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Bad Oldesloe : Neues Leben für Alten Friedhof

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gutachter stellen ein Konzept für das einmalige „kulturhistorische Kleinod“ vor. Politiker bezweifeln allerdings, ob sie den historischen Friedhof wirklich teuer sanieren lassen wollen.

Die Kreisstadt besitzt mit dem „Alten Friedhof“ ein „kulturhistorisches Kleinod“. Zu diesem Urteil kommen Joachim Schnitter, Experte für Gartendenkmalpflege, und Landschaftsarchitekt Frank Bellinger in ihrem Gutachten, das sie im Bauausschuss vorstellten. „Was Sie hier in Ihrer Stadt haben, ist einmalig und absolut schützenswert. In dieser Zusammenstellung und mit dieser Geschichte gibt es ihn nicht ein zweites Mal“, betonte Bellinger. Die Gutachter kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Für Oldesloer Geschichtslehrer sei es quasi Pflicht, mit Schülern diesen Ort aufzusuchen, denn er mache Historie greifbar.

Drei Bereiche seien ihnen wichtig: Denkmalschutz, Ökologie und Naherholung, erklärten die Gutachter. Schnitter berichtete in seinem Vortrag aus der ereignisreichen Geschichte des Friedhofs. 1823 sei er angelegt worden. Das Torhaus sei ein besonderes kulturhistorisches Zeugnis, weil es ein Jugendwerk des damals erst 24-jährigen Stararchitekten Alexis de Chateauneuf sei. Hinzu komme der Obelisk von 1871, der an den deutsch-französischen Krieg erinnere, sowie der ummauerte, ehemalige Eichen umpflanzte „Heldenhain“. Durch die Einfügung der Plastik einer trauernden Frau wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg umgedeutet von einem überkommenen und kritisch zu betrachtenden Heldengedenken hin zu einer Trauerstätte.

Entscheidend sei, den Park wieder möglichst nah an seinen Originalzustand zu bringen. Das Wegesystem soll wieder so zugeschnitten werden, dass die Lindenalleen einmal um den Alten Friedhof führen. Die Trampelpfade sollten beseitigt werden und durch die gerade aus vier Richtungen auf den Obelisken zulaufenden Originalwege verändert werden. Der Baumbestand solle ausgedünnt und die unterschiedlichen Bereiche durch verschiedene Rasenmähintervalle verdeutlicht werden. Mit Lichtpunkten könne man für eine bessere Orientierung im Dunkeln sorgen. Und mit Infotafeln sollte von der Geschichte des Parks berichtet werden.

Ein so sanierter Friedhof könne auch über die Region hinaus Strahlkraft besitzen, so die Experten. An der Trave könne am Ende eines der Wege auch eine Kanustation entstehen. Ein Aussichtspunkt und ein Spielplatz seien ebenfalls möglich.

„Sie haben das gut ausgearbeitet, aber für mich gehört das direkt in die Schublade. Wir haben gesagt, dass wir das Torhaus sanieren wollen. Doch dazu habe ich fast gar nichts gehört. Aus unserer Sicht sanieren wir dann das Torhaus, und das war es“, polterte Hans Hermann Roden (SPD). Das werde dann aber sicherlich nicht aus Fördergeldern des Stadtumbaus West finanziert werden, entgegnete Bauamtsleiter Thilo Scheuber. „Das hat man uns ganz anders erzählt“, antwortete Roden.

„Sie wollen den entscheidenden Weg schließen. Das wird nicht klappen. Die Bürger machen da nicht mit. Das ist totaler Blödsinn“, ist Matthias Rohde (FBO) überzeugt. „Wir waren vorher der Meinung, eine Sanierung sei nicht unbedingt notwendig. Der Vortrag hat uns aber voll überzeugt“, sagte Uwe Rädisch (CDU). Er schlug eine Einwohnerversammlung zu dem Thema vor, die SPD machte sich mehr für ein Beteiligungs-Verfahren stark.

„Wir brauchen den Bürgern aber nichts vorzuschlagen, was sie sowieso ablehnen“, sagte Rohde: „Die Menschen trauen sich doch abends kaum noch auf die Bahnhofstraße. Wer soll denn dann auf den Friedhof gehen.“

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