Ein Vergleich der verschiedenen Routen lohnt in jedem Fall, besonders auch unter dem Aspekt, was außer der eigentlichen Fahrt im Preis noch inbegriffen ist.

Wir haben ein Angebot aus dem mittleren Preissegment gewählt: 44 Dollar pP für ein Drei-Tage-Ticket, gültig auf den Routen Downtown Tour, Uptown Tour, Brooklyn Tour, NY at Night Tour, Eintritt für Museum of the City of New York und für Sportbegeisterte ein Voucher für eine dreistündige Fahrradausleihe im Central Park. Das alles kann man natürlich upgraden mit einer Hafenrundfahrt, weiteren Eintritten zu attraktiven Sehenswürdigkeiten. Der Vielfalt der Mosaiksteinchen sind hier keine Grenzen gesetzt.


Just for Free
Eine Hafenrundfahrt lohnt sicherlich. Aber es geht auch für umsonst! Eine Fährverbindung von Manhattans Südspitze zur Staten Island befördert kostenfrei. Die 20-minütige Überfahrt führt direkt vorbei an der Freiheitsstatue. Besser geht es nicht.

Und um der Versuchung vorzubeugen, des öfteren übergangslos hin- und herzufahren, werden stets alle Passagiere am Fähranleger vom Schiff gejagt. Dann dürfen sie einen Rundlauf durch den Fährterminal unternehmen, um sich wieder hinten anzustellen. Der Zulauf zu diesen Fährfahrten ist natürlich immens; der Rundlauf ähnelt einem Dressurakt in der Zirkusmanege.

Gemischte Gefühle
Auf der Rückfahrt präsentiert sich Südmanhattans Skyline im strahlenden Sonnenlicht. Doch die Erinnerungen an den fürchterlichen 9/11-Terrorakt stellen sich automatisch ein, denn inmitten der Aneinanderreihung von Wolkenkratzern klafft eine breite Lücke. Darin hatten einst die beiden Türme des World Trade Centers gestanden. Das neue Center, auch Tower of Freedom genannt, ragt nunmehr ein wenig östlich empor.

Ground Zero
Die Fähre folgt ziemlich genau der Einflugschneise eines der beiden gekaperten Flugzeuge. Auf dem Areal des ehemaligen WTC wurde nunmehr ein Memorial errichtet. Dabei verwandelte man die Fundamente der beiden Türme in riesige Wasserbecken, an deren Seiten ein immerwährender Wasserstrom auf den nicht einsehbaren Boden rinnt, ein Symbol des endlosen, leidvollen Tränenstromes. Auf die Marmoreinfassungen sind die Namen sämtlicher Opfer eingraviert. Hin und wieder ist dort eine Rose abgelegt oder eine kleine Amerikaflagge in die Buchstaben gesteckt. Das ganze Memorial wirkt sehr schlicht, aber anrührend beeindruckend.



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