Bad Oldesloe : Neuregelung „ist reine Makulatur“

Ein Ziel des Teilzeitgesetzes: Mehr Zeit für die Familie.
Ein Ziel des Teilzeitgesetzes: Mehr Zeit für die Familie.

NGG: 45 Prozent profitieren im Kreis Stormarn nicht vom Teilzeitgesetz.

shz.de von
11. Oktober 2018, 10:07 Uhr

Mal etwas weniger arbeiten, um Zeit für Kinder, Angehörige oder auch sich selbst zu haben – danach aber wieder voll in den Beruf einsteigen: Für tausende Beschäftigte im Kreis Stormarn soll das ab 2019 per Gesetz möglich sein. Tatsächlich dürften jedoch 44 400 Arbeitnehmer im Kreis nicht vom sogenannten Rückkehrrecht in Vollzeit profitieren – weil ihr Betrieb weniger als 45 Mitarbeiter hat. „Das sind 45 Prozent aller Beschäftigten, an denen das Gesetz komplett vorbeigeht“, kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Die NGG Hamburg-Elmshorn beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Ein Großteil der Beschäftigten in Bäckereien und Metzgereien dürfte danach nichts von der geplanten Brückenteilzeit haben. Im Gastgewerbe wären laut Statistik im Kreis Stormarn sogar 66 Prozent des Personals vom Gesetz ausgenommen.

Auf die Untergrenze von 45 Beschäftigten hatte sich die Große Koalition verständigt. Die Unionsparteien setzten sich in diesem Punkt gegen die SPD durch. Das Gesetz soll noch im Oktober den Bundestag passieren. „In den vielen Kleinbetrieben im Handwerk und in der Gastronomie ist die Teilzeit-Novelle damit reine Makulatur“, sagt NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner. Sie ruft die heimischen Bundestagsabgeordneten dazu auf, sich in Berlin für Änderungen am Gesetz stark zu machen. „Die Einschränkung für kleine Betriebe muss wegfallen“, so Kettner. Denn die Idee der Reform gehe in die richtige Richtung: „Tausende wünschen sich mehr Souveränität bei der Arbeitszeit.“

Hinzu kommt: Rund 35 300 Beschäftigte im Kreis arbeiten bereits in Teilzeit. Nach Angaben der Arbeitsagentur ist ihre Zahl in zehn Jahren um 38 Prozent gestiegen. „Diesen Menschen bringt das Gesetz auch keine Verbesserungen“, bemängelt Kettner. Denn einen Anspruch auf eine Vollzeit-Stelle habe nach den Plänen der GroKo nur, wer vorher schon einmal in Vollzeit gearbeitet hat. Das sei aber in vielen Branchen die Ausnahme. Das Gesetz helfe auch kaum gegen Altersarmut, von der Frauen besonders häufig betroffen seien. „Frauen arbeiten oft in Kleinbetrieben – oder haben seit vielen Jahren nur einen Halbtagsjob“, so Kettner.

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