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Sprachlosigkeit : Neustart: Lebenshilfe Wörterbuch

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien lernen in DaZ-Zentren Deutsch als Zweitsprache. Allerdings mit einigen Hindernissen. Die Klassen sind überfüllt, es fehlt an Material.

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2014 | 11:40 Uhr

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns nach Deutschland kommen. Besonders schwer haben es die Kinder, die oft traumatisiert sind, kein Wort Deutsch sprechen, aber dennoch die Schule besuchen müssen und auch wollen. Denn: Das Erlernen der deutschen Sprache ist der Schlüssel für die Verständigung in der neuen Heimat.

47 Kinder und Jugendliche aus 17 verschiedenen Herkunftsländern erlernen die deutsche Sprache zur Zeit in fünf verschiedenen Kursen in der Theodor-Storm-Schule (TSS). Einige der Jungen und Mädchen sind erst vor ein paar Wochen mit ihren Eltern nach Stormarn gekommen, wo sie nach ihrer Flucht aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Tschetschenien oder dem Jemen vorübergehend ein neues Zuhause gefunden haben. „Ständig kommen neue Schüler dazu. Inzwischen unterrichten wir fast 50 Kinder und Jugendliche an unserer Schule“, sagt Barbara Stenzel, die das Fach „Deutsch als Zweitsprache“, kurz DaZ genannt, unterrichtet.

Im Kreis Stormarn gibt es vier so genannte DaZ-Zentren, organisatorische Verbindungen von mehreren Schulen, die in fest gelegten Einzugsbereichen Deutschkurse für Kinder ohne oder mit nur sehr geringen Deutschkenntnissen anbieten. Für den Bereich Nordstormarn gibt es in Bad Oldesloe zwei DaZ-Zentren: Für Grundschulkinder in der Stadtschule, wo momentan 70 Kinder unterrichtet werden, und für ältere Kinder in der Theodor-Storm-Schule.

„Es ist wie eine Wundertüte: Wir nehmen alle Kinder auf, die zu uns kommen, und versuchen dann, das Beste draus zu machen und sie auch individuell zu fördern“, erzählt Barbara Stenzel, die bei ihrem elementaren Sprachunterricht von Gudrun Behnsen-Katenhusen ehrenamtlich unterstützt wird.

In zwei kleinen Räumen unter dem Dach der TSS sitzen täglich bis zu 20 Schüler im Alter von elf bis 16 Jahren, deren Muttersprachen von arabisch und persisch bis zu rumänisch, russisch und polnisch reichen. In Deutsch können sich einige, wie der 16-jährige Selemun aus Eritrea, schon ganz gut verständigen. Andere, wie der 13-jährige Mustafa, der mit seinen Eltern erst vor zwei Wochen aus Syrien kam, versteht noch so gut wie gar nichts von der deutschen Sprache. Zwei Mädchen, die noch nie zur Schule gingen und nur die Sprache der Roma sprechen, erhielten zwei Bilderbücher, denn Wörterbücher in Romanes gibt es nicht. „Dabei handelt es sich um eine reine Sprechsprache, die bisher noch nicht in Schrift umgesetzt wurde“, weiß Barbara Stenzel.

Gegen diese Sprachlosigkeit sollen jetzt rund 50 nagelneue Wörterbücher helfen, die dank einer großzügigen Spende des Lions Clubs Stormarn in Höhe von 1000 Euro angeschafft werden konnten. Die Spende kommt aus einem Erlös von insgesamt 20400 Euro, der bei dem Benefizkonzert „Rock am Schloss“ erzielt wurde. Die Wörterbücher übersetzen Deutsch in die arabische, russische, rumänische oder persische Sprache. Solomun bekommt ein Englisches Wörterbuch, denn Englisch spricht der junge Eritreer sehr gut. Für seine Muttersprache gibt es leider kein deutsches Wörterbuch.

 

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