Neuer Kinderbeauftragter gesucht

Joachim Malecki
Joachim Malecki

Joachim Malecki zieht im Frühjahr aus persönlichen Gründen aus Stormarn fort / Kreis schreibt die Stelle ab April neu aus

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04. Februar 2012, 09:08 Uhr

Bad Oldesloe | Der Kreis Stormarn braucht einen neuen Kinderbeauftragten. Joachim Malecki, der diesen Posten seit 2007 innehat, will aus persönlichen Gründen "einen Schnitt machen" und zieht nach Niedersachsen, wo er ein Haus geerbt hat. Seine Amtszeit läuft noch bis zum 31. März. Schon bei seiner Wiederwahl vor knapp einem Jahr hatte er gesagt, "zunächst" nur für ein weiteres Jahr bereit zu stehen.

23 Jahre, bis 2005, war Malecki Pastor in Rethwisch. 2007 bewarb er sich als Kinderbeauftragter und wurde zwei Mal wiedergewählt. Der Theologe und Dipl. Sozialpädagoge sieht sich selbst als "konstruktiv-kritischen Begleiter der Politik" und erklärte eine "gewisse Konfliktbereitschaft" zu seiner Grundhaltung. Jedenfalls hatte er kein Problem damit, auch Meinungen gegen den vorherrschenden Trend zu vertreten. Etwa gegen die staatlich organisierte Betreuung von Kleinkindern: "Ich halte die gesamte U 3-Kampagne für falsch", sagte Malecki. Kleinstkinder hätten ihre Plätze längst in der Familie, ihr Alltag dürfe nicht instrumentalisiert werden: "Würde man die Kinder fragen, wo sie hin möchten, würden sie die Familie wählen."

Aber er wusste aus seiner langjährigen Erfahrung natürlich auch, dass das oft nicht funktioniert. "Lebensbewältigungs-Unfähigkeit" konstatierte er einigen jungen Müttern und Vätern, die sich, zum Teil über Generationen, nur mit amtlichen Hilfen über Wasser halten könnten. Dass die staatliche Unterstützung zu gering wäre, ließ er nicht gelten. "Die Fähigkeit, mit Geld umzugehen, ist sehr unterschiedlich." Geld sah er nie als Allheilmittel und erst recht nicht als Problemlöser an. Malecki betonte immer die Eigenverantwortlichkeit von Menschen - brach dabei aber nicht den Stab über den Einzelnen. "Man kann ein Problem nicht bei einer Behörde abliefern und erwarten, dass es damit gelöst ist."

Die staatliche Unterstützung fordert er aber immer dann ein, wenn jemand mit seiner Situation überfordert war. In den Chor, dass Hartz IV zu gering sei, wollte er nicht einstimmen, den für Kinder festgesetzen Satz nannte er aber eine "aus der Luft gegriffene Zahl". Die Kinder dürften "nicht zu Geiseln einer Situation gemacht werden, für die sie nichts können". Er plädierte für kostenlose Bildung, war aber gegen die 100 Euro extra für Schulausstattung - weil niemand die Verwendung kontrollieren könne, wären ihm Sachmittel lieber gewesen.

In der Debatte um die Pille auf Kreiskosten warb Malecki dafür, nur Spirale oder Sterilisation zu zahlen, weil es der Klientel "an Vorausschau und Planungsfähigkeit" mangele. "Ich habe kapiert, dass es ein kompliziertes Problem und aufgrund der deutschen Geschichte ein sensibles Gebiet ist. Man kann jemand nicht vorschreiben, keine Kinder zu bekommen. Aber wenn man im Vorgriff ans Kindeswohl denkt und weiß, dass es schiefgeht, ist auch das eine Wahrheit."

Unter dem Strich "ist es gut, dass sich die Kreispolitik dieser Frage gestellt hat". Überhaupt beurteilt er seine Zusammenarbeit mit den Ausschüssen als sehr gut. "Zu Anfang hatte ich gedacht, dass man Dinge durchkämpfen muss. Das war gar nicht erforderlich. Ich habe mich immer bemüht, die Dinge fachlich zu begründen. Das wurde akzeptiert und ich habe von allen Fraktionen Rückhalt bekommen."

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