Klein Wesenberg : Neuer Rundblick im Pastoratsgarten

Eine runde Sache: Klaus-Rainer Martin, Vorsitzender des Kirchenbauvereins, enthüllt das Widmungsschild an der neuen Rundbank zwischen der Kirche und dem Pastorat.
1 von 2
Eine runde Sache: Klaus-Rainer Martin, Vorsitzender des Kirchenbauvereins, enthüllt das Widmungsschild an der neuen Rundbank zwischen der Kirche und dem Pastorat.

Der Kirchenbauverein in Klein Wesenberg lässt eine marode Sitzgelegenheit unter der Rotbuche ersetzen.

shz.de von
05. Juni 2018, 06:00 Uhr

Unter der alten Rotbuche im weitläufigen Pastoratsgarten sitzt man gemütlich mit Blick auf die historische Backsteinkirche, auf den Garten und das Storchennest hoch oben. Die alte Rundbank war nach vielen Jahren marode geworden. Der Kirchenbauverein ließ sie jetzt aus Spenden- und Mitgliedsbeiträgen durch eine neue, wetterbeständige ersetzen. „Es ist eine Spezialanfertigung der Lübecker Firma, die bereits die zwei neuen Bänke vor unserer Kirche gefertigt hat“, erklärt Pastor Erhard Graf, der sich mit den Mitgliedern des Vorstandes unter der Buche versammelt hat.

Rund 2000 Euro hat die Anschaffung mit wetterfester Douglasie und einem Unterbau aus rostfreiem Edelstahl gekostet. „Die Bank braucht später nur ein Mal pro Jahr geölt werden und soll möglichst lange halten“, sagt der Pastor und schenkt ein Gläschen Sekt zur Feier des Tages aus, während Vorsitzender Klaus-Rainer Martin vorsichtig die Klebefolie von dem Widmungsschild an der Bank entfernt. Anschließend geht es ins Gemeindehaus zur Mitgliederversammlung.

Der Kirchenbauverein wurde im Jahre 2011 aus der Not heraus gegründet, denn die neugotische Klein Wesenberger Kirche, im Jahre 1882 auf dem Fundament der abgebrannten alten Kirche erbaut, war immer mehr in die Jahre gekommen. „Wir mussten dringend den Sanierungsstau beheben“, sagt Graf. Der dafür gegründete Verein zählt heute 40 Mitglieder. Im letzten Jahr finanzierte er nicht nur die beiden Kirchenbänke, sondern auch die eisernen Gittertüren im Kircheninneren, die aus Sicherheitsgründen den Aufgang zum Turm versperren. Nur deshalb war es möglich, die Kirche für Besucher auch außerhalb der Gottesdienst-Zeiten zu öffnen. Heute ist das Gotteshaus eine „offene Kirche“. Der Bauverein sanierte außerdem den auf dem Dachboden gefundenen, 500 Jahre alten Opferstock, der heute im Entree der Kirche zu bewundern ist und dort fest verankert wurde.

Der Verein initiierte die Pflanzaktion der Firma Fielmann und half tatkräftig mit. Die Kirchengemeinde ließ eine moderne Belüftungsanlage einbauen. Auch hier beteiligte sich der Verein an den Kosten. Die bunten Glasfenster öffnen sich jetzt automatisch. Ein Sensor misst die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Das erlaubt ein Raumklima, das dem alten Gemäuer zuträglich ist.

In diesem Jahr haben sich die Vereinsmitglieder eine große Aufgabe vorgenommen. „Die Gemeinde möchte die gesamte Elektrik unseres Gotteshauses erneuern, anschließend die Wände weißen“, erläutert der Pastor. Wenn die Denkmalpflege grünes Licht gebe und sich zeitnah Firmen finden, die die weitere Sanierung übernehmen. Das sei heute nicht mehr selbstverständlich. Aber alles Schritt für Schritt. Graf hofft, dass die Arbeiten für die Erneuerung der Elektrik im Frühjahr 2019 abgeschlossen werden können. Erst nach Abschluss der Dreck fabrizierenden Arbeiten könne man mit der Reinigung der 1885 eingebauten Orgel der dänischen Firma Marcussen beginnen. 1996 war dies das letzte Mal der Fall. Der damalige Pastor Christian Uecker trieb das Projekt voran, schrieb Kriminalromane und spendete 10 Prozent des Verkaufserlöses für die Orgelsanierung. Graf: „Das Reinigen ist sehr aufwändig und kann nur von einer Fachfirma übernommen werden. Jede einzelne Pfeife muss draußen durchgepustet werden. Wir rechnen mit rund 20 000 Euro an Kosten.“ Auch zu dieser Summe werde der Kirchenbauverein etwas beisteuern.

Ein wenig stolz sind die Mitglieder schon auf ihr Engagement, denn – so rechnet es der Pastor vor – im Jahre 2021, wenn der Verein seinen zehnten Geburtstag feiern wird, werde man durch Spenden und Beiträge die stolze Summe von 20 000 Euro für die Kirchenrestaurierung gespendet haben. „Das ist dann mehr als alle Kommunen zusammen gegeben haben“, unterstreicht er. 2000 Euro kämen jährlich an Geldern zusammen. Neue Mitglieder sind natürlich herzlich willkommen.

Doch Klaus-Rainer Martin macht etwas ganz anderes Sorgen „In zwei Jahren geht Pastor Graf in Rente. Es wird schwer werden, einen solch kompetenten Nachfolger zu finden. Es herrscht Pfarrermangel.“ Aufgrund von geplanten Strukturveränderungen des Kirchenkreises befürchtet er außerdem, dass die kleine Gemeinde Klein Wesenberg eventuell mit einer größeren zusammengelegt werden könnte – zum Beispiel mit der in Reinfeld. Dann gebe es für Klein Wesenberg und Hamberge keinen Pastor mehr. Martin: „Glücklicherweise sind wir dann hoffentlich mit allen Renovierungsarbeiten an der Kirche fertig.“



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen